Serie „Wein-Blicke“

Weingut Decker in Ringelbach – der samtig Elegante - Vorschau

Autor: 
Hans-Peter Decker
Lesezeit 5 Minuten
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26. August 2021
Hans-Peter Decker vom Weingut Decker in Ringelbach stellt den Spätburgunder oder Pinot Noir vor.

(Bild 1/2) Hans-Peter Decker vom Weingut Decker in Ringelbach stellt den Spätburgunder oder Pinot Noir vor. ©Weingut Decker

Der Spätburgunder oder Pinot Noir ist eine anspruchsvolle Rotweinsorte aus der Burgunderfamilie, welche schon vor 2000 Jahren bei dem altrömischen Schriftsteller Columella Erwähnung fand. Eng verwandt sind die weißen Burgundersorten wie der Grau- und Weißburgunder oder der rote Frühburgunder. Die Trauben des Pinot Noir weisen dicht hängende Beeren auf und ähneln einem großen Kiefernzapfen. Da „pin“ die französische Bezeichnung für Kiefer ist, geht man davon aus, dass daher auch der Name der Rebsortenfamilie rührt.

Der Spätburgunder bevorzugt die guten, bis sehr guten Lagen in den klimatisch kühleren Anbaugebieten der Welt. Oft bestimmen vom Kalk geprägte Terroirs die Weinberge, aber auch auf der Granitverwitterung wächst er hervorragend. Das Burgund in Frankreich, das Loiretal und die Champagne beherbergen den größten Teil des französischen Pinot Noir Anbaus von annähernd 30 000 Hektar, zweitgrößter Pinot Noir Produzent sind mit 16 500 Hektar die USA, vor allem in Oregon und dem Sonoma Valley, Deutschland ist mit fast 12 000 Hektar drittgrößter Anbauer von Spätburgunder.

Hervorragende Spätburgunder finden sich jedoch weltweit, so zum Beispiel in Norditalien und Neuseeland. In Baden wächst annähernd die Hälfte der deutschen Spätburgunder auf fast 5500 Hektar und repräsentiert damit rund 36 Prozent der badischen Weinbergsflächen. Die Ortenau umfasst davon über 1200 Hektar Spätburgunder, vor allem weil die vom verwitterten Granit geprägten Rebhänge im Rench- und Achertal fruchtige Spätburgunder begünstigen.

Aus der Pinot Noir-Traube werden sowohl strukturierte Rotweine wie auch Roséweine und weiße Blanc de Noirs erzeugt. Für die Winzer ist der Pinot Noir eine faszinierende und anspruchsvolle Diva unter den Rebsorten. Sonnige Tage und kühle Nächte bis zur Ernte ergeben die besten Pinot Noirs. Im Anbau empfindlich und durch seine kompakten Trauben nicht besonders resistent gegen Fäulnis bei zunehmender Reife und feuchter Witterung zur Weinlese, reagiert die Sorte auf reduzierte Traubenerträge je Rebstock mit gesteigerter Weinqualität. Der Winzer entblättert nicht nur die Traubenzone vor der Lese, sondern schneidet oft auch unreife Trauben auf den Boden, um die Qualität zu steigern. Dies erklärt unter anderem auch die weite Spanne bei den Preisen, die sich zwischen einfachen Alltagsspätburgundern in der Literflasche und in der Qualität verdichteten Pinot Noirs der Spitzenklasse auftut.

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Bei höheren Erträgen und in schwächeren Jahren ergibt der Spätburgunder recht farbschwache, rubinrote und leichte Rotweine mit Aromen von hellroten Früchten wie roten Kirschen, Himbeeren, Erdbeeren und Johannisbeeren und Veilchen, dagegen in guten, trockenen Jahren dichte, dunkle Rotweine geprägt von schwarzen Früchten wie Kirschen und Brombeeren, ergänzt durch kräuterige und würzige Noten. Mit zunehmender Reife können auch Dörrobst­aromen von der Pflaume dazukommen.
Diese Weine sind sehr gut für den Ausbau im großen und kleinen Holzfass geeignet. Dabei liegt es in der Kunst des Kellermeisters, das richtige Maß an Holzeinfluss zu finden. Der überwiegende Teil der Ortenauer Spätburgunder folgt dem fruchtbetonten Ideal und wird selten ins kleine Holzfass, dem Barrique, gelegt. Das Barrique ergänzt die Frucht des Pinot Noirs durch dezente Röst- und Vanillearomen des Holzes und steigert die Komplexität des Weines. Dabei ist die Auswahl der Holzherkunft des Fasses und seine Röstung eine Kunst für sich.

Große Möglichkeiten

Die Tanninstruktur des Spätburgunders ist samtig elegant und die Säure spürbar. Die Möglichkeiten bei der Stilistik des Weinausbaus sind groß. Neben der klassischen Maischegärung werden für die Spätburgunder Rotweine auch die Maischeerhitzung und Maceration Carbonique als Herstellungsmethoden angewandt, um die roten Farbstoffe der Traube in der Beerenschale herauszulösen. Die unterschiedlichen Methoden haben enormen Einfluss auf das Aroma und die Langlebigkeit der Weine. Während die Maischerhitzung sehr aromatische, schnell trinkreife und gefällige Rotweine mit mittlerem Reifepotenzial ergibt, kommen bei der Maischegärung komplexe Rotweine mit teils sehr langem Reifepotenzial heraus. Bei der selteneren Maceration Carbonique werden die Trauben unter Ausschlussvon Luft einige Tage in der eigenen Kohlensäure stehen gelassen. Unter dem Eigengewicht lösen sich die Farbstoffe aus der Schale. Erst danach wird der Rotwein zu Ende gegoren. Diese Weine verbinden oft üppige Fruchtaromen mit feiner Tanninstruktur und sind wie die Weine aus der Maischerhitzung jung sehr ansprechend und trinkbar. Die Säure der Traube wird direkt nach der alkoholischen Gärung durch eine zweite, sogenannte Milchsäuregärung abgebaut, so dass der Wein mild und harmonisch wird. Der Kellermeister kann bei dieser Sorte mit seiner persönlichen Handschrift sein ganzes Können zeigen.

Überreife Trauben ergeben gerne marmeladige Aromen und hohe Alkoholgehalte. Insbesondere die hohen Alkoholgehalte in durch den Klimawandel heißen Jahren sind für die Winzer zur Herausforderung geworden und erfordern eine rasche Weinlese zum optimalen Zeitpunkt.

Nicht zuletzt ein Grund, warum der Traubenvollernter mit seiner Schlagkraft bei der Weinlese nun auch im Renchtal selbst in steileren Lagen seinen Einzug hält. Nur so ist es mit dem Klimawandel heute noch möglich die kompletten Spätburgundertrauben zum optimalen Lesezeitpunkt in den Keller zu bekommen, denn als ideal werden Alkoholgehalte von 12 bis 13,5 Volumenprozent betrachtet. Die Trauben sollten dabei völlig gesund und ganz ausgereift geerntet werden, ohne dass diese schon einzutrocknen beginnen.

Neben den klassischen trockenen Rotweinen vom Spätburgunder mit und ohne Ausbau im Holzfass sind die fruchtig halbtrockenen, bis lieblichen Rotweine zu erwähnen. Viele Verbraucher lieben auch diese unkomplizierten und fruchtigen Schoppenweine. Absolute Raritäten sind rote Auslesen und Beerenauslesen mit edler Süße, die als Apèritif oder Dessertweine überzeugen können.

Hintergrund

Rebsorten

Neben dem Spätburgunder, der 50 Prozent der Anbaufläche ausmacht, werden beim Weingut Decker in Ringelbach folgende Rebsorten im angebaut: Riesling, Grauburgunder, Weißburgunder, Gewürztraminer und Cabernet Mitos.

Stichwort

Wein-Blicke

Der Weinbau spielt im vorderen Renchtal eine bedeutende Rolle. Den Klingelberger und den Spätburgunder kennt fast jeder. Doch inzwischen werden 17 Rebsorten in der Vorbergzone angepflanzt. In der ARZ-Serie „Wein-Blicke“ stellen die Experten der Oberkircher Weingüter und der Oberkircher Winzer eG die Besonderheiten dieser Sorten vor und blicken auf deren Geschichte zurück.rüd

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