Verein für Ortsgeschichte

Wie in Gamshurst vor fast 100 Jahren ein Unglück zum Neubeginn führte

Michael Karle
Lesezeit 3 Minuten
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30. November 2023
Im Juli 1927 wurde der Grundstein zur neuen Gamshurster Kirche feierlich gesetzt. Dabei waren Dekan Wilhelm Röckel, Weihbischof Wilhelm Burger, Pfarrer Franz Wilhelm Busam und Bürgermeister Karl Kaltenbach (Mitte von links).

Im Juli 1927 wurde der Grundstein zur neuen Gamshurster Kirche feierlich gesetzt. Dabei waren Dekan Wilhelm Röckel, Weihbischof Wilhelm Burger, Pfarrer Franz Wilhelm Busam und Bürgermeister Karl Kaltenbach (Mitte von links). ©Willi Kammerer (Repro)

1926 brannte die Kirche in Gamshurst ab. Die Katastrophe war aber auch eine Chance, schließlich war das alte Gotteshaus sowieso zu klein gewesen. Gerhard Lorenz referierte darüber beim Verein für Ortsgeschichte.

Mit einem Blitzschlag und dem Brand des alten Gotteshauses begann am 6. Mai 1926 die Geschichte der neuen Kirche in Gamshurst. Wegen dieses Brandes wurde dort die Freiwillige Feuerwehr gegründet.

Gerhard Lorenz führte den Besuchern des Vereins für Ortsgeschichte im Gasthaus Pflug vor Augen, wie die Ortschaft sich nach diesem Ereignis hinsichtlich des Kirchenbaus entwickelte. „Seit 1841 gab es viele Versuche, den ungenügenden Raum der Kirche zu erweitern. 820 Plätze hätte die Gemeinde mit 1249 Bewohnern gebraucht. Nur 488 waren indes bis 1926 gegeben.“

Der Grundstein

Der Grundstein für die neue Kirche, so Lorenz weiter, wurde am 24. Juli 1927 im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit, der allerseligsten Jungfrau Maria und des heiligen Bischofs Nikolaus gelegt. Der Pfarrer war Franz Wilhelm Busam, in Friedrich Koch habe er auch einen Kaplan gehabt.

Noch wichtiger jedoch sei der Bürgermeister gewesen. Denn Karl Kaltenbach habe das neue Gotteshaus mit den Gemeinderäten Nikolaus Bechtel, Anton Walter, Raphael Braun, Otto Rummel, Anton Renner und Karl Koch bezahlen müssen. Günstig, da unentgeltlich, so Lorenz weiter, sei die Bauleitung gewesen. Die Pfarrgemeinde habe die Unterstützung „mit aufrichtigem Dank“ entgegengenommen. Die Kirche hat man im rechten Winkel zur alten und deutlich größer angebaut.

Letztlich habe man die Kosten von 164.000 Mark mit 90.000 seitens der Gemeinde, einer Entschädigung der Gebäudeversicherung, Beiträgen des Kirchenbauvereins, Sammlungen in anderen badischen Gemeinden und bei Auswanderern in Amerika sowie 10.000 Mark aus dem Kirchenfonds Rippoldsau bewältigt.

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Den heiligen Nikolaus, so Lorenz, hat die Gemeinde 1927 als Patron wieder übernommen. Schließlich sei er Patron der Fischer gewesen und in der Region achtmal Kirchenpatron geworden. Die Hochwassergefahren an der Acher seien maßgeblich dafür gewesen.

Einen großen Einschnitt in das Bild der Kirche führte Lorenz mit der Renovierung in den 1970ern an. Die Liturgiereform des Konzils habe dazu bewogen, Kanzel und Kommunionbank abzubauen.

Bilder übertüncht

Nur wenige Jahrzehnte später habe die Ortschaft sehr bedauert, dass dabei auch die drei Deckenbilder übertüncht wurden. „Der hochbegabte Kirchenmaler Franz Danksin aus Berlin hatte Szenen aus der Nikolaus-Legende gemalt. Die wieder zu bekommen, war gar nicht einfach“, erinnerte Lorenz an Auseinandersetzungen, die die baupflichtige Ortschaft mit dem damaligen Minister für Ländlichen Raum, Willi Stächele, erfolgreich führte.

Seit 1994 ist die Orgel an der Stelle, an der früher die Kanzel stand. Der 2002 gegründete Freundeskreis für die Kirche war für die Deckenrenovation 2005 ebenfalls mit starkem Einsatz zur Stelle. Und zuletzt, so Lorenz, hat auch der alte Chorraum wieder in einen beispielhaften Zustand versetzt werden können: „Unsere Kirche kann also spannende Geschichten erzählen.“

Den Dank für den Abend verband Edgar Gleiß, Vorsitzender des Vereins für Ortsgeschichte, mit einem guten Getränk für den Referenten.

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