Kehl - Bodersweier

Anneliese Bogner wird heute 95 Jahre alt

Autor: 
Susanne Löhr
Lesezeit 3 Minuten
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10. September 2014

Auch mit 95 sprüht die ehemalige »Barbarossa«-Chefin Anne­liese Bogner noch vor Lebensfreude. ©Susanne Löhr

Sie ist in Kehl bekannt wie der »bunte Hund«: Heute darf Anneliese Bogner, frühere Chefin des Gasthauses »Barbarossa« und eine waschechte Kehlerin, ihren 95. Geburtstag feiern.

Wenn die ehemalige Chefin des Gasthauses »Barbarossa« mit viel Temperament und Humor aus ihrem Leben erzählt, möchte man sie auf einer Bühne sehen, denn ihre Darstellungen sind bühnenreif. Dabei hatte Anneliese Bogner, die heute im Seniorenstift »Alte Mühle« in Bodersweier lebt, kein einfaches Leben und schon gar  kein bequemes.

Als ehemalige Metzgerstochter – die Metzgerei Anselment ihrer Eltern befand sich gegenüber vom Café Rapp – hatte sie früh gelernt, worauf es im Leben ankommt. Praktische Berufe wie Hauswirtschafterin und Köchin gelernt, die höhere Handelsschule absolviert (und wäre fast Bürogehilfin bei der Dresdner Bank in Ulm geworden) – Anneliese Bogner besaß das ideale Rüstzeug, um später mit ihrem Ehemann Willy das »Barbarossa« zu kaufen. Doch bis es 1943 zu dieser Kriegstrauung kam, musste der Bräutigam erst einmal das Rennen gegen zwei andere Mitbewerbern um seine Anneliese machen. »Wer mir als erster schreibt«, beschloss sie, »der wird mein Mann.«

Drei Söhne wurden dem Ehepaar geschenkt: Bernhard kam 1949 zur Welt, Walter 1951 und Reinhard 1960. Zwei der Söhne arbeiteten dann später mit im Geschäft, der jüngste Sohn wurde Beamter. Leider ist er vor einem halben Jahr verstorben.
Mit Leib und Seele agierte sie neben ihrem Mann im »Barbarossa«. Ihre Angestellten waren »entweder nur drei Tage bei uns beschäftigt, oder das Verhältnis dauerte zwanzig Jahre«, erzählt sie temperamentvoll und hat den kritischen Wirtinnen-Blick noch nicht abgelegt. Davon kann sicher die eine oder andere Pflegerin in der »Alten Mühle« ein Lied singen.

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Bis in die 80er-Jahre hinein stand Anneliese Bogner hinterm Tresen. Den Stammgästen und den diversen Vereinen, die ihren »Jour fixe« bei ihr hatten, bot sie kontinuierlich ihre guten Rahmschnitzel, Cordon bleu, Spätzle und selbst gemachte Dampfnudeln. Auch die »Barbarossa-Platte« war bei den Gästen beliebt. »Die ganze Faschingszeit bin ich nicht im Bett gewesen«, erzählt die alte Dame schmunzelnd. »Vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Aschermittwoch wurde durchgearbeitet.«

Rasant im Auto
Bis etwa zum Jahr 2000 fuhr »Oma Anneliese«, wie sie in der Familie von allen liebevoll genannt wird, noch Auto. Sie hatte immer einen rasanten Fahrstil. Reisen und Ausflüge konnte sich die fleißige Frau erst in späteren Jahren leisten. Mit der Mutter einer  ihrer Schwiegertöchter fuhr sie in die Schweiz, nach Holland, an Ost- und Nordsee.

Mit 94 Jahren, bevor sie wegen eines Unfalls an der Hand ins Pflegeheim kam, bekochte sie noch die ganze Familie ihres jüngsten Sohnes, bügelte die T-Shirts für ihre Enkel, strickte Socken und wusch manches Wäschestück von Hand – gerne mit der von ihr geschätzten Gallseife. Auch heute hilft sie ab und zu in der Küche des  Pflegeheimes aus, schält Äpfel oder hilft beim Lauchauflauf.

Anneliese Bogner hat einen riesigen Bekanntenkreis, erhält fast täglich Besuch. Daneben spielt der Fernseher eine wichtige Rolle. Gefeiert wird in drei Etappen: Alles unter einen Hut zu bringen, wäre selbst für »Oma Anneliese« zu anstrengend.

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