Kehl

Auf der Straße gegen Missbrauch

16. Mai 2017
&copy Robert Schmidt

Wind und Wetter können ihm ebenso wenig anhaben wie zerstochene Reifen und faule Ausreden von Politikern: Mit seinem Bollerwagen tourt Rainer Hoffmann  seit 2002 umher, um härtere Strafen gegen Kindesmissbrauch zu fordern. Kürzlich machte er in Kehl Station.

Rainer Hoffmann ist selten allein. Der 56-jährige Zottelbärtige und sein 160 Kilogramm schwerer blauer Bollerwagen ziehen in der Kehler Innenstadt alle Blicke auf sich. Und so kommt es, dass er an diesem Montag nicht nur der Kehler Zeitung seine außergewöhnliche Geschichte im Kampf gegen Kindesmissbrauch erzählt.

Seit nunmehr 15 Jahren ist der gebürtige Hamburger mit seinem Wagen auf einem selbsternannten »Protestmarsch gegen Kinderschänder«. Die Tochter der besten Freundin sei damals vergewaltigt worden, der Täter mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen. Grund genug für Hoffmann, im Jahr 2002 sein bürgerliches Leben hinter sich zu lassen. Er habe Wohnung und Job als Orthopädieschuhmacher aufgegeben, um fortan sein Leben dem Protest zu widmen, erzählt er. Ursprünglich habe er nach 30 000 Kilometern aufhören wollen mit seiner mobilen Unterschriftensammlung. Mittlerweile sind es jedoch bereits 31 371 und Hoffmann will nun bis 50 000 weitermachen. Danach möchte er die Unterschriften »Angelika Merkel« geben, wie er die Bundeskanzlerin nennt. Zahlreiche Prominente hätten schon unterschrieben wie Ex-Boxer Henry Maske oder Komiker Helge Schneider. Mitgelaufen sei aber noch niemand, besonders Politiker hätten immer kreative Ausreden parat. Vom Kehler Bürgermeister bekam er immerhin ein freundliches Grußwort. Leider klebe der Aufkleber der Stadt nicht gut, bedauert Hoffmann.

Wohin es als nächstes gehen wird, weiß er noch nicht. In Frankreich, befürchtet er, könnte ihm ausländische Jugendliche seinen Wagen kaputt machen. Falls er eingelassen werde, wolle er einmal quer durch das Land laufen, weiter bis nach Rom. Ansonsten marschiere er an der deutsch-französischen Grenze entlang bis nach Saarbrücken. 
Wie denkt jemand wie Hoffmann über die Deutschen? »Die Menschen hier sind stur und oberflächlich«, sagt er zum Abschluss. »Erst wenn sie von mir in der Zeitung lesen, kommen sie an, entschuldigen sich und hören mir zu.«

Autor:
Robert Schmidt

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