Bad Peterstal-Griesbach

Wie „Doktor Wald“ Patienten helfen kann

Autor: 
Jutta Schmiederer
Lesezeit 3 Minuten
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12. Dezember 2019

Eine große Runde von Experten traf sich bei der Präsentation der Untersuchungsergebnisse zum Thema Wald und Gesundheit: (v. l.) Harro Böckmann (Kriterien für Heilbäder), Arne Mellert (Geschäftsführer Heilbäderverband), Bürgermeister Meinrad Baumann, Axel Singer (Kur- und Tourismus GmbH), Fritz Link (Präsident Heilbäderverband), Monika Bachinger (Hochschule für Forst Rottenburg), Verena Rohde (Schlüsselbadklinik), Rudolf Forcher (Ehrenpräsident Heilbäderverband), Silke Muck (Masterstudentin bei Ahmed Karim), Jürgen Kreuzwieser (Uni Freiburg) und Ahmed Karim (Uni Tübingen). ©Jutta Schmiederer

Wie wirkt sich welcher Wald auf die Gesundheit des Menschen aus? Ein Expertenteam in einmaliger Konstellation führte im Juli Untersuchungen in Bad Peterstal-Griesbach durch und stellte nun die Ergebnisse aus verschiedenen Blickwinkeln vor.

24 Probanden unterschiedlichen Alters mit mittlerer Naturverbundenheit stellten sich im Sommer der Aufgabe, einen leeren Raum mit und ohne Beduftung durch Nadelbaumäste sowie einen Nadelwald bzw. einen Mischwald auf sich wirken zu lassen. Jeweils vor und nach den Sitzungen wurden sie zu ihrem Befinden befragt, sowie medizinisch begleitet. Eine große Anzahl Fachleute aus Kurorten und Heilbädern lauschte gespannt den Empfehlungen, die ausgesprochen wurden. 

Ein überraschendes Ergebnis präsentierte Monika Bachinger gleich zu Beginn. Das Wohlbefinden der Probanden war subjektiv nach den jeweiligen Testdurchläufen im Schnitt geringer, als davor. Durch das lange Stillsitzen während die Räume ihre Wirkung entfalteten, wurde dies erklärt. Deutlich war aber, dass der Aufenthalt im Wald als erholsamer empfunden wurde, als der im geschlossenen Raum. Messbar über verschiedene Parameter war der Erholungseffekt im Mischwald (Buche und Weißtanne) am höchsten. Auch die Wahrnehmung über Seh- und Hörsinn hatte einen wichtigen Anteil am Wohlbefinden. Ob und wie weit die Naturverbundenheit der Probanden dabei eine Rolle spielte, stellte Bachinger als noch zu untersuchen dar. 

Jürgen Kreuzwieser erläuterte die Untersuchung mit Terpenen in verschiedenen Räumen. Je nach Art des Waldes sei deren Zusammensetzung unterschiedlich. Das Gemisch an gefundenen Spurengasen gleiche einem Fingerabdruck des untersuchten Raums. „Eine unbekannte Probe könnte aufgrund ihres Muster einem Standort zugeordnet werden“, machte er deutlich, dass Wald eben nicht Wald ist. Sein Team konnte eine überraschend hohe Terpenkonzentration im „bedufteten Raum“, also dem geschlossenen Raum mit Zweigen, nachweisen. Durch pures Lüften waren diese Gase nicht komplett zu entfernen, was auf einen „klaren längerfristigen Effekt des Beduftens“ hinweise. 

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In seinem Fazit wies er auf die Unterschiede in den Terpenen zwischen Mischwald und Nadelwald hin, die für den unterschiedlichen Erholungswert verantwortlich sein könnten. Als problematisch nannte er die niedrigen Tageshöchstwerte im Versuchszeitraum, da die Emission von Terpenen stark temperaturabhängig sei. 

„Wir können heute dem Gehirn beim Denken zuschauen“, so der Mediziner Ahmed Karim. Er erläuterte die Frage, „wie kann chronischer Stress zu psychischen und körperlichen psychosomatischen Krankheiten führen“. Das Stresshormon Cortisol, das in hoher Konzentration negative Auswirkungen auf Gedächtnis und Lernfähigkeit hat sowie das Verhältnis von Anspannung (Sympathikus) und Entspannung (Parasympathikus) waren die Gradmesser, welche er untersuchte. „Puls und EKG liefern kaum Hinweise“, so Karim. „Die physiologischen Daten können Effekte aufdecken, die einem nicht bewusst sind“ erläuterte er die Möglichkeiten, die medizinische Untersuchungen hinsichtlich des Wohlbefindens haben. 

Interessanterweise war ein Ergebnis seiner Tests, dass der Cortisolspiegel der Probanden im bedufteten Raum am höchsten, im Nadelwald aber niedriger als im Mischwald war. Auch die neurologischen Untersuchungen zeigten die besten Ergebnisse im Mischwald, mit deutlichen Unterschieden zum unbedufteten Raum. Als Fazit und Handlungsempfehlung für Kurorte und Kurkliniken betonten die Experten die Wirkung von Achtsamkeitsübungen im Wald. Bei Patienten, die den Raum nicht verlassen können, stellten sie die Beduftung als richtigen Schritt dar. „Maßgeschneiderte Interventionen“ je nach Problemlage der Patienten, so die Empfehlung. Ob psychische Erkrankungen wie Depressionen, psychosomatische Probleme (Gelenkschmerzen, Morbus Crohn) oder auch Gesundheitsprävention, gerade gegen Burnout, der „Doktor Wald“ könne helfen. 

Stichwort

Das Expertenteam

Um möglichst viele Aspekte der Wirkung von Wald auf die Gesundheit des Menschen einzufangen, arbeitete ein Team von Experten zusammen. Monika Bachinger von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg untersuchte das subjektive Empfinden der  24 Probanden. Jürgen Kreuzwieser (Universität Freiburg) untersuchte die Konzentration der Terpene, also von Spurengasen, die im Wald vorhanden sind. Den Mediziner Ahmed Karim (Universität Tübingen) beschäftigten die psychophysiologischen Effekte von Waldaufenthalten, speziell wie sich das auf das Stresshormon Cortisol auswirkt. 

Durchgeführt wurde die Studie in Zusammenarbeit mit dem Heilbäderverband und dem Ministerium für Justiz und Europa Baden-Württemberg, der Mediclin Schlüsselbad Klinik sowie der Gemeinde Bad Peterstal-Griesbach.

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