Kappelrodeck - Waldulm

Winzergenossenschaft Waldulm probiert neue Methode aus

erthold Gallinat
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26. Mai 2024
Weinbautechniker und Rebsortenkundler Josef Engelhart referierte in der Waldumer WG über gute Böden im Weinberg für erstklassige Weine. 

Weinbautechniker und Rebsortenkundler Josef Engelhart referierte in der Waldumer WG über gute Böden im Weinberg für erstklassige Weine.  ©Berthold Gallinat

Aus Traubentrester entsteht ein hochwertiger biologischer Dünger. Experten des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord geben Auskunft in Waldulm.

Viele praxisüblich bearbeitete Weinbergböden gelten als verdichtet und biologisch verarmt, so dass es in nicht wenigen beispielsweise so gut wie keine Regenwürmer mehr gibt.

Pflanzenschutz und synthetische Düngung zerstören darüber hinaus Bakterien und Pilze im Boden. Wie dem auf Dauer abzuhelfen ist, darüber informierten am Freitagnachmittag Experten des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord beim Naturpark-Partner Waldulmer Winzergenossenschaft mit einem Naturpark-Humusfeldtag im Winzersaal der Waldulmer WG.

Hochwertiger Dünger

„Den Weinberg klimafit machen“ lautete das übergeordnete Anliegen der Fachvorträge von Naturparkexperte Paul Hofmann und von Weinbautechniker Josef Engelhart. Eine ganze Reihe von Winzern aus der Region interessierte sich dafür. Jungwinzer der Waldulmer WG hatten für den praktischen Teil der Veranstaltung aus ihrem Traubentrester vermittelst effektiver Mikroorganismen (EMs) einen hochwertigen biologischen Dünger, sogenannten Bokashi, hergestellt und für die Ausbringung in den Reben im Waldulmer Weinpatengelände vorbereitet.

Paul Hofmann, Manager für das Humusprojekt beim Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, dankte für die Bereitschaft der WG, neue Methoden im Weinbau auszuprobieren. „Das erfordert eine gewisse Portion Mut und Selbstvertrauen ins eigene Handwerk“, kommentierte er. In einem kurzen Referat stellte er als Vorteile des Humusaufbaus im Weinberg heraus, dass die Förderung der Bodenfruchtbarkeit stabile Erträge in Zeiten des Klimawandels sichere und die Biodiversität in den Anbauflächen erhöhe. Ziel des Projekts sei es somit, die Landwirtschaft in der Region zukunftsfähig zu machen.

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Der Boden bildete auch das zentrale Thema von Weinbautechniker und Rebsortenkundler Josef Engelhart von der Bayrischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim. „Guter Wein braucht einen durch und durch lebendigen Boden“ lautete die leitmotivische These seines Vortrags, probiotischer Weinbau ist sein Credo.

Verdichtete Böden

Verdichtete Böden und biologisch verarmte Böden, so führte er aus, hätten zur Folge, dass der Boden das Wasser nicht mehr optimal aufnehmen könne und das sei sowohl bei Starkregen als auch in Hitzeperioden von Nachteil: Im ersten Fall fließe das Regenwasser größtenteils oberirdisch ab, versickere nicht und könne nicht im Boden gespeichert werden. Es würden zudem wichtige Nährstoffe weggeschwemmt und in Hitzeperioden fehle es an Wasserreserven. „Der Boden selbst muss als Lebewesen verstanden und dementsprechend sorgsam behandelt werden“, zeigte sich der Weinbautechniker überzeugt. Solches werde durch den probiotischen Weinbau mit dem Einsatz von lebendigen Mikroorganismen wie „Komposttee“, effektive Mikroorganismen (EM) und Kompost- und Walderde-Extrakt erreicht. Dauerhafter Schutz des Bodens mit Begrünung/Mulch, Flächenkompostierung, Flächenrotte mit Rottelenker, das Herstellen und Ausbringen von Kompost und Bokashi, das Nutzen von Wurzelexsudaten und schließlich Urgesteinsmehl zur Bodenverbesserung gehörten zu den Maßnahmen im probiotischen Weinbau.

„Wir sind eng mit der Region verbunden und wollen die typische Reblandschaft in der Schwarzwälder Vorbergzone erhalten,“ äußerte der geschäftsführende Vorstand Georg Börsig im vergangenen Jahr bei der Auszeichnung als Naturpark-Partner. „Den Traubentrester als Humus in den Reben auszubringen, ist ideal. So verwerten wir die Trauben komplett ohne Abfälle und der aufbereitete Traubentrester sorgt für einen Boden, mit dem wir erstklassige Weine für die WG erzielen können“, bewertete Jungwinzer und Vorstandsvorsitzender Christian Hodapp das Humus-Projekt mit dem Naturpark. Für den praktischen Teil war das Wetter nicht hold, bei strömendem Regen machten sich Referenten und Teilnehmer auf in den Weinberg.

Am Humus-Projekt interessierten Winzern und Landwirten steht ein umfangreiches Weiterbildungsangebot zur Verfügung. Seminare vermitteln das notwendige Wissen zu Bodenprozessen und Techniken für den Humusaufbau. Zum Angebot gehören weiter mehrtägige Basis-Kurse, themenspezifische Aufbaumodule, Feldtage auf beispielhaften Höfen und regelmäßige Humus-Treffen zum Praxis-Austausch. Projektmanager Paul Hofmann und Helen Orth gestalten gemeinsam mit Experten die Inhalte. Finanzielle Unterstützung bei der Umstellung auf regenerative Landwirtschaft ist über regionale Partnerschaften möglich.

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