Achern

Zirkusleute sind verzweifelt

Autor: 
Roland Spether
Lesezeit 3 Minuten
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30. Mai 2014
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(Bild 1/2) Mit rüden Attacken wird der Circus Luna beschimpft. Stefan und Walter Frank (rechts) zeigen Plakate, die in der Stadt und den Stadtteilen aufgehängt waren. ©Roland Spether

Tiere grasen in Koppeln, Kinder machen Hausaufgaben: Eine fast normale Welt präsentiert sich in dem kleinen Zirkus-Dorf Luna im Acherner Gewerbegebiet. Wären da nicht die verzweifelte Suche nach Antworten und die Stapel von Plakaten, die in Achern und den Stadtteilen hingen und mit Beschimpfungen wie »Hölle, Knast und Mörder« besprüht sind.

»Was haben wir nur verbrochen, dass man uns so behandelt?« Seniorchef Walter Frank, vor 77 Jahren im Zirkus geboren, versteht die Welt nicht mehr. Das Familienunternehmen mit 20 Mitarbeitern und 40 Tieren wird von einem Spielort zum nächsten mit Hasstiraden und Warnungen von Tierrechtlern verfolgt. Auch in Achern gab es einen Protest der Tierschutzvereine Achern und Oberkirch (die ARZ berichtete).

»Wer in diesen Zirkus geht, bezahlt für Tierquälerei und riskiert sein Leben«, sagt Peter Höffken, Wildtierexperte der Tierschutz-Organisation Peta über den Circus Luna. »Elefantendame Benjamin, die Bären und andere Tiere werden unter katastrophalen Bedingungen gehalten. Das birgt auch ein immenses Risiko für die Besucher, denn die verhaltensgestörten Tiere sind völlig unberechenbar«, schreibt Peta.

Gesunder Eindruck
Beim Rundgang durch den Tierbereich am Spielort in der Acherner Heid erhält der Betrachter ein anderes Bild: Elefant Benjamin hat einen großen Freilauf mit Zelt, die Bären können aus ihrem Wagen heraus in ein Freigehege. Alle anderen Tier sind getrennt in vorgeschriebenen Koppeln mit Umzäunungen und machen nicht den Eindruck, verhaltensgestört oder unberechenbar zu sein.

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Einen ganzen Ordner an Unterlagen, Presseartikeln, Flugblättern gegen den Circus Luna und sonstige Schreiben hat Alexandra Frank parat. Es sei sehr schwierig, gegen die massive Stimmungsmache vor allem von Peta vorzugehen. Der Freiburger Verhaltensbiologe Immanuel Birmelin habe der Elefantendame nach sechs Tagen Beobachtung attestiert, »psychisch vollkommen ausgeglichen« und »wunderbar sozialisiert« zu sein. Amtlich und wissenschaftlich sei dem Circus bestätigt worden, dass »alle Tiere gut ernährt und gepflegt« sind, »ausreichend Auslauf« haben und alle Dokumente »fein säuberlich geführt und korrekt« sind. Die Stadt Titisee-Neustadt habe positive Erfahrungen mit dem Zirkusteam gemacht.

Solche Schreiben wünscht sich der Circus öfter. Aktuell sei der nächste Spielort ebenso wenig klar wie die wirtschaftliche Zukunft. 20 Mitarbeiter, 40 Tiere sowie 40 Fahrzeuge und Container kosten einiges. Viele der 300 Plakate rund um Achern wurden beschädigt und müssen ersetzt werden.

Transparent geführt
Die Familie Frank versteht die Welt nicht mehr: »Wollen die uns kaputt machen?« Stefan und Alexandra Frank zeigen die rüden und existenzbedrohenden Kampagnen, die ihr Unternehmen und andere Zirkusse erleben. »So transparent wie ein Zirkus ist kein anderes Unternehmen. Wir werden in Zentralregistern geführt und darauf können Veterinärämter zugreifen«, sagt Alexandra Frank: »Wir lieben unsere Tiere, wir sind doch keine Tierquäler.« Die Veterinärkontrolle in Achern sei »völlig in Ordnung« gewesen – anders als in Hausach, als alles Mögliche beanstandet wurde und offensichtlich an andere Städte eine Warnung gesendet wurde.

Dies bestätigt Hans-Peter Vollet von der Stadtverwaltung auf ARZ-Anfrage. Man wolle in Achern auch künftig vor allem aus Gründen des Tierschutzes keinen Zirkus mit Wildtieren zulassen. Der Circus Luna befinde sich laut Vollet korrekt auf einem privaten Gelände und dafür müsse die Stadt keine Genehmigung ausstellen.

Stichwort

Gastspiele

Der Circus Luna hat am heutigen Freitag um 16 Uhr eine Vorstellung sowie am Samstag um 15 und 19 Uhr und am Sonntag um 15 Uhr. Artisten und eine Wildwest-Show sind zu sehen.

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