Oppenau

Wasserkraft der Rench bleibt ungenutzt

Autor: 
Simon Allgeier
Lesezeit 3 Minuten
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20. Mai 2016
Rund zwei Meter stürzt die Rench bei der Hoferlesmühle in die Tiefe. Eine Nutzung der Wasserkraft an dieser Stelle hat das Land überprüft, aber verworfen.

Rund zwei Meter stürzt die Rench bei der Hoferlesmühle in die Tiefe. Eine Nutzung der Wasserkraft an dieser Stelle hat das Land überprüft, aber verworfen. ©Simon Allgeier

Noch in den Pfingstferien soll der Umbau des Wehrs in der Rench bei der Hoferlesmühle in Ibach begonnen werden. Der Einbau eines Wasserkraftwerks kam dabei für das Land als Eigentümer nicht in Frage.

Mit dem Ausbau der Wasserkraft könne die Energiewende im oberen Renchtal auch ohne Windkraft gelingen. So argumentierte der Gemeinderat Oppenau Ende vergangenen Jahres gegen die von der EnBW geplanten Windräder auf dem Kutschenkopf/Eselskopf. 14 Wasserkraftanlagen speisten in Oppenau im Jahr 2014 rund 2700 MWh Strom ins öffentliche Netz ein – mehr als die Hälfte der von den Privathaushalten benötigten 5170 MWh Strom. Die Topografie der Gemeinde mit Höhenunterschieden von bis zu 700 Metern eigne sich besonders, um weitere Wasserkraftanlagen vor allem in Rench und Lierbach zu installieren. Das Landschaftsbild des Schwarzwaldes sei seit jeher durch Wassermühlen geprägt gewesen.

Auch in der Rench bei der Hoferlesmühle in Höhe des Ortseingangs Oppenau nutzten Menschen einst die Kraft des Wassers und errichteten an dieser Stelle ein Wehr, mit dem das Wasser gestaut wurde. Nun lässt das Land das Wehr einebnen, damit Fische und Kleinlebewesen wieder barrierefrei die Rench durchwandern können (die ARZ berichtete). Noch in den Pfingstferien soll nach Auskunft des Regierungspräsidiums mit dem 150 000 Euro teuren Rückbau des Wehrs begonnen werden. Als Ausgleichsmaßnahme für den Ausbau der L 87 bei der Autobahnraststätte in Achern seien mit dem Umbau des Wehrs hauptsächlich ökologische Ziele verbunden. 

»Ob eine Wasserkraftanlage weiterhin möglich ist, wurde geprüft und unter anderem aus ökologischen Gründen abgelehnt«, erklärt das Regierungspräsidium (RP) Freiburg auf Anfrage der ARZ. Die Anlage der Hoferlesmühle befinde sich im Eigentum des Landes. »Der Betrieb der Anlage wurde aufgegeben. Das Wasserrecht wurde gelöscht«, teilt das RP mit. Der Landesbetrieb Gewässer in Freiburg betreibe keine Wasserkraftanlagen. Eine Potenzialanalyse für die wichtigen Gewässer im Land werde derzeit allerdings gestellt.

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Potenzial ausgeschöpft

Ab welcher Größe ein Wasserkraftwerk den ökologischen Eingriff rechtfertigt, ist umstritten. Im Kinzigtal wird derzeit über ein 30-kW-Kraftwerk an der Gutach diskutiert. Reinhart Sosat, Geschäftsführer des Landesfischereiverbands und im Vorstand des Landesnaturschutzverbands, betonte kürzlich in der Mittelbadischen Presse, dass neue Kleinkraftwerke nur in wenigen Fällen umweltverträglich seien. Mit 1500 kleinen Wasserkraftwerken sei das Potenzial im Land mittlerweile ausgeschöpft. 

Eines der größeren Wasserkraftwerke in der Rench befindet sich mit der »Rosensäge« in Ramsbach. Ende 2012 nahm dort Helmut Lehmann eine neue, rund 1,8 Millionen Euro teure Anlage in Betrieb, die aus zwei Turbinen mit einer Gesamtleistung von 280 Kilowatt besteht. Sie liefert Strom für rund 300 Haushalte.

Hintergrund

Förderung für kleine Kraftwerke

Ende April hat die Europäische Kommission die Förderung von kleinen Wasserkraftwerken genehmigt. Der südbadische Europaabgeordnete Andreas Schwab (CDU) zeigte sich erfreut darüber, »dass wir endlich eine Entscheidung haben, die Rechtssicherheit gibt und den Neubau sowie die Modernisierung kleiner Wasserkraftanlagen ermöglicht«. Viele Investitionen im Bereich der Wasserkraftnutzung seien in der Vergangenheit verzögert worden. Kleine Wasserkraftanlagen können nun zusätzlich zur Einspeisevergütung im Investitionsstadium bezuschusst werden. red/all

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