Natur

Wie der Biber wieder in Rheinau heimisch wurde

Autor: 
Hoffmann, Mona
Lesezeit 5 Minuten
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09. Mai 2021
Der Biber (hier die Aufnahme einer Wildkamera) kann in einer Nacht einen ganzen Baum fällen. 

(Bild 1/2) Der Biber (hier die Aufnahme einer Wildkamera) kann in einer Nacht einen ganzen Baum fällen.  ©Uwe Wagner

Seit 2018 ist der Biber nach seiner nahezu deutschlandweiten Ausrottung wieder in Rheinau heimisch. Uwe Wagner aus Helmlingen berichtet von drei gesichteten Populationen am Mühlbach und am Rheinseitengraben.

„Nur westlich der Elbe fand man 1846 die letzten Biber“, weiß das Nabu-Mitglied der Ortsgruppe Lichtenau-Rheinmünster. Nach dem Krieg gab es Wiederansiedlungsversuche, erst in der ehemaligen DDR an Oder und Havel, nach denen sich der Biberbestand etwas erholte. Der größte Erfolg ging allerdings von den Bayern aus, die 1966 ein paar wenige Biber aus Russland ansiedelten, die sich von der Donau aus an den Nebenflüsse in ganz Süddeutschland über den Regierungsbezirk Tübingen, die Schwäbische Alb, den Neckar und den Hochrhein bis in die Schweiz verbreiteten. „Da der Rhein eine ziemlich starke Strömung hat und zwischen Basel und Mainz ausgebaut ist, waren wir am Oberrhein allerdings benachteiligt“, sagt Wagner. Der Bestand liegt in Baden-Württemberg bei ca. 5500 Stück. Die Biber zählen nach wie vor zu den besonders streng geschützten Arten.

„Durch die starke Strömung und die Staustufen hatte es der Biber bei uns besonders schwer“, berichtet der Fachmann. Gewöhnlich wandere er von unten nach oben gegen die Strömung. Dass er trotzdem den Weg nach Rheinau fand, habe man den Elsässern zu verdanken. Von 1993 bis 1995 gab es dort ein Wiederansiedlungsprojekt mit dem Biberexperten Jean-Claude Jacob. Er führte auch das Monitoring im Elsass und Südbaden durch. Gegenüber von Helmlingen liegt auf der französischen Seite das alte Naturschutzgebiet „Rossmörder“ mit seinen Rheinschluten. Dort wurden 1995 acht Biber ausgesetzt, die sich seither immer weiter im Mühlrhein verbreiteten, aber trotzdem 23 Jahre brauchten, um über den Fluss zu gelangen.

Alt vertreibt Jung

„Im Alter von zwei Jahren werden die Jungen von den Alten vertrieben, die sich dann ein neues Revier suchen müssen“, erklärt Wagner. So kam ein junges Biberpaar über den Rhein geschwommen und siedelte sich in einem 1,5 Quadratkilometer umfassenden Gebiet am Mühlbach auf der Gemarkung Freistett/Helmlingen an. „Durch die Wildkamera von Nabu-Mitglied Klaus Burkhard wissen wir jetzt genau, dass es sich um ein Männchen und ein Weibchen handelt.“

Im März 2019 gelang es erstmals, zwei Biber gleichzeitig zu erspähen. Wagner hatte mit seiner Frau sogar das Glück, deren Nachwuchs mit eigenen Augen zu sehen. Im November 2020 fand er ein zweites Biber-Revier am Rheinseitengraben ebenfalls auf der Gemarkung Freistett/Helmlingen. Ein drittes Revier gibt es in Diersheim. „Wo genau die Reviere sind, verrate ich nicht, da wir die Biber schützen und Störungen unterbinden müssen“, betont der Naturfreund. Von der Biberbeauftragten Bettina Sättele vom Regierungspräsidium Freiburg wurden die Biber kartiert. Wagner steht mit ihr in ständigem Kontakt.

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„Biber sind Baumeister und Architekten der Natur, der einzige, der seinen Lebensraum auch gestalten kann.“ Wagner ist begeistert von dem zweitgrößten lebenden Nagetier der Erde. Er baut Dämme und staut Wasser an, in dem sich wieder neues Leben ausbreiten kann, wovon andere Tiere profitieren. Im 17./18 Jahrhundert wurde er als unnütz angesehen und gnadenlos bejagt. Genutzt wurden sein Fell, das Fleisch als Fastenspeise und das Drüsensekret „Bibergeil“ in der Medizin. Deswegen wird er in anderen Ländern noch gewildert.

Biber-Probleme

Um aktuelle Probleme, wie abgenagte Bäume oder unterhöhlten Dämmen kümmert sich die Biberbeauftragte Sättele mit den Betroffenen vor Ort und sucht Lösungen. Wagner: „Der Biber kann in einer Nacht einen Baum fällen.“ Er liebt im Winter Rinden von Weichhölzern wie Weide, Pappel oder Erle. Auf seiner Biberburg sammelt er daher auch Äste als Nahrungsdepot, von denen er im Winter zehrt. Im Sommer stehen Wasserpflanzen und sonstiges Grünzeug auf seinem Speiseplan.

Eine Biberburg steht immer in der Nähe von Gewässer und hat den Haupteingang unterhalb des Wasserstandes. Oberhalb des Wasserstandes gibt es den Wohnkessel sowie verschiedene Spiel- und Fressgänge. An einen Fluchtgang, aus dem er bei Hochwasser flüchten kann, denkt der Nager ebenfalls.

Ein Biberpaar bekommt jährlich einen Wurf mit durchschnittlich drei Babys, die die ersten zwei Jahre bis zur Geschlechtsreife im Familienverband leben. Ein Revier kann bis zu drei Quadratkilometer groß sein, so dass ein Jungbiber für ein neues Revier sehr weit, in Einzelfällen gar 20 bis 40 Kilometer, wandern muss.

Der eindeutige Unterschied zwischen Biber und Nutria ist, dass der Nutria einen langen Schwanz, wie eine Ratte, sowie Barthaare hat und der Biber nicht. „Die beiden werden von Laien oft verwechselt“, weiß Wagner. Der Biber ist mit bis zu 30 Kilo auch um einiges schwerer als eine Nutria mit acht bis zehn Kilo.

Gefahren für den streng geschützten Biber sowie die streng geschützte Wildkatze, die in Rheinau wieder heimisch wurde, sieht Wagner in den geplanten Kieswerkerweiterungen in und direkt neben deren Lebensräumen in Freistett und Diersheim. Man sollte für den Artenschutz vielleicht das Helmlinger Naturschutzgebiet „Mittelgrund“ am Mühlbach und entlang des Rheinseitenkanals „Groschenwasser“ bis nach Leutesheim erweitern, meint er.

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