Interviewserie

Wie Gemeindereferent Robert Welle die Corona-Krise meistert

Autor: 
Alicia Tedesco
Lesezeit 4 Minuten
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29. Mai 2020

Gemeindereferent Robert Welle: Angst ist in der Corona-Krise der schlechteste Ratgeber. ©Patric König

„Corona“ – das zur Zeit wohl meist gelesene, gehörte und gesprochene Wort. Und nicht gerade selten haftet etwas Beunruhigendes, Unheilvolles daran. Doch gibt es in all dem negativen Wirrwarr nicht auch positive Lichtblicke? Wir haben nachgefragt. Heute: Gemeindereferent Robert Welle (57) aus Oberkirch-Haslach.

Wie sehr hat sich Ihr Alltag durch Corona verändert, Herr Welle?
 

Robert Welle: Verändert hat sich in meiner ganz persönlichen Arbeit, dass ich versuche, vermehrt von zuhause aus zu arbeiten. Große Veränderungen waren natürlich für uns als Pastorale Mitarbeiter im kirchlichen Dienst zu bewältigen. Gerade in der Osterzeit versuchten wir, zusammen mit Teams von Ehrenamtlichen Kontakt zu der Gemeinde zu halten. Dies geschah über das zusätzliche Ausgestalten unserer Homepage, durch Auslegen von Impulstesten für die Sonn-, Kar- und Ostertage, gesprochene Impulse auf dem Anrufbeantworter der Seelsorgeeinheit, und vieles mehr. Wir hoffen damit, mit den Gläubigen unserer kirchlichen Gemeinschaft in Verbindung zu bleiben.

Was hilft Ihnen besonders dabei, die gewonnene Zeit zuhause bzw. allein zu nutzen?

Ich selbst bin sehr gerne im Freien, draußen in der Natur, unterwegs. Ob zu Fuß oder mit dem Rad in der frischen Luft unterwegs zu sein, macht meinen Kopf frei und hält die Seele stabil.

Gibt es Momente, in denen Ihnen die Krise große Sorgen oder Angst bereitet? Was hilft Ihnen, die Dinge wieder positiv zu sehen?

Ich denke, dass Angst in solch einer Situation der schlechteste aller Berater ist. Sicher, wir alle müssen diesem Virus mit Respekt begegnen und die vorgegebenen Schutzmaßnahmen einhalten. Klar denke ich auch immer mal wieder dran: Bleiben meine Familie, unsere Freunde und ich gesund? Dann meine ich aber auch, dass uns allen ein großes Stück Gottvertrauen weiterhelfen kann und wird.

Gibt es bereits etwas, das Sie durch die Krise gelernt haben?

Ich stellte an den verschiedensten Orten fest, dass Menschen sich und mir in besonderer Weise freundlich begegnen, sich ein Lächeln schenken und sich einfach mal zuwinken. Ich glaube, dass unterschiedliche Faktoren dazu führen. Zum einen die geschenkte Zeit, die man sich ganz entschleunigt für jemanden anderen nehmen kann. Und zum zweiten, in der Begegnung zu spüren, wie wertvoll doch das Leben ist, wenn ich mein Gegenüber bewusst wahrnehme und dadurch signalisiere: Du bist mir wichtig und ich hetze nicht an dir vorbei.

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Sehen Sie Möglichkeiten, andere zu unterstützen?

Im kirchlichen Dienst sind wir stets dabei, zu überlegen, wie wir der veränderten Situation am besten gerecht werden können, um Menschen zu unterstützen, wo es gerade nötig ist. Das gilt vor allem auch im nicht-materiellen Bereich. Besonders möchte ich da die zum Teil sehr intensiven Trauergespräche (auch per Telefon) benennen, die in dieser Krise nochmals einen ganz besonderen Stellenwert bekommen haben. Im familiären Bereich unterstützen wir natürlich gerne unsere Kinder bei der Betreuung unserer Enkel. Dies ist notwendig, da unsere Tochter und unser Schwiegersohn im Klinikum arbeiten.

Wie bleiben Sie in diesen Zeiten mit Familie und Freunden in Kontakt?

Die moderne Technik macht es möglich, ganz eng mit allen in Verbindung zu bleiben. Durch Skype, WhatsApp, Face Time und vieles mehr ist man verbunden, auch wenn eine große räumliche Distanz vorhanden ist.

Was fehlt(e) Ihnen am meisten bzw. worauf freuen Sie sich am meisten?

Mir fehlen schon meine Großfamilie und meine Freunde. Diese alle wieder um einen Tisch zu haben und zu wissen, es sind alle gut durch die Krise durchgekommen, darauf freue ich mich schon.

Was würden Sie Ihren Mitmenschen in dieser Zeit mit auf den Weg geben?

In einem Impuls dieser Tage habe ich folgendes Wort geschrieben: „Gott hat uns nicht einen Geist der Angst gegeben, sondern einen Geist des Mutes, der Kraft, der Stärke und der Liebe.“ Ich denke, wir sind gut aufgestellt, dies zu beherzigen und in der Gewissheit weiterzuleben: Gott ist mit und bei uns.

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