Diebstahl und versuchter Betrug

40-Jähriger Angeklagter erhält "letzte Chance" vor dem Kehler Gericht

Autor: 
Daniel Wunsch
Lesezeit 4 Minuten
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21. April 2021
Vor dem Kehler Amtsgericht musste sich vergangene Woche ein 40-jähriger Angeklagter wegen der Vorwürfe des Diebstahls und versuchten Betrugs verteidigen.

Vor dem Kehler Amtsgericht musste sich vergangene Woche ein 40-jähriger Angeklagter wegen der Vorwürfe des Diebstahls und versuchten Betrugs verteidigen. ©Daniel Wunsch

Am Ende fiel das Urteil von Richterin Lydia Beil mit einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe zur Bewährung plus einiger Auflagen, wie 50 Arbeitsstunden, mehreren Drogenberatungsgesprächen und dem Abgeben von Urinkontrollen, wegen Diebstahls und versuchtem Betrug wohl für den einen oder anderen Beobachter ziemlich heftig aus. Zumal es sich bei dem Diebstahl um gerade einmal etwas mehr als 50 Euro handelte.

Doch 28 – zum größten Teil einschlägige – Vorstrafen in den vergangenen Jahren und auch die zur Tatzeit offene Bewährung wogen so schwer, dass sich die Richterin für solch eine doch recht hohe Strafe aussprach. Auf der anderen Seite könne sie die Gefängnisstrafe guten Gewissens zur Bewährung aussetzen, positiv sei seine Sozialprognose – trotz jahrelangen Drogenkonsums. „Sie scheinen auf einem guten Weg zu sein. Das ist Ihre letzte Chance. Bei der nächsten Verhandlung gibt es wohl kaum mehr eine Bewährung“, fasste die Richterin zum Schluss noch einmal zusammen.

54 Euro und Bankkarten

Im Prozess gegen den 40-jährigen wohnsitzlosen Angeklagten – der aktuell bei einem Kumpel in Kehl wohnt – wurde am Freitag vom Vertreter der Staatsanwaltschaft, Rechtsreferendar Manuel Singler, folgender Vorwurf in der Anklageschrift laut: Demnach soll er am 1. August vergangenen Jahres in einer Kehler Apotheke einen Geldbeutel von einer älteren Dame aus einer an der Kasse abgestellten Handtasche entwendet haben – inklusive des Inhalts von rund 54 Euro und diverser Bankkarten.

Am selben Tag soll der Angeklagte dann noch versucht haben, an der Kasse einer Parfümerie in der Kehler Hauptstraße ein Herrenparfüm im Wert von 30 Euro zu kaufen – per Lastschriftverfahren mit der am Morgen geklauten EC-Karte. Da die Karte jedoch schon von der Geschädigten gesperrt wurde, musste er das Geschäft verlassen, ohne das Produkt gekauft zu haben.

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„Ich gebe alles zu. Ich war substituiert und wollte in der Apotheke meine eigene Medikamente holen . Da sah ich den Geldbeutel und habe ihn mit genommen“, sagte der Angeklagte. „Ich war so aber blöd, dass ich auch direkt gegenüber in die Parfümerie gegangen bin“, gab der 40-Jährige unumwunden zu. Da er schon viele Jahre lang drogenabhängig sei („seit 28 Jahren“) und an diesem Tag einiges an Beikonsum intus hatte, könne er sich auch heute nur noch schemenhaft an seine Tat erinnern. „Meine Bewährungshelferin hat mir die Vorwürfe vorgelesen, von alleine wäre mir das nicht bewusst gewesen.“

Im Gericht machte der Angeklagte eine einigermaßen gefassten Eindruck. Aktuell sei der Wohnsitzlose froh, bei einem guten Freund aufgenommen worden zu sein. „Das ist nicht selbstverständlich.“ Nach einer Entgiftung Ende des vergangenen Jahres, sei er seit Januar zudem „Beikonsum frei“ und habe seither auch schon einige „saubere Urin-Screenings“ vorweisen können, weiterhin sei er aber in einem Substitutionsprogramm.

„Es muss vorwärtsgehen. Mit vereinten Kräften und der Hilfe der Drogenberatung, der Sozialarbeiter und meines Vaters, werde ich das Alles in den Griff bekommen“, ist sich der 40-Jährige sicher. Ein Hoffnungsschimmer sei zudem eine mögliche Unterbringung in einem betreuten Stuttgarter Obdachlosenheim, das sich ganz in der Nähe seines in Ludwigsburg lebenden Vaters befände.

„Auf gutem Weg“

Trotz aller Vorstrafen und der langjährigen Drogenkarriere des Angeklagten empfanden am Ende sowohl Rechtsreferendar Manuel Singler, Rechtsanwältin Birgit Martin, als auch Richterin Lydia Beil, dass „er auf einem guten Weg“ sei und es kontraproduktiv wäre, den 40-Jährigen nun ins Gefängnis zu stecken. Wichtig sei vor allem das Bestreben, ihm jetzt einen strukturierten Tagesablauf zu garantieren. Und in diesem Zusammenhang aber auch, dass er sich weiter mit seiner Bewährungshelferin und der Drogenberatung auseinandersetzt, und, dass für den gesundheitlich angeschlagenen Mann eine geeignete Arbeit nach Weisung der sozialen Rechtspflege Ortenau gefunden werde.

Sechs Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung – da waren sich alle einig – sei Tat und Schuld angemessen – plus aller Auflagen und der Rückgabe der knapp 54 Euro.

Hintergrund

Eine Zeugin: „Der Angeklagte kam mir sehr selbstsicher vor“

Die beiden Zeuginnen konnten nicht wirklich viel Licht ins Dunkle bringen, ob sich die Taten so zugetragen haben, wie sie in der Anklageschrift verlesen wurden. Eine Apothekerin berichtete, dass sie dem Angeklagten zwar die Substitutions-Medikamente gegeben, jedoch niemand etwas vom Verschwinden des Geldbeutels mitbekommen habe. Erst, als die Dame das Fehlen der Geldbörse bemerkte, hätten alle im Geschäft danach gesucht.
Als der 40-Jährige schließlich am Abend in der Parfümerie mit der geklauten EC-Karte der Geschädigten einkaufen wollte, habe das bargeldlose Bezahlen nicht funktioniert, wie eine Drogistin erklärte. Daraufhin habe er das Geschäft einfach wieder verlassen. Das komme allerdings häufiger am Tag vor, „da rufen wir nicht immer direkt die Polizei“. In diesem Fall habe sie aber eine Ausnahme gemacht, da es „komisch“ gewesen sei, dass der Mann einen roten Damengeldbeutel in der Hand hatte und auf der Bankkarte auch noch ein Frauenname gestanden habe. „Das hätte aber auch seine Mutter sein können. Deshalb habe ich die Infos an die Polizei weitergegeben, ohne jedoch Anzeige zu erstatten. Was die dann damit gemacht haben, weiß ich nicht. Wenn mir aber ein Geldbeutel geklaut werden würde, wäre ich auch froh, wenn jemand aufpasst.“
Der Mann kam ihr selbstsicher und nicht zögerlich vor, mit einem ganz normalen Auftreten. „Vielleicht war er ein bisschen langsam, aber nicht neben der Spur. Er kannte sich auch gut aus, wollte einen ganz speziellen Männerduft kaufen.“

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