"Gesicht Europas"

Auszeichnung für Kehler Verbraucherschützerin Martine Mérigeau

Autor: 
Jürgen Lorey
Lesezeit 4 Minuten
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21. April 2019

Minister Guido Wolf überreichte Martine Mérigeau die Maske des Bildhauers Willi Bucher. ©Erwin Lang

Der baden-württembergische Justiz- und Europaminister hat am Montag (15. April) in Kehl Martine Mérigeau, die Leiterin des Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz (ZEV) die Auszeichnung »Gesicht Europas« verliehen. 

Die Redner aus Baden-Württemberg und dem Elsass, die am Montagnachmittag am Sitz des Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz (ZEV) im Kehler Bahnhofsgebäude das Wort ergriffen, waren sich einig: Martine Mérigeau, Leiterin des ZEV, hat sich in mehr als 25 Jahren große Verdienste um den Schutz der Verbraucher in Deutschland und Frankreich erworben.

Vor Vertretern beider Länder ehrte der baden-württembergische Justiz- und Europaminister Guido Wolf dafür Mérigeau mit dem »Gesicht Europas« und überreichte eine handgearbeitete Maske des Bildhauers Willi Bucher aus Fridingen im Donautal. Unter den Gästen: der Ortenauer Landrat Frank Scherer, die Landtagsabgeordneten Willi Stächele (CDU), Marion Gentges (Lahr, CDU) und von französischer Seite der Abgeordnete der Nationalversammlung und Verwaltungsratsvorsitzender des ZEV, Vincent Thiébaut, die Präsidentin des Departementsrates Haut-Rhin, Brigitte Klinkert, und die Regionalrätin der Region Grand Est, Huguette Zeller. Der Preis war eigens in Wolfs Ministerium geschaffen worden, »um das Engagement überzeugter Europäer öffentlich zu würdigen.« 

Wolf zeichnete in seiner Laudatio die – zunächst noch bescheidenen – Anfänge des ZEV seit seiner Gründung 1993 nach. Damals sei man mit drei Mitarbeitern gestartet, heute seien es 45, und Martine Mérigeau sei von Anfang an als Vorstand mit dabei gewesen. »Sie haben die Entwicklung eines kleinen Vereins zu einer echten Institution in Verbraucherschutzfragen nicht nur maßgeblich mitgestaltet. Sie sind nicht nur das Gesicht des ZEV, Sie sind zugleich das Gesicht des europäischen Verbraucherschutzes hier am Oberrhein«, sagte der Minister. Damit sei Martine Mérigeau geradezu prädestiniert für die Auszeichnung als »Gesicht Europas«. 

Online-Streitschlichtung 

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Seit der Gründung leiste das ZEV einen großen Beitrag für die Weiterentwicklung und Durchsetzung der Verbraucherrechte in Europa, sei es vom Ärger mit dem Mietwagen, bei Flügen oder Fragen rund um die Besteuerung beim Umzug ins Nachbarland oder dem Studium im Ausland. Martine Mérigeau sei mit den Jahren zu einer überaus geschätzten Ansprechpartnerin geworden. Besonders würdigte Wolf die beim ZEV eingerichtete Online-Streitschlichtung: »Alleine im Jahr 2017 wurden mehr als tausend Schlichtungsanträge gestellt, wobei in zwei Dritteln der Fälle eine rasche Einigung erzielt werden konnte.«

Bescheidene Anfänge 

Kehls OB Toni Vetrano wies auf die Anfänge des ZEV in einem unscheinbaren Anbau an der Ecke Straßburger Straße/Schulstraße mit zwei Räumen, einem Drehregal für Akten und drei Schreibtischen hin. »Dass die damals Beschäftigten und vor allem Martine Mérigeau trotz der widrigen Umstände geblieben seien, zeugte von einem sehr hohen Maße an Idealismus, an Solidarität mit ihren Kunden, allesamt Menschen in mehr oder minder großen Schwierigkeiten«, betonte Vetrano. Mérigeau habe in all den Jahren nie aufgegeben oder nachgelassen. »Ihr Elan ist geblieben, ihre Hartnäckigkeit, ihre Zielstrebigkeit, ihr Durchsetzungsvermögen und ihr Problemlösungswillen.« Mit dem ZEV habe Mérigeau auch für Kehl eine Marke geschaffen.
Die Europa-Auszeichnung durch Minister Wolf sei für sie »und insbesondere für unsere deutsch-französische Einrichtung eine große Ehre«, sagte Mérigeau in ihrer Dankesrede. »Unser alltäglicher Beitrag im ZEV ist es, dies für alle Bürger sichtbar zu machen. Rechte hat Europa seinen Bürgern vor allem im Verbraucherschutz gegeben. Rechte haben bedeutet nicht, Rechte zu bekommen!« An erster Stelle stünden selbstverständlich die Information, das reiche aber nicht. »Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen viel mehr, um ihre Rechte durchzusetzen. Wir lösen pro Jahr außergerichtlich hier über 75 Prozent der 15 000 grenzüberschreitenden Verbraucherbeschwerden«, sagte Mérigeau. Insgesamt habe es 2018 über 116 000 Verbraucheranfragen an das ZEV gegeben. 
Nach über 25 Jahren ist es nach Ansicht Mérigeaus notwendig, die Struktur des ZEV zu ändern, das bisher als eingetragener Verein nach deutschem Recht firmiert: »Um den Aachener Vertrag mit Leben zu erfüllen und um die deutsch-französische Zusammenarbeit zugunsten der Bürger zu vereinfachen, brauchen wir eine stärkere Trägerstruktur, die auf einer deutsch-französischen Governance der beiden Länder basiert.«

Zur Person

Mérigeau studierte in Bordeaux Rechtswissenschaften und wurde in Deutschland für eine rechtsvergleichende Arbeit promoviert. Später arbeitete sie am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg sowie als Anwältin für Privat- und Handelsrecht, bevor sie 1993 in den Vorstand des ZEV wechselte. 

Info

Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz

Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz (ZEV) ist ein deutsch-französischer Verein, der Verbrauchern in grenzüberschreitenden und europäischen Angelegenheiten kostenlos zur Seite steht. Es gehört zu einem europaweiten Netz von 29 Informationsbüros, die in jedem der 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie in Norwegen und Island bestehen. Am Sitz im Kehler Bahnhofsgebäude sind im ZEV die Verbraucherschutzzentren für Deutschland und Frankreich unter einem Dach zusammengefasst. Das ZEV wurde 1993 – zeitgleich mit der Einführung des Europäischen Binnenmarkts gegründet – und verfolgt das Ziel, die Verbraucherrechte in Europa wahrzunehmen und zu fördern. Finanziert wird es vom Land Baden-Württemberg, von Rheinland-Pfalz, dem Ortenaukreis sowie den grenznahen Städten Oberkirch, Lahr, Achern, Offenburg und Kehl. Auf französischer Seite sind es die Region Grand Est, die Eurometropole Straßburg und seit kurzem das Departement Haut-Rhin mit Sitz in Colmar.

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