Kehl

Nach aus für das Kehler Hallenbad: Die Reaktionen

Klaus Körnich / Martin Egg
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17. März 2017
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Kehl und sein marodes Hallenbad: eine schier unendliche Geschichte. Im August 2016 wurde das Dach geöffnet, dabei wurde festgestellt, dass Wasser in die Dämmung eingedrungen war. ©Stadt Kehl

Vereine stehen vor dem Aus, kein Schwimmunterricht mehr an den Schulen, eine Bürgerinitiative soll gegründet werden: Kehls Bürger, Vereine und Schulen haben die Nachricht von der Schließung des Hallenbads mit Fassungslosigkeit aufgenommen. Die Fraktionen im Gemeinderat wissen zudem auch nicht genau, wie es weitergehen soll.
 

Kehl. 2021 wäre der Kehler Schwimmverein 100 Jahre alt geworden. Wäre: Denn ob er diesen Geburtstag noch erlebt, ist nach der geplanten Schließung des Kehler Hallenbads mehr als fraglich: »Das ist das endgültige Aus für den Schwimmverein«, sagte am Freitag ein sichtlich betroffener Pascal Mnich, sportlicher Leiter des Vereins, der Kehler Zeitung.

Die 350 Mitglieder des Vereins sitzen ohne Hallenbad die meiste Zeit des Jahres auf dem Trockenen: »Ohne Hallenbad könnten wir nur für fünf Monate ins Freibad«, sagt Vereinschef Sven Pieber. Unmöglich sei es da, Wettkampfteams am Leben zu erhalten.

Noch härter trifft es andere: »Wir haben an unserem Haupttrainingstag 100 Kinder im Wasser. Da sind viele dabei, die das Schwimmen erlernen«, berichtet Pieber. Der Verein gestaltet zudem die Schwimm-AG am »Einstein«: Zuletzt seien dort 26 Kinder gewesen, die nicht schwimmen konnten. »24 Kinder haben dann mit unserer Hilfe ihr Seepferdchen geschafft«, so der Vereinschef.

Auch die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Kehl, ein eintragener Verein, steht vor dem Aus, sagt Claude Woitschitzky, der stellvertretende DLRG-Vorsitzende: »Wir können unseren Trainingsbetrieb einstellen.« Das Haupttraining finde im Winter statt, ein Jugendtraining sei ohne Hallenbad nicht mehr möglich – ebenso wenig die Ausbildung zum Rettungsschwimmer. Und die DLRG könne darüber hinaus auch keine Schwimmlehrer mehr ausbilden.

Woitschitzky schmerzt das Aus fürs Hallenbad ganz besonders, denn er hat 20 Jahre dort als Schwimmmeister gearbeitet: In Freistett, bei einem ähnlichen Bad, sei die Sanierung gelungen, in Kehl dagegen nicht, kritisiert er.

Das meinen die Schulen

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»Wir bedauern das sehr«, kommentiert Erik Sander, Konrektor der Tulla-Realschule die Schließung des Bads. Die »Tulla«-Fünftklässler haben anderthalb Stunden Schwimmunterricht in der Woche. »Die Anzahl der Kinder, die keine Schwimmerfahrung haben, steigt immer mehr an«, sagt er. Die Unglückszahlen würden ihre eigene Sprache sprechen.

Der Schwimmunterricht ist fester Bestandteil an Kehls Schulen – seit Jahrzehnten. Daher findet es »Einstein«-Direktor Dominikus Spinner »sehr, sehr schade«, dass das Bad geschlossen wird. Somit müssen an dem Kehler Gymnasium künftig nicht nur die Fünfklässler aufs Schwimmen verzichten, sondern auch beim Sport-Abi fällt dies flach. »Ich kann nur hoffen, dass die Stadt das Schwimmbad nicht ganz ausrangiert«, sagt Spinner. Denn das Bad sei eine Bereicherung für die Schüler.

Das meinen die Fraktionen

»Dass es so schlimm aussieht, war uns nicht bekannt«, so Wolfgang Maelger, Sprecher der Gemeinderatsfraktion von Grüne/Frauen/Jugend, gegenüber der Kehler Zeitung. »Die Frage ist nun, wie es weiter geht. Es gibt keinen Fahrplan«, kritisiert er. Dass für die Vereine eine Trainingsmöglichkeit im neuen Offenburger Kombi-Bad bestehen könnte, hält er für aussichtslos, das Bad sei ausgebucht. Zudem: In Kehl ein Ganzjahresbad in der Größe des Offenburgers zu errichten, »können wir finanziell nicht stemmen«, so Maelger. Bis zum Herbst müsse ein Plan stehen: Sollte das alte Hallenbad saniert werden, wäre es für die kommenden zwei Jahre nicht benutzbar. Maelger kritisiert wie Gerd Baumer (siehe Stichwort) die Kommunikation der Verwaltung: »Das Vorgehen, einfach eine Pressemitteilung rauszuhauen, ohne etwas anzubieten, finde ich nicht in Ordnung.«

»Schon bei den Haushaltsplanberatungen haben wir den Antrag gestellt, dass wir 2017 eine Entscheidung über die Bäderlandschaft treffen müssen«, so CDU-Fraktionschef Richard Schüler: »Der Zustand des Hallenbads war uns bekannt. Wir haben auch gesagt, dass wir die Menschen informieren müssen!« Schüler favorisiert grundsätzlich den Bau eines Ganzjahresbads, »aber dafür brauchen wir Eigenkapital«. Und weil das nicht vorhanden sei, befürworte er eine »privatwirtschaftliche Lösung«.
 
SPD-Fraktionssprecher Werner Müll verweist darauf, dass in der mittelfristigen Finanzplanung für 2020 bis 2022 hohe Millionenbeträge für einen Badneubau vorgesehen sind. Der Wunsch nach einem Ganzjahresbad sei zwar da, »aber ich weiß nicht, ob wir uns das nach 2020 leisten können«. Im Gemeinderat müsse jedoch bald die Diskussion darüber geführt werden, was für die Stadt Kehl finanzierbar sei.

Klaus Heß, stellvertretender Sprecher der Freien-Wähler-Fraktion: »Aus Sicherheitsgründen müssen wir jetzt in den sauren Apfel beißen und das Hallenbad schließen.« Er spricht sich dafür aus, die Diskussion über ein Konzept für ein Ganzjahresbad zu forcieren.

Stichwort

Das meint Alt-Stadtrat Gerd Baumer

Gerd Baumer, ehemaliger Grünen-Stadt- und Kreisrat sowie leidenschaftlicher Schwimmer, hatte »mit so was schon gerechnet«. Nur hält er im Zusammenhang mit der via Pressemitteilung verkündeten Hallenbadschließung »die Kommunikation der Stadtverwaltung für nicht angemessen«.  

   »Was ich unglaublich finde, ist, dass man nicht im Vorfeld die Badesport betreibenden Vereine zusammenruft.« Die Formulierung der Verwaltung, das Bade würde »auf unbestimmte Zeit geschlossen«, hält Baumer für »fatal: Das kann man so nicht machen!« Baumer, der nun Unterstützer für eine Interessengemeinschaft zusammentrommeln möchte, ist Anhänger eines Ganzjahresbades. In Holland gebe es solche Bäder »von der Stange« – Kostenpunkt: 4,5 Millionen Euro. Seiner Meinung nach ist das leistbar. Das Hallenbad müsse nicht abgerissen werden, meint er und plädiert für eine Sanierung der Decke, denn es gebe Interesse von Sportvereinen für eine Folgenutzung. egg

Stichwort

Hallenbad-Aus: Umfrage unter Bürgern

Monika Wittke (70), Rentnerin aus Leutesheim: Sollten sich die Türen für immer schließen, finde ich das richtig schlecht. Überall wird gejammert, dass die Kinder zu wenig Sport machen und zu viel Fernsehen schauen. Ich finde, man muss den Kindern auch die Möglichkeit bieten, Sport vor Ort und auch im Winter machen zu können. Dazu gehört auch, ein Hallenbad zu haben.

Torsten Bottin (49), Verkäufer aus Sundheim: Im Winter geht meine Frau häufig mit den Kindern ins Hallenbad zum Schwimmen. Für die Kinder wäre es sehr schade, kein Hallenbad mehr vor Ort zu haben. Ich finde es ärgerlich, dass für viele andere Sachen, wie die Tram, Geld da ist, aber wichtige Dinge, wie ein Hallenbad oder die Sanierung der Straßen hinten angestellt werden.

Nicole Schmidt (49), Lehrerin aus Freistett: Ich finde es traurig. Meine Kollegen gehen mit den Kindern im Schulsport oft dorthin. Immer wieder beobachte ich, dass die Kinder Rücken- und Wirbelsäulenprobleme haben. Schwimmen hilft dagegen am besten. Denn dabei bewegen sich die Kinder  ganzheitlich. Außerdem ist es sehr wichtig, dass die Kinder schwimmen lernen.

Günter Geng (60), Rentner aus Kehl: Die Frage ist, ob sich das Hallenbad rentiert. Ich weiß nicht, ob so eine Stadt wie Kehl wirklich ein Hallenbad braucht. Die nächsten Hallenbäder sind nicht weit entfernt. Und bevor man ein teures Hallenbad baut, das kaum genutzt wird, kann man das Geld auch sinnvoll verwenden und in andere dringend Projekte, wie  Kindergärten, stecken.

Franziska Müller (52), Antidiskriminierungsberaterin aus Berlin: Ich finde eine Schließung schlimm. Schwimmen ist gut für die Gesundheit und fördert zudem die gute Laune. Daher müssen Schwimmbäder um die Ecke und für jeden erreichbar sein. Viele ältere Leute, die kein Auto haben, haben bei einer Schließung nicht mehr die Möglichkeit an dieser günstigen Freizeitgestaltung teilzuhaben.

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