Traditionelle Heutrocknung

Was es mit dem „Schwedenreiter“ in Freistett auf sich hat

Autor: 
Josef Budai
Lesezeit 3 Minuten
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29. Mai 2020

Gut 100 Meter lang ist die Konstruktion aus Holzpfählen und gespanntem Draht, der so genannte „Schwedenreiter“. Diese Jahrhunderte alte Art der Trocknung von Heu und Futterpflanzen, vor allem in Bergregionen, praktiziert aktuell Hobby-Landwirt Denis Keck im Freistetter „Flachland“, hier mit Luzerne. ©Josef Budai

Mit dem „Schwedenreiter“ führt ein Freistetter Hobby-Landwirt eine besondere Tradition der Heutrockung aus dem Alpenraum fort. Dazu kommt eine Pflanze, die es in sich hat.

Das „Ding“ ist grün, gut 100 Meter lang und 1,50 Meter hoch. Müsste man raten, würde man wohl auf eine Hecke oder einen Zaun tippen – aber damit nicht richtig liegen. Nein, es ist ein „Schwedenreiter“ mit seiner „Persischen Königin“, was da am nördlichen Ortsrand von Freistett auf der Wiese steht. Den meisten Leuten dürfte dieses Konstrukt unbekannt sein, es sei denn, ihnen sind im Urlaub in den Alpen schon mal diese speziellen Gerüste auf Bergwiesen aufgefallen, wo Heu auf mannsgroßen Holzkonstruktionen, „Heumandln“ genannt, getrocknet wird. 

Eine weitere, von Bergbauern angewandte, Möglichkeit zum Trocknen von Mähgut sind die so genannten „Schwedenreiter“, wie bei Freistett zu sehen. Bei dieser Konstruktion spannt man Drähte zwischen Holzpfähle, auf die dann das Mähgut gehängt wird. Diese Konstruktionen sind zwar nicht überdacht, sorgen aber dafür, dass das Heu keine schädliche Bodenfeuchtigkeit aufnimmt. 

Tradition aus den Alpen

Durch das dachziegelartig aufgehängte Gras ergibt sich eine Aufschichtung, die das Wasser außen ableitet. Vor allem im Alpenraum finden sich vereinzelt noch diese Jahrhunderte alte Heutrocknungstechniken. Ergebnis ist ein Viehfutter höchster Qualität. Wie Studien gezeigt haben, ist das Nutzvieh versessen auf dieses besonders wohlschmeckende natürliche Kraftfutter, und auch eine Steigerung der Milchleistung bei Kühen wurde registriert. Diese bewährten Methoden möchte auch Hobby-Landwirt Denis Keck für seine Schafe, Hühner und Hasen nutzen, weshalb er den „Schwedenreiter“ aufgestellt hat. 

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Was die „Persische Königin“ betrifft, handelt es sich um „Luzerne“, eine Jahrhunderte alte, besonders vielseitige Futterpflanze. Die Luzerne, oftmals als „Königin der Futterpflanzen“ bezeichnet, wurde schon vor über 2000 Jahren in Persien genutzt und gelangte circa 500 vor Christus nach Griechenland. Von dort aus verbreitete sie sich in Richtung Südeuropa, so dass sie gegen 150 vor Christus nach Italien kam, wo sie hauptsächlich für die Fütterung von Schafen diente. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts brachten die spanischen Kolonialherren die Luzerne nach Amerika. 

Die Verbreitung in Deutschland begann Ende des 17. Jahrhunderts in Württemberg; in weiter nördlich gelegenen Gebieten wird sie erst seit rund 200 Jahren kultiviert. Die Luzerne gehört zur Gattung der Leguminosen (Hülsenfrüchtler), von denen in Baden-Württemberg derzeit rund 44 000 Hektar (zum Vergleich Mais 192 000 Hektar) angebaut werden. Die Luzerne hat eine wichtige Aufgabe bei der Futter- und Proteinversorgung von Nutzvieh. Sie wird meist als Silage, Grünmehl für Pellets oder als Heu geerntet oder manchmal auch beweidet. 

Wie andere Anbauer von Luzerne schätzt auch Denis Keck die Vorzüge der Leguminose als besonders hochwertige Futterpflanze und natürlichen Bodenaktivator. „Die Luzerne enthält sehr viel Protein und besitzt durch ihre Knöllchenbakterien an den langen Wurzeln die Fähigkeit, den Boden zu lockern und mit natürlichem Stickstoff anzureichern“, erklärt der Hobby-Landwirt. Im Vergleich zur Sojabohne kann die Luzerne doppelt so viel Protein erzeugen, belegen Untersuchungen. 

Wohl auch Heilwirkung

Neben der Verwendung als Futtermittel wird die Luzerne auch als Heilpflanze und Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt. Ihr wird eine positive Wirkung bei Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Pilzinfektionen und Verdauungsproblemen nachgesagt. 

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