Mittelgrundsee Leutesheim

Angler stehen Renaturierung skeptisch gegenüber

Autor: 
Antje Ritzert
Lesezeit 3 Minuten
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18. Februar 2020

Das östliche Ufer des Mittelgrundsees ist eine der wenigen Stellen zwischen Auenheim und Helmlingen, wo man noch Überbleibsel der Kiesbänke sieht, die vor dem Oberrheinausbau weit verbreitet waren. ©Antje Ritzert

Damit sich Rosmarin-Weidenröschen, Blauflügelige Ödlandschrecke und Co. wieder heimisch fühlen, soll ein Teil der ehemaligen Kiesbänke am Mittelgrundsee freigelegt werden. Der Angelsportverein Leutesheim ist von der Idee nicht begeistert.

Die „Litzemer“ Angler sind gebrannte Kinder: Schon bei einem ihrer Pachtgewässer, dem „Kleinen Altrhein“, hat ihnen das Naturschutzgebiet Roßwört einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Fischer können das Gewässer nur mit Einschränkung nutzen.

Nun fürchten sie, dass sie auch am Mittelgrundsee, den sie sich hälftig mit der Auenheimer Fischerzunft teilen, bald nur noch unter Auflagen oder vielleicht gar nicht mehr angeln dürfen.

Hintergrund ihrer Befürchtungen sind Pläne des Regierungspräsidiums Freiburg, die ehemaligen Kiesbänke am Ufer des Sees freizulegen um bedrohten oder in Deutschland bereits ausgestorbenen Pflanzen- und Tierarten neuen Lebensraum zu schaffen.

Auf der Ortschaftsratssitzung am Montag stellte Jochen Bresch vom beauftragten Planungsbüro das Projekt vor. Demnach könnte eine etwa 2,5 Hektar große Fläche am östlichen Rand des Sees gerodet werden.

Die Kosten der Maßnahme würde das Land Baden-Württemberg, das extra für solche Fälle ein Programm zur Förderung der Artenvielfalt aufgelegt hat, übernehmen.

Noch vor 150 Jahren waren Kiesbänke am Oberrhein weit verbreitet. Und mit ihnen Pflanzen wie das Rosmarin-Weidenröschen oder die Tamariske. Auch viele Tierarten hatten in der kargen Landschaft ihr Zuhause.

So zum Beispiel der Triel, der in Deutschland als ausgestorben gilt, oder sein Kollege, der Fluss-Überläufer. Letzterer ist laut Jochen Bresch zumindest am Südlichen Oberrhein verschollen. „Er zieht hier aber durch“, so der Landschaftsarchitekt. „Die Chance ist deshalb gut, dass er sich wieder ansiedelt, wenn entsprechende Lebensräume zur Verfügung gestellt werden.“

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Schuld am Rückgang der Arten ist der Ausbau des Oberrheins, bei dem der Fluss systematisch begradigt und in Bahnen gelenkt wurde. Wo früher das Gewässer noch breit und weit verzweigt war und Kiesbänke dominierten, gibt es heute meistens Wiesen oder Wälder.

Durch den Kiesabbau am Mittelgrund haben sich laut Bresch einige steinige Stellen am Ufer des Sees erhalten, die wieder freigelegt werden könnten. Ausgerechnet einen Teil dieser Stellen nutzt aber der Angelsportverein. Und im Sommer wird dieses Ufer auch gern von Badegästen aufgesucht.

„Der Badebereich wäre weiterhin erreichbar und den Anglern wird nichts weggenommen“, bewarb Ortsvorsteher Heinz Faulhaber das Projekt. Ohne Zustimmung des Grundstückseigentümers, also der Stadt Kehl, kann das Regierungspräsidium die Pläne nicht umsetzen.

Doch die Fischer trauen dem Frieden nicht. Sie möchten das Naherholungsgebiet rund um den Mittelgrundsee so erhalten, wie es jetzt ist. Auch Ortschaftsrat Mike Kleinmann (Aktiv für Litze) befürchtet, dass der Uferbereich womöglich gesperrt wird, sobald sich durch die Maßnahmen „etwas ganz Spezielles“ ansiedelt. „Und das darf nicht sein“, forderte er.

Siegfried Schneider vom Regierungspräsidium betonte, dass es keine Pläne gebe, ein neues Schutzgebiet auszuweisen. „Außerdem ist der ganze Rheinwald von Auenheim bis Helmlingen ja schon Vogelschutzgebiet“, sagte er.

Jochen Bresch vom Planungsbüro schätzt zudem die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein störungsempfindliches Tier ansiedelt, als sehr gering ein. „Es kann natürlich mal die Situation geben, dass es einen verregneten Mai gibt, und eine Vogelart siedelt sich an und fängt spät an zu brüten.“ Und dann komme ein schöner Juni und alle wollten baden. „Dann gibt es natürlich einen Konflikt“, so Bresch.

Dieser Konflikt dauere vielleicht 14 Tage oder drei Wochen, bis die Jungen geschlüpft seien. Er gehe aber nicht davon aus, dass es einmal nötig sein werde, den Uferbereich zu sperren.

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