Serie »Orts-Namen« (2)

Mormonen-Archiv erleichterte Rolf Federle die Recherche in Großweier

Autor: 
Michael Frammelsberger
Lesezeit 5 Minuten
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24. August 2015
Ortshistoriker Rolf Federle hatte zunächst zu seinen eigenen Ahnen recherchiert, ist jetzt aber auch Fachmann für andere Namen in Großweier. Das Bild unten zeigt das Wahrzeichen des 1578 Einwohner zählenden Dorfes – die Kirche.

Ortshistoriker Rolf Federle hatte zunächst zu seinen eigenen Ahnen recherchiert, ist jetzt aber auch Fachmann für andere Namen in Großweier. Das Bild unten zeigt das Wahrzeichen des 1578 Einwohner zählenden Dorfes – die Kirche. ©Michael Frammelsberger

Wer etwas über alt eingesessene Familiennamen in Großweier erfahren möchte, wendet sich am besten an Rolf Federle. Der Historiker hat sich intensiv mit der Geschichte des Ortes auseinandergesetzt und das Ortssippenbuch verfasst.

Eigentlich interessierte sich Rolf Federle vor allem für die Geschichte seiner eigenen Familie. »Die Federles kamen um 1680 nach Großweier«, weiß der Ortshistoriker. Da sich die Sippe im Lauf der Jahrhunderte über viele Familienzweige aufteilte und immer neue Querverbindungen zu anderen Familien auftauchten, wurde die Erforschung der eigenen Vorfahren schnell zur Erforschung der Ahnenstruktur des ganzen Dorfes. »Vor den Feiern zum 850-jährigen Jubiläum wurde ich dann gefragt, ob ich nicht ein Ortssippenbuch verfassen könnte«, erzählt Federle. Kein Problem für den Ortshistoriker, denn zu diesem Zeitpunkt hatte er ohnehin schon einen Großteil der nachweisbaren Großweierer in seinem Programm erfasst.

Mikrofilmkopien
Grundlage für Federles Arbeit waren wie in anderen Orten die Kirchenbücher. Der damalige Pfarrer wollte ihm zuerst keinen Einblick gewähren, aber das war kein Problem. »Die Mormonen haben vor einigen Jahren alle Kirchenbücher der Region verfilmt«, erklärt der Ortshistoriker. Im mormonischen Glauben spielen die Ahnen eine wichtige Rollte, deshalb stellt die von der Kirche gegründete »Genealogical Society of Utah« eines der größten Familienarchive der Welt zur Verfügung. Kopien der Mikrofilme der Region kann man im Diözesanarchiv in Freiburg einsehen, dort kann man sich auch eigene Kopien machen.

»Nachdem ich das dem Pfarrer erzählt hatte, durfte ich auch mit den Originalen arbeiten«, sagt Federle. Er wertete die Bücher systematisch aus und erstellte zuerst eine große Excel-Tabelle. »Man darf nicht nur auf die Namen der jeweiligen Personen achten, sondern muss sich auch die dazu passenden Eltern merken«, erklärt der Ortshistoriker. Früher gab es vielmals die gleichen Namen, so erhielt zum Beispiel der erstgeborene Sohn oft den Namen des Vaters oder Großvaters.

Inzwischen arbeitet Rolf Federle mit einem professionellen Ahnenprogramm, das ihm dabei hilft, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Personen besser nachvollziehen zu können. Dass die Kirchenbücher in Latein geführt wurden, bereitet ihm keine Probleme. »Ich bin zwar kein Lateiner, aber das lernt man schnell«, erklärt er. Viele Einträge würden Standardformeln benutzen und im Notfall konnte ihm ein Lateinlehrer in der Verwandtschaft hilfreich zur Hand
gehen.

Problematischer sind eher Lücken in den Büchern, wenn manche Personen nicht eingetragen wurden oder nicht klar ist, was mit ihnen später passierte. Das erste noch vorhandene Kirchenbuch in Großweier stammt aus dem Jahr 1704, ein früheres Buch von 1696 ist verschwunden. »Der Pfarrer Karl Deichelbohrer, der in den 1920er Jahren viel über die Geschichte Großweiers aufgearbeitet hat, hatte dieses Kirchenbuch noch«, sagt Federle.

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Aus der Zeit vor 1704 gibt es nur einzelne Urkunden und Akten, in denen einzelne Namen zum Beispiel von Amtsträgern oder Zeugen genannt wurden. Für eine systematische Erforschung reicht das aber nicht. »Dafür ist die Quellenlage einfach zu dünn«, sagt Federle. Allerdings können die Kirchenbücher aus den Nachbardörfern im 17. Jahrhundert oft Auskunft geben, sein Ortssippenbuch verzeichnet deshalb alle Großweierer zwischen 1650 und 1950.

Tief verwurzelt
Durch seine Forschung kennt sich Rolf Federle auch mit den heute in Großweier weit verbreiteten Familien aus. »Die Schmidts gibt es seit dem Dreißigjährigen Krieg«, weiß er. Als erster Huber ist Johann Huber, der von 1693 bis 1763 lebte, überliefert. »Und die Hodapps kamen erst am Anfang des 19. Jahrhunderts aus Fautenbach nach Großweier.« Der Name Müller ist seit 1712 im Dorf belegt, hier wurde die Hochzeit von Josef Müller ins Kirchenbuch eingetragen. »Später sind aber noch andere Müllers hierhergezogen«, erklärt der Ortshistoriker.

Andere Familien sind hingegen aus dem Ort verschwunden, was auch mit der Auswanderung zusammenhängt. »Aus Großweier sind 70 Personen, die im 18. Jahrhundert nach Ungarn gegangen sind, namentlich bekannt«, erklärt Rolf Federle. Außerdem kenne man die Namen von 400 Auswanderern in die USA aus dem 19. Jahrhundert. »Wir erhalten auch ab und zu Anfragen von Familienforschern aus Amerika, die hier nach ihren Vorfahren suchen«, sagt Federle.

Bei der eigenen Familienforschung gab es für Rolf Federle ein Schlüsselereignis: »Vor vielen Jahren bekam ich einen Brief von einem Anwalt aus Straßburg«, erinnert er sich. Eine kinderlose Frau namens Federle war gestorben, nun suchte der Anwalt nach möglichen Verwandten. Der Großweierer Ortshistoriker wusste erst nicht, ob er eine Verbindung zu der Frau hatte. »Das hat mir den Virus der Ahnenforschung eingeimpft«, lacht er.

Emotionaler Moment
Geerbt haben andere Verwandte, Rolf Federle tauchte aber tiefer in die Materie ein. Zum Beispiel war er schon drei Mal in den USA, um dort den Spuren seiner Verwandten zu folgen. »Ich habe zum Beispiel den Vertrag für den ersten Landkauf eines Federles von 1836 in Amerika gefunden«, sagt er. Außerdem fand der Familienforscher zufällig entfernte Angehörige in St. Nicholas, Indiana. »Da stand plötzlich ein Deutscher vor ihrer Tür, der ihnen von ihren Vorfahren erzählt hat«, erinnert er sich. »Das war ein sehr emotionaler Moment.«

Hintergrund

Zu den Namen Müller und Huber

Der Nachname Müller geht auf den gleichnamigen Beruf zurück, er ist der am weitesten verbreitete Nachname in Deutschland mit rund 700 000 Namensträgern. Auch der Name Huber ist ein Berufsnamen, er stammt vom mittelalterlichen Begriff »Hube«. Damit bezeichnete man im süddeutschen Raum ein bestimmtes Stück Land, das einem Bauern von einem Lehensherrn übertragen wurde. Der Inhaber eines solchen Landstücks wurde oft als »Huober« bezeichnet, woraus sicher der moderne Nachnamen ableitet. Der Name ist vor allem in Süddeutschland verbreitet, im Norden trifft man hingegen eher auf den Namen Hofner, da eine »Hube« dort als Hof bezeichnet wurde.

Info

Namenshits

Großweier
(1578 Einwohner)

1. Müller (35 ­Personen)
2. Huber (34)
3. Schmidt(32)
4. Hodapp(20)
5. Frietsch(19)

Sasbachried
(1054 Einwohner)

1. Zerr (27 Personen)
2. Habich (22)
3. Meier(21)
4. Früh(15)
5. Zorn (13)

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