Bürgerversammlung

Bodersweier will Schulpläne nicht aufgeben

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 5 Minuten
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02. Januar 2018

»Normalerweise kommen die Schüler vom Umland in die Kreisstadt und nicht umgekehrt«, kritisierte Ortsvorsteher Manfred Kropp bei der Bürgerversammlung die Kehler Schulpolitik. »Dies zeigt die Attraktivität Kehls als Schulstandort.« ©Nina Saam

Vor Feuerzangenbowle und Feuerwerk zieht es die traditionsbewussten Bodersweierer alljährlich am Silvestertag in die Gemeindehalle zur Bürgerversammlung. Ortsvorsteher Manfred Kropp hatte einiges zu berichten. 

Im Jahr 2017 hatte Bodersweier mit der Schule, dem Kindergarten und dem Feuerwehrhaus mit denselben Baustellen zu kämpfen wie im Jahr davor. Dabei gibt es zwar einige Fortschritte zu verzeichnen, den Kampf um den Erhalt der Werk­realschule hat die Ortschaft aber endgültig verloren: Am 12. Juli wurde der letzte Abschlussjahrgang ins Leben entlassen. Die Schüler der Klassen 6 bis 8 mussten auf andere Schulen wechseln, eine fünfte Klasse war gar nicht erst zustande gekommen. Fast alle Pennäler hatten sich für eine Schule in der Nachbargemeinde Rheinau entschieden.

Ein Grund für Ortsvorsteher Manfred Kropp, mit der Stadtverwaltung hart ins Gericht zu gehen: »Normalerweise kommen die Schüler vom Umland in die Kreisstadt und nicht umgekehrt«, sagte er. »Dies zeigt die Attraktivität Kehls als Schulstandort.« Damit spielte er auf den vor sechs Wochen im Gemeinderat vorgestellten Bericht zum Bildungsangebot der Stadt an, aus der unter anderem hervorgeht, dass 600 auspendelnden Kehler Schülern nur 250 Einpendler gegenüberstehen. 

Geschlagen geben sich die Bodersweierer in Sachen Schule dennoch nicht. Nach wie vor verfolgt die Ortschaft das Ziel, die Bodersweierer Grundschüler mittelfristig in den Ort zurückzuholen. Manfred Kropp zitierte aus der vor wenigen Wochen vorgelegten Bertelsmann-Studie, nach der die Zeit der sinkenden Schülerzahlen vorbei sei.

»Ab 2023 droht ein dramatischer Engpass an Lehrern und Gebäuden«, sagte er. »Die Stadt sollte hier Weitsicht beweisen und nicht fahrlässig Schulraum vernichten, der in einigen Jahren vielleicht wieder benötigt wird.« Auch Bodersweier folge dem beobachteten Trend: Im letzten Jahr gab es so viele Geburten wie seit zehn Jahren nicht mehr.

»Gelebte Demokratie«

Zunächst jedoch wird der Kindergarten in einen Teil des Schulgebäudes einziehen. Ab März 2018 werden dort provisorisch zwei Krippengruppen eingerichtet, nach dem erfolgten Umbau, der insgesamt mit knapp zwei Millionen Euro zu Buche schlägt, sollen im Dezember 2019 die 3- bis 6-Jährigen folgen. 

Damit hat der Kindergarten-Notstand, der seit 2012 immer wieder thematisiert wird – lange Wartelisten, beengte Räumlichkeiten, schlechte Bausubstanz – ein Ende. Ab März stehen in Bodersweier 89 Kindergarten-Plätze zur Verfügung, bislang waren es 64. Dass das so schnell ging, führte Kropp auf die bunte und lautstarke Demonstration von Eltern, Kindern, Erzieherinnen und Teilen des Ortschaftsrats vor dem Kehler Rathaus im Februar des Jahres zurück. »Wir haben dafür viel Kritik einstecken müssen«, sagte dazu Ortschafts- und Stadtrat Andreas Hopp. »Aber das ist gelebte Demokratie. Eine Stadt muss das aushalten können.« 

Beim Feuerwehrgerätehaus konnte Manfred Kropp ebenfalls einen Fortschritt vermelden. Die benötigten Flächen seien nun endlich im Besitz der Stadt, die Mittel von 1,8 Millionen Euro bereitgestellt. »Einem Baubeginn steht nun eigentlich nichts mehr im Wege«, sagte er. »Ich hoffe, dass es im Spätjahr 2018 soweit ist.« Ursprünglich war der Baubeginn auf Mitte 2016 terminiert gewesen.

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Werben um Verständnis 

Auch das neue Baugebiet Pfaffeneger West, das das ehemalige Areal Ostertag und den alten Spielplatz Pfaffeneger umfasst, sollte eigentlich schon längst auf dem Weg sein. Kropp stellte die Offenlage des Bebauungsplans für die nächste Ortschaftsratssitzung in Aussicht. Auf dem 2,1 Hektar großen Gelände sollen sowohl Ein- bis Zwei- als auch Mehrfamilienhäuser entstehen, davon zehn Sozialwohnungen. 

Für einige Unruhe im Saal sorgte schließlich die Ankündigung, dass die erst vor zwei Jahren aufwendig sanierte Ortsdurchfahrt wieder aufgerissen werden soll. Der Grund: Die unter der Straße liegenden Wasserleitungen müssen erneuert werden. »Das war zwar schon 2015 bekannt«, sagte Manfred Kropp. 

»Es war aber nicht möglich gewesen, diese Maßnahme vor der Fahrbahnsanierung durchzuführen.« Und diese habe sich nicht verschieben lassen, da sie vor der Herabstufung der Bundesstraße 36 erfolgt sein musste. »Manche Dinge kann man einfach nicht ändern«, warb der Ortsvorsteher um Verständnis bei den Bürgern.

Ehrungen

Zahlreiche Bürger nahmen von Ortsvorsteher Manfred Kropp Ehrungen entgegen. Zwei Blutspender, Dennis Köbel und Eric Albrecht, bekamen die Blutspender-Ehrennadel in Gold für je 25 Blutspenden. Anne Körkel vom Kirschhof erhielt im Oktober 2017 den Ceres-Award in der Kategorie »Unternehmerin«.  Der Ceres Award gilt als der renommierteste Wettbewerb für Landwirte im deutschen Sprachraum. Lobend erwähnt wurden auch Emilie Litzinger, Caroline Hauss, Lara Stein, Silke Schäfer und Naomi und Jutta Arbogast für die Organisation des Kinder-Ferienprogramms. Auch Stefan Braunstein, der die Homepage des Ortes betreut, erhielt ein kleines Dankeschön.

Drei Jungmusiker des Musikvereins haben im letzten Jahr das Leistungsabzeichen in Silber abgelegt: Joseph Erhardt, Alina Blum und Matti Arbogast.
Bei den Sportlern wurden Alexander Lasch, Sieger der Bezirksjugendmeisterschaften U12 im Schach, und die E-Jugend des FV Bodersweier, die den Meistertitel errungen hat, geehrt. Natürlich durften auch die Bodersweierer Turnerinnen nicht fehlen:

Erfolgreich waren hier Anna-Lena Marz, Annika Schoch, Lena Stalinski, Vivien Schulz, Valeska Waldmann, Linda Marlen Harter, Maya Schrade, Alexa Auer, Liv Nimke, Milena Zapf, Salomea Fladt, Leni Aupperle, Nina Martin, Maxima Hetz, Nele Keck, Sina Kunze, Maya Wahl, Lucie Britz, Mira Rauer, Nele Kehret und Madlin Prestel. Herausragende Leistungen zeigte Anna-Lena König, die es in verschiedenen bundesweiten Wettkämpfen immer in die vorderen Ränge geschafft hat, sodass sie in den Bundeskader berufen wurde.

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