60 Jahre Campingplatz in Kehl

Wie sich der Camping-Stil im Laufe der Zeit verändert hat

Autor: 
Michele Gerstl
Lesezeit 4 Minuten
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17. Mai 2018
Als erste Deutsche Camping-Clubber zeltete 1958 ein Ehepaar aus München auf dem Campingplatz in Kehl.

Als erste Deutsche Camping-Clubber zeltete 1958 ein Ehepaar aus München auf dem Campingplatz in Kehl. ©Privat

Der Campingplatz in Kehl feiert am Freitag seinen 60. Geburtstag. Wie er entstanden ist und was sich am Campingverhalten der Besucher geändert hat, hat der Platzverwalter Matthias Scheer der Kehler Zeitung erzählt.

Wo früher noch eine Obstwiese mit Schrebergärten zu sehen war, befindet sich heute Kehls Campingplatz. Er gehört dem Deutschen Camping-Club, der ihn am 18. Mai 1958 hat errichten lassen. Die Verwaltung liegt schon lange in Familienhand: 1969 bis 1996 war das Ehepaar Burgmaier für die Verwaltung zuständig (und eröffnete zusätzlich ein Restaurant auf dem Platz, das es noch heute gibt), dann der Schwiegersohn Peter Scheer. Seit 2014 ist sein Sohn Matthias Scheer der Chef auf dem Platz. 

»Haben Sie auch Löwen?«

Es ist ein Dienst, für den man quasi lebt. Während der Öffnungszeit vom 15. März bis 31. Oktober hält Scheer von 7 Uhr bis mindestens 22 Uhr die Stellung. Und das sieben Tage die Woche. Zeit zum Aufatmen ist in der Winterpause. Da stehen weniger Arbeiten an und man könne sich die Zeit freier einteilen. Matthias Scheer macht seinen Job gerne: »Für mich ist das nicht nur Arbeit. Ich möchte die Gäste zufrieden machen und freue mich darüber, dass der Platz so groß geworden ist.« Und man erlebe auch so einiges, fährt Scheer fort. »Haben Sie auch Löwen?«, sei er einst von einem Gast gefragt worden, welcher zuvor das Schild mit der Aufschrift »Naturcamping« gesehen hatte. Er wolle zelten und könne dabei keine wilden Tiere gebrauchen. »Von einem Gast aus der Großstadt wurde ich mal gefragt, ob denn das Tonband den ganzen Tag laufe. Wie sich herausstellte, meinte er damit das Zwitschern der Vögel«, erinnert sich Scheer.

Stadtnah und ruhig zugleich

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Besser vertraut mit Kehls Naturgegebenheiten sind dagegen Gustav und Rosemarie Finke aus der niedersächsischen Stadt Stade. Sie gehören zu den Stammgästen, machen schon seit zwölf Jahren mit ihrem Wohnwagen Urlaub auf dem Campingplatz in Kehl. Fünf bis sechs Wochen bleiben sie jedes Jahr. »Wir brauchen immer ein paar Tage, bis wir uns an die Ruhe gewöhnt haben«, sagt Gustav Finke. Und: »Man ist gleich in der Stadt und hat trotzdem Ruhe«, beschreibt er das Alleinstellungsmerkmal des Kehler Campingplatzes. »Manchmal kommt es vor, dass Gäste, die ursprünglich nur ein bis zwei Nächte gebucht haben, auch ihren restlichen Urlaub bei uns verbringen«, erzählt Scheer. 

Dass Kehls Campingplatz ein beliebtes Urlaubsziel ist, bestätigen auch die Zahlen: Vor etwa zehn Jahren verbuchte der 23 500 Quadratmeter große Campingplatz 25 000 Übernachtungen pro Saison, aktuell sind es mit rund 40 000 Übernachtungen fast doppelt so viele. Tendenz steigend, mitunter weil der Trend laut Scheer zum Urlaub im eigenen Land geht. 

Campen wird luxuriöser 

Der Platz sei generell gut ausgelastet. Besonders an Feiertagen, wenn das Wetter schön ist. In der Ferienzeit reisen hauptsächlich Familien mit Kindern an. Mitte September stünden dann die Rentner auf der Matte, die nach Abreise der Familien aus ihrem Versteck hervorkommen, berichtet Scheer lächelnd. Unter den Camping-Gästen befänden sich überwiegend Deutsche. Aus dem Ausland kommen zumeist Holländer und Schweizer nach Kehl. Daran habe sich in all der Zeit nichts geändert, so Scheer.
Im Vergleich zu früher gibt es weniger Zelte auf dem Campingplatz – und die werden größtenteils von Fahrradfahrern aufgeschlagen, die sich auf der Durchreise befinden und auf dem Kehler Campingplatz neue Kräfte sammeln. Seit etwa 20 Jahren übernehmen Wohnmobile die Vorherrschaft, die mit integrierter Fußbodenheizung, Ofen und Klimaanlage beispielsweise natürlich komfortabler sind.

Aber nicht nur in Sachen Behausung hat sich was getan: »Die Gäste sind anspruchsvoller geworden. Früher waren sie mit einem Stückchen Wiese zufrieden, heute sind Dinge wie Strom, Abwasser und WLAN ein Muss.« Letzteres sei für viele Gäste inzwischen das alles entscheidende Kriterium

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