Kehl

Afrikanische Pflanzen in Kehl

Autor: 
Andreas Braun
Lesezeit 3 Minuten
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06. November 2009
Foto: Andreas Braun - Schraders Gänsefuß, ein Meter lang eine Kamille überwachsend, hat bereits Früchte ausgebildet. Die aus Afrika eingeschleppte Pflanze, ist im Kehler Hafengebiet (Foto) entdeckt worden.

Foto: Andreas Braun - Schraders Gänsefuß, ein Meter lang eine Kamille überwachsend, hat bereits Früchte ausgebildet. Die aus Afrika eingeschleppte Pflanze, ist im Kehler Hafengebiet (Foto) entdeckt worden.

Die Kehler Pflanzenwelt ist um zwei Besonderheiten reicher: Das Schmalblättrige Kreuzkraut, ein »Neubürger« aus Südafrika, wächst sowohl in der Nähe des City-Centers als auch im Hafengebiet. Dort gedeiht auch eine wundersame, aromatisch duftende Pflanze, die einem Katzenschweif ähnelt: ein Gänsefuß aus dem tropischen Afrika.
Kehl. Vielen Fußgängern, die den westlichen Ausgang des Kehler City-Centers in Richtung Fußgängerzone verlassen, mag es aufgefallen sein: Gegenüber dem neuen Einkaufszentrum sieht man derzeit an der Kreuzung von Kinzig- und Kasernenstraße eine gelbe Blütenpracht, die sich von einer Brachfläche bis auf den Gehweg erstreckt. Dabei handelt es sich um das Schmalblättrige Kreuzkraut, das etwa einen halben Meter hoch wird und bei milder Witterung bis in den Spätherbst hinein blüht. Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg 14 Kreuzkraut-Arten, die sich zumeist sehr ähnlich sehen. Bekannt sind vor allem das pferdegiftige Jakobs-Kreuzkraut (wir berichteten) sowie das Gewöhnliche Kreuzkraut: Blätter der letztgenannten, ebenfalls giftigen Wildpflanze waren vor einigen Wochen in Rucola-Salatpackungen entdeckt worden, die daraufhin vom Markt genommen wurden. Das Schmalblättrige Kreuzkraut indes stammt aus Südafrika und wurde durch Schafswolle nach Europa verschleppt. Vor einigen Jahren hat die Pflanze auch Baden-Württemberg erreicht, wo sie sich entlang von Bahngleisen und Autobahnen ausbreitet. »Wie sie letztlich nach Kehl gekommen ist, wissen wir aber nicht«, sagt der städtische Umweltbeauftragte Siegfried Schneider. Eventuell könnte ihr Same mit ortsfremdem Material eingebracht worden sein. Ökologisches Problem Dass das Schmalblättrige Kreuzkraut zu einem ökologischen Problem werden könnte, ist nicht ganz auszuschließen: Im Süden Frankreichs und der Schweiz, wo es schon länger vorkommt, werden angestammte Arten mitunter durch diesen Korbblütler verdrängt. In Baden-Württemberg gibt es gleichwohl noch keine solche Beobachtungen, und auch für die Kehler Natur dürfte vorerst keine Gefahr bestehen: »In der Stadt gibt es eh nur wenige Baulücken oder vergleichbare Flächen, wo sich die Art breit machen könnte«, meint Umweltfachmann Schneider. Doch rät das Bundesamt für Naturschutz, den weiteren Verlauf der Ausbreitung kritisch zu beobachten – nicht zuletzt wegen der Giftigkeit dieser Pflanze: »In Deutschland wurde bisher kein Auftreten in Getreidefeldern beobachtet, dies ist aber möglich und könnte wegen der Giftigkeit bedrohlich sein«, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Exotische Pflanze Das Schmalblättrige Kreuzkraut wächst auch an einigen Stellen im Kehler Hafengebiet, wo darüber hinaus kürzlich eine mysteriöse, exotische Pflanze aufgetaucht ist: Vor wenigen Wochen stieß der pensionierte Kehler Biologie-Lehrer Winfried Kunz bei einem naturkundlichen Streifzug durch den Hafen auf ein Gewächs, das ihm bis dahin unbekannt war: »Die Pflanze erinnert an einen langen, gebogenen Schweif« so Kunz. Nachdem auch Umweltexperte Schneider und andere Fachleute keine Ahnung hatten, um was für eine Art es sich da handeln könnte, wurden mehrere Fotos gemacht und in ein Internet-Forum für Botaniker eingestellt. Mit Erfolg. Ein Doktorand aus Südamerika und ein Mitarbeiter des Botanischen Gartens in Freiburg erkannten die Pflanze als »Schraders Gänsefuß«, dessen Heimat das tropische Afrika ist. Weitere Recherchen ergaben, dass dieser stark aromatisch duftende, durch seine gebogene Wuchsform ins Auge fallende Gänsefuß in letzter Zeit auch anderenorts in Deutschland aufgetaucht ist, etwa auf dem Nürnberger Südfriedhof. In Baden-Württemberg wurde er vor über hundert Jahren schon einmal im Mannheimer Hafen gefunden, wo er sich aber nicht halten konnte. Wie die Pflanze letztlich in den Kehler Hafen gelangt ist, weiß man nicht. Einzelne Exemplare wachsen auf einer Kiesfläche an der Bremenwörtstraße: »Das Gelände dort wurde erst im letzten Jahr neu gestaltet«, erläutert der Technische Betriebsleiter des Hafens, Uli Stichler. Unklar ist ebenfalls, ob das extrem wärmeliebende Kraut dort auf lange Sicht bestehen kann – Früchte hat es jedenfalls bereits entwickelt.

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