Verkehr

B28-Serie: Kehls »wüsteste Strecke« erhält Schönheitskur

Autor: 
Alexander Gehringer
Lesezeit 4 Minuten
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17. Juli 2018

Noch im Januar 2002 trennte viel grauer Asphalt den Bahnhof von der Innenstadt: Neben der Straßburger Straße – damals nur mit schmalem Mittelstreifen – verliefen hier die Hafenstraße, die an der Bahnhofskreuzung einmündete, sowie eine U-förmige Zufahrt zum Bahnhofseingang. Kurz danach schritten die Bauarbeiter zur Tat, um der B 28 zur Landesgartenschau 2004 ein völlig neues Gesicht zu verleihen ©Alexander Gehringer

Vor 50 Jahren rückte Kehl näher an die Rheintal-Autobahn: Die heutige B 28 machte den schnellen Weg in die weite Welt frei. In einer Serie, die einmal wöchentlich in der Kehler Zeitung erscheint, betrachten wir die Geschichte des vierspurigen Zubringers – mit allen Neuerungen und auch dunklen Kapiteln.

Mit dem Trennwandbau hatte die Schnellstraße zwischen Kehl und A 5 schon 1989 quasi ihren heutigen Ausbaustand erreicht; lediglich der Lärmschutz veränderte in den 90ern noch das Umfeld bei Neumühl (Näheres in der kommenden Folge). Umso mehr aber wandelte sich nun das Gesicht der B 28 innerhalb Kehls – nachdem sich die Straßburger Straße in ihren ersten knapp 30 Jahren kaum verändert hatte.

Zunächst warf hier ein Meilenstein seine Schatten voraus: Die Fußgängerzone, ab 1990 entstanden, erforderte im Vorfeld eine Innenstadt-Tangente. So erhielt die Straße Am Läger, bisher als Sackgasse auf dem Areal des heutigen City-Centers endend, im Juni 1989 ihren Anschluss an die Straßburger Straße; die Verbindung zwischen Kinzigallee und Ringstraße komplettierte dann in den 90ern das acht Millionen Mark teure Umfahrungsprojekt. Jahre später bekam die Lägerkreuzung schließlich auch noch ihren vierten Ast: Die verlängerte Carl-Benz-Straße entlastet seit November 2001 die Königsberger- und Hafenstraße vom Schwerverkehr.

B 28 trennte die Stadt 

Erst dieser Anschluss machte auch den Weg für die Großbaustelle frei, die der Straßburger Straße zu einer Schönheitskur verhelfen sollte. »Die B 28 ist die wüsteste Strecke von Kehl, auf der jeder an der Stadt rasch vorbeifährt und außer deren Namen nichts mitbekommt«, fand Baubürgermeister Jörg Armbruster schon 1998 bei seiner Oberbürgermeister-Kandidatur. Jetzt, Anfang des neuen Jahrtausends, stand die Landesgartenschau vor der Tür: die Gelegenheit, der Hauptverkehrsader Kehls ein neues Gewand zu verpassen – und dabei zugleich ihren trennenden Charakter zwischen Innenstadt und Bahnhof ein Stück weit aufzuheben.

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Verschiedene Pläne

Was dabei konkret passieren sollte, darüber hatten sich die Gelehrten jahrelang gestritten. Dem 1998 gewählten OB Günther Petry schwebte im Wahlkampf noch vor, die Durchgangsstraße weiträumig zu verlegen: auf die Hafenzufahrt Ost, eventuell sogar inklusive neuer (weiter nördlich gelegener) Rheinbrücke. Schon im selben Jahr votierte der Gemeinderat allerdings knapp gegen entsprechende Machbarkeitsstudien. Auch die Idee des Verkehrsplaners Gunter Kölz, den Durchgangsverkehr durch einen Tunnel vom Bahnhof bis zur Läger-Tangente oder gar zur Geiger-Kreuzung zu leiten, kam nicht durch. Ebenso wenig der Plan einer Hochstraße auf Pfeilern, der schon in den 1950ern erstmals kursierte.
Stattdessen lautete das Motto schließlich: »Vom Highway zum Stadtboulevard« – ebenfalls basierend auf Kölz’ Vorstellungen. Auf ihren 650 Metern zwischen Läger-Tangente und Europabrücke bekam die Straßburger Straße ihre heutige 16 Meter breite, teilweise begrünte Mittelinsel; die Fahrbahn nach Straßburg wurde dafür entsprechend verlegt. Wendespuren (»Turns«) ersetzten das Linksabbiegen über die bisherige Bahnhofskreuzung. Vorbei auch die Zeit der beiden katakombenartigen Fußgängertunnels beim Bahnhof; zum Zug kam der Kehler nun, indem er per Ampel-Überweg die B 28 und die Mittelinsel querte, auf der die neue Granitstele »Transversal« von Jochen Kitzbihler ihren Platz fand. Beiderseits der Straße verbanden künftig Radwege die Europa- mit der Kinzigbrücke. Da außerdem die Hafenstraßen-Einfahrt ein Stück gen Rhein rückte und die Zufahrtsstraßen vor dem Eingang des Bahnhofs verschwanden, kam dieser zu seinem großflächigen Vorfeld mit dem »Ortenau-Platz«.

Kosten: rd. 4,5 Mill. Euro

Von Februar 2002 bis Oktober 2003 erhielt die B 28 zwischen Läger und Europabrücke das neue Gartenschau-Gesicht. 4,47 Millionen Euro kostete der Umbau unter Federführung der Architekturbüros Eidel und Schedlbauer, davon kam mehr als die Hälfte aus Fördertöpfen. Der neue Bahnhofsbesitzer Jürgen Grossmann und die Deutsche Bahn modernisierten überdies rechtzeitig zur Gartenschau das Stationsgebäude. Aber auch weiter im Westen gab’s viel Neues abseits der B 28: Nachdem der EU-Binnenmarkt 1993 die »grüne Grenze« gebracht hatte, verschwanden nicht nur die Grenzkontrollbauten von der Brückenauffahrt. Auch der Zollhof hatte ausgedient; er fiel dem Gartenschau-Gelände zu, seine Abfahrtskurve bei der Villa Schmidt machte Platz für einen neuen Brückenaufgang.

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