Kommunalwahl 2019

Barbara Tonnelier verlässt den Kehler Gemeinderat

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 3 Minuten
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22. Mai 2019

Barbara Tonnelier ©Nina Saam

Von den 26 Kehler Gemeinderäten treten bei der Kommunalwahl am 26. Mai sechs nicht mehr an – aus den unterschiedlichsten Gründen. In einer kleinen Serie stellt die Kehler Zeitung die ausscheidenden Stadträte vor. Heute: Barbara Tonnelier (Frauenliste), seit 2014 im Gemeinderat.

Nach fünf Jahren im Gemeinderat hat sich Barbara Tonnelier entschieden, das Gremium wieder zu verlassen: Die zeitliche Belastung wurde ihr einfach zu viel. »Ich hätte vorher nie gedacht, dass die Gemeinderatssitzungen so lange dauern«, sagt sie. »Nach einem langen Arbeitstag noch volle Konzentration bis 22 Uhr, dazu noch die Vorbereitung. Das ist zu viel.« Dazu kommt, dass die Frauenliste nicht mehr weiterbestehen wird, weil der Nachwuchs fehlt: »Es hat sich einfach richtig angefühlt, aufzuhören«, sagt die 59-Jährige.

Tonnelier arbeitet als Fachlehrerin und Sozialpädagogin in der Klinikschule und in der Pädagogischen Beratungsstelle Schule und Epilepsie des Oberlin-Schulverbunds. In den 80er-Jahren kam sie aus dem Oberschwäbischen nach Kork und war jahrelang beim frauenpolitischen Stammtisch aktiv. Sie gehört 2003 zu den Mitbegründerinnen der Frauenliste und saß von 2004 bis 2009 im Korker Ortschaftsrat. Nach einer fünfjährigen Pause trat sie für den Gemeinderat an.  Das Nachwuchsproblem plage die meisten Frauenlisten in Baden-Württemberg, doch es liege nicht daran, dass Frauen heute unpolitischer seien, so Tonnelier. Es sei vielmehr das Konzept, das nicht mehr in die Zeit passe. »Frauen wollen sich heute nicht mehr regelmäßig zu Diskussionsrunden in Kneipen-Hinterzimmern treffen«, sagt sie. »Das politische Engagement hat sich verändert. Die Jungen müssen jetzt selber ihre Form der Beteiligung finden.« 
Ihr Fazit der letzten fünf Jahre fällt gemischt aus. Wichtig waren ihr vor allem die »großen Würfe« wie das Stadtentwicklungskonzept 2035, das Mobilitätskonzept und die Kulturkonzeption. Da habe die Frauenliste einiges mit angestoßen und die Stadt viel auf den Weg gebracht. Beendet sei der Prozess aber noch lange nicht. So hätte man beispielsweise beim Radverkehrskonzept mutiger sein können beim Zurückdrängen des Autos zugunsten des Fahrrads, meint sie. 

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Zu viel »Kleinkram«

Auf der anderen Seite stand das »Tagesgeschäft« der Gemeinderatsarbeit, in dessen Dickicht so manches Visionäre steckenblieb: »Ich hätte nie gedacht, dass es so viel ist, was man entscheiden muss«, sagt sie. »Da wurde oft ewig über Kleinkram wie beispielsweise die Kampfhund-Besteuerung diskutiert, während in meinen Augen Wichtigerem zu wenig Raum gelassen wurde.« 
Die Fraktionsarbeit mit den Grünen und der Jugendliste habe sie dagegen als sehr bereichernd erlebt. Für die nächste Legislaturperiode wünscht sie sich die Umsetzung dessen, was in der Warteschleife steht, wie etwa die Sanierung diverser städtischer Gebäude und Straßen oder die Kindergarten-Neubauten. Dabei dürfe man ruhig neue Wege gehen, zum Beispiel mit anderen Trägern: Ein Montessori-Kindergarten wie in Offenburg würde Kehls Kindergarten-Landschaft guttun, so Tonnelier. Als »unsäglich« bezeichnet sie dagegen das Nichtzustandekommen einer Kehler Gemeinschaftsschule. 

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