Lautenbach

Windenergie: »Pauschale Ablehnung wäre falsch gewesen«

Autor: 
Simon Allgeier
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13. September 2017
Die Chancen für Windräder in den zwei auserwählten Konzentrationszonen Schwend und Kutschenkopf stuft die Verwaltungsgemeinschaft Oberkirch, Renchen, Lautenbach gering ein. Nun soll die kommunale Windkraftplanung eingestellt werden.

Die Population der vier geschützten Vogelarten auf der Schwend hat sich seit 2015 noch erhöht. Der Bau von Windrädern wird an diesem Standort deshalb wohl nicht möglich sein. Das gab das Regierungspräsidium Freiburg den in der Verwaltungsgemeinschaft Oberkirch, Renchen, Lautenbach mit der Planung von Windkraftstandorten Beschäftigten am 19. Juni unmissverständlich zu verstehen. Auf dieser Grundlage wollen die drei Gemeinden ihre Standortplanungen auf der Schwend und dem Kutschenkopf nun einstellen (die ARZ berichtete am Dienstag ausführlich). 

Die im Laufe der Planungen gewonnenen Erkenntnisse »gäben für alle Beteiligten Sicherheit«, betonte Martin Müller am Dienstagabend in der Sitzung des Gemeinderats Lautenbach. »Abzuwarten bis ein Investor kommt und dann erst das ganze Prozedere loszutreten, wäre falsch gewesen.«

Das Verfahren habe die Grenzen der Windkraftplanungen aufgezeigt, es sei gut, dass nun ein Strich darunter gezogen werde. Zuvor hatte sich bereits Bürgermeister Thomas Krechtler für das nun vor der Einstellung stehende Planungsverfahren ausgesprochen. »Eine pauschale Ablehnung der Windenergie an den Standorten wäre der falsche Weg gewesen.« Dass spätere Erkenntnisse nun die Einstellung notwendig machten, sei Teil des Abwägungsergebnisses. 

Hans-Friedrich Huber empfand es als »enttäuschend, wie alles verlaufen ist«. Es habe von der Landesregierung eine klare Anweisung gegeben, Windkraftstandorte auszuweisen, nun würden diese Anstrengungen abgebügelt. »Dafür stehen wir zu sehr hinter der Windenergie.« Hubert Busam sah den Fehler in der Wirtschaftlichkeit der Standorte.

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Die Bewertungskriterien seien heruntergesetzt worde, außer dem Mooskopf und der Hornisgrinde gebe es keine wirtschaftlichen Standorte in der Region. Dem widersprach Krechtler. Die Prüfungen seien auf der Basis einer Windhöffigkeit von 5,5 m/s vorgenommen worden. Das innerhalb der zurückliegenden drei Jahre zusammengetragene Material könne zudem für die Zukunft genutzt werden.

Hintergrund

Lautenbach pocht auf Landschaftsschutz am Großen Schärtenkopf

Drei Standorte für Windräder sind im Renchtal im Gespräch. Schwend und Kutschenkopf wollte die Verwaltungsgemeinschaft Oberkirch, Renchen, Lautenbach als Vorranggebiete für die Windkraft ausweisen. Auf der Schwend, auf der die Stadtwerke Oberkirch in Zusammenarbeit mit der Süwag Windräder planten, wird der Artenschutz laut Regierungspräsidium Freiburg deren Bau verhindern.

Auf dem Kutschenkopf/Eselskopf und damit auf Gemarkung von Lautenbach und Oppenau, plant die EnBW unabhängig von der Erstellung des Teilflächennutzungsplans der Gemeinden Windräder. Die Entscheidung über deren Zulässigkeit liegt aktuell beim Regierungspräsidium Freiburg. 

In beiden Fällen ist laut Verwaltungsgemeinschaft bekannt, »dass der erzielbare Energieertrag sich noch im unteren wirtschaftlichen Bereich bewegt, so dass derzeit nicht erwartet wird, dass neue Investoren im großen Stil« hier Windräder planen werden. 

Ein Sonderfall ist der Große Schärtenkopf. Diesen hat die Verwaltungsgemeinschaft auf Drängen Lautenbachs aus der Planung für Konzentrationszonen herausgenommen. Auf die Gründe für die Ablehnung des Standorts ging Bürgermeister Thomas Krechtler am Dienstagabend nochmals ein. »Wer einmal am Schärtenkopf gewandert ist, fragt sich, warum man dort nicht längst ein Landschaftschutzgebiet ausgewiesen hat, das heutzutage einen Windradstandort von vornherein ausgeschlossen hätte«, zitierte Krechtler einen Leserbrief des ehemaligen Oberkircher Forstamtsleiters Walter Lang. 

Der Regionalverband Südlicher Oberrhein will allerdings den Großen Schärtenkopf sowie den Braunberg als Vorranggebiete für Windräder ausweisen. Die Verwaltungsgemeinschaft wäre deshalb nicht umhin gekommen, den von ihr unerwünschten Großen Schärtenkopf ebenfalls in ihren Teilflächennutzungsplan aufzunehmen. Die von der Gemeinde Lautenbach vorgebrachten Bedenken hinsichtlich der Beeinträchtigung der Landschaft auf dem Großen Schärtenkopf teilt der Regionalverband nicht. »Wir haben eine umfassende Stellungnahme abgegeben, der Verband hat diese aber nicht berücksichtigt«, erklärt Krechtler.