Markus Ell im Interview
Dossier: 

Was die Corona-Krise für die Oberkircher Winzer bedeutet

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02. April 2020

(Bild 1/2) Markus Ell, geschäftsführender Vorstand der Oberkircher Winzer eG: „Reflektieren und so schnell es geht auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren“. ©Oberkircher Winzer eG

Die Oberkircher Winzer eG hat die vorgesehenen Investitionen auf Eis gelegt, will aber die Weiterentwicklungen nicht in vollem Umfang stoppen. Nachgefragt bei Markus Ell.

Die Corona-Krise trifft auch den Weinbau. Das Oberkircher Vinotorium ist wie die Vinotheken geschlossen: Die Oberkircher Winzer eG hat dafür jeweils vor Ort einen Abholservice für ihre Kunden eingerichtet. Warum der Geschäftsführende Vorstand  der Oberkircher Winzer eG, Markus Ell, überzeugt davon, dass die Politik bislang die richtigen Entscheidungen getroffen hat, lesen Sie im ARZ-Interview.

Wie gehen die Oberkircher Winzer mit der Corona-Krise um?  

Markus Ell: Ich denke, wie die meisten die in Verantwortung stehen: Wir reflektieren die Geschehnisse und reagieren so schnell es geht auf die veränderten Rahmenbedingungen. Die Dynamik, die sich in den letzten Tagen und Wochen gezeigt hat, war enorm. Somit sind wir seit dieser Zeit im Krisenmodus, es geht nur von Tag zu Tag, ohne zu wissen, wie lange dieser Zustand anhält. Das macht die Situation auch schwer kalkulierbar. Im Wesentlichen haben wir die vorgesehenen Investitionen auf Eis gelegt, dennoch gilt es weiterhin die Hausaufgaben zu machen und die Weiterentwicklungen nicht in vollem Umfang zu stoppen. Es wird eine Zeit nach Corona geben und dann wollen wir gestärkt Gewehr bei Fuß stehen.

Geschlossene Hotels, Gaststätten und Bars: Wie wirkt sich das auf den Weinabsatz aus? 

Zu einem spüren wir natürlich, dass sämtliche Veranstaltungen, sowohl in unserem Haus wie  Weinproben, Verkostungen, Weinmessen nicht stattfinden. Zum anderen ist der Fachhandel oft Zulieferer im Bereich von Veranstaltungen und Lieferant für unsere Gastronomie- und  Hotelbetriebe abgeschwächt. Hier sind die Umsätze deutlich zurückgegangen. Mit der Schließung der gesamtem Gastronomie- und Hotelbetriebe fehlt uns ein wichtiger Abnehmerbereich. Des Weiteren wurden durch die Notverordnung der Landesregierung seit vergangenen Samstag unsere Vinotheken geschlossen. Hier haben wir Vorort einen Abholservice Montag bis Freitag von 9 bis  12 und 13 bis 17 Uhr für unsere Kunden eingerichtet.  Der Bereich des Lebensmittelhandels läuft noch stabil, gut  angenommen wird unser Online- und Versandhandel. 

Haben die Oberkircher Winzer auch Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt oder Kurzarbeit  angemeldet?

Unsere Vertriebsmitarbeiter im Außendienst betreuen unserer Kunden von zu Hause aus übers Telefon und per E-Mail. Sie sind ab April in Kurzarbeit. Organisatorisch haben wir den Kaufmännischen Bereich in zwei Teams auf die Standorte Oberkirch und Kappelrodeck aufgeteilt, um im Falle einer positiven Covid 19- Infektion weiter handlungsfähig zu bleiben.  Mit dem Blick  auf die Dynamik haben wir bereits am 18. März bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt, in diese Phase sind wir seit dem 1. April eingetreten. Aktuell werden die  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vertrieb, dem Bereich der Vinotheken, im Kaufmännischen Bereich und in der Logistik in die Kurzarbeit eintreten. Die Bereiche Keller und Abfüllung sind noch  ausgelastet. Je nach Dauer der Depression werden diese auch folgen müssen.

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Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise für die Weinwirtschaft allgemein und die Oberkircher  Winzer im Besonderen? 

Ich glaube kaum, dass aktuell jemand die tatsächlichen Auswirkungen final abschätzen kann, das  Hängt meines Erachtens im Wesentlichen von der Länge der Depression ab. Wir spüren, dass die  Krise wirtschaftlich auf alle Branchen und Ebenen durchschlägt, die Auswirkungen werden verheerend sein. Für die Erzeuger und Vermarkter von Wein wird der Druck am Markt noch  weiter zunehmen. Jede Flasche Wein die aktuell nicht verkauft wird, muss später verkauft  werden. Je nachdem, wie lange dieser Stillstand anhält, werden wir Kunden im gewerblichen  Bereich verlieren, da sie die Krise nicht überlebt haben. Ich hoffe, dass sich die Verbraucher um  die Bedeutung der heimischen Erzeuger, dem heimischen Tourismus, die Hotellerie und  Gastronomie vor ihrer Haustür bewusst sind.  

Müssen Veranstaltungen und Prämierungen ausfallen?

Sämtliche Veranstaltungen sind bis auf Weiteres abgesagt, wichtige Endverbrauchermessen  storniert, die größte Leitmesse die Pro Wein in Düsseldorf auf nächstes Jahr verschoben.  Wichtige Absätze und Impulse finden von daher nicht statt. Das Wichtigste: Die amtliche  Qualitätsprüfung ist gewährleistet, auch die Weinprämierungen des badischen Weinbauverbandes und der DLG laufen weiter. Eventuell werden einzelne Weinwettbewerbe im Laufe des Jahres  nicht stattfinden.

Müssen sich die Mitglieder auf sinkende Auszahlungen beim Traubengeld einstellen?  

Wir rechnen verschiedene Szenarien durch, doch aktuell sind viele Parameter nicht  kalkulierbar. Jetzt gilt es, die Krise organisatorisch zu managen, das heißt Umsätze generieren, die Abläufe sicherstellen, Kosten runter, Ausgaben auf das Wesentliche reduzieren, Liquidität  sichern und für die Zeit nach der Krise an Angriff denken. Abwarten ist keine Lösung, dafür ist die Verantwortung gegenüber unseren Mitgliedern, Mitarbeitern und Kunden zu groß. Wir müssen  gemeinsam diese Situation annehmen und es wird für alle genannten finanzielle Einbußen mit sich bringen.  

Was bedeutet Corona für den Weinjahrgang 2020? 

Für den Jahrgang als solches keine Nachteile, für unsere Erzeugerbetriebe, die aufgrund des Einreiseverbotes keine Arbeitskräfte bekommen, sehr große. Ich finde die Politik hat bisher  schnell und gut reagiert. Ehrlich gesagt habe ich großen Respekt gegenüber den Entscheidern in der aktuellen Phase. Für die Erzeugerbetriebe im Obst- und Weinbau muss aber dringend eine Lösung gefunden werden.

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