Kehl

BSW darf mehr Stahl schmelzen

Autor: 
Peter Schwab
Lesezeit 3 Minuten
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10. November 2009
Foto: Peter Schwab - BSW-Geschäftsführer Michel Hamy (von links) und Ralph Ridder dürfen dank der Genehmigungsurkunde von Regierungspräsident Julian Würtenberger das Kehler Werk von Mitinhaber Horst Weitzmann modernisieren und ausbauen.

Foto: Peter Schwab - BSW-Geschäftsführer Michel Hamy (von links) und Ralph Ridder dürfen dank der Genehmigungsurkunde von Regierungspräsident Julian Würtenberger das Kehler Werk von Mitinhaber Horst Weitzmann modernisieren und ausbauen.

Die Badischen Stahlwerke dürfen ihren Betrieb in Kehl erweitern. Regierungspräsident Julian Würtenberger hat dazu gestern die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für die Erweiterung übergeben. Damit kann das Werk seine Kapazität um ein knappes Drittel erhöhen.

Kehl. Neun Monate hat es gedauert, bis die juristische Geburt perfekt war: Gestern hat der Freiburger Regierungspräsident Julian Würtenberger persönlich die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für die Erweiterungspläne der Badischen Stahlwerke (BSW) den Geschäftsführern Michel Hamy und Ralph Ridder überreicht. In dem Genehmigungskonvolut sind auch gleich die bau- und wasserrechtlichen Genehmigungen enthalten: Das Stahlwerk kann erweitern.
Würtenberger sprach von einem schnellen Verfahren bei einem so komplizierten Sachverhalt, das dank der professionellen Abwicklung auf Werksseite und der frühzeitigen Infoanforderung der Behörde so gut abgewickelt werden konnte. Mit der Genehmigung kann das Werk statt 2,2 Millionen Tonnen Stahl 2,8 Millionen herstellen. Das angeschlossene Walzwerk dürfen bis zu 2,7 Millionen Tonnen Produkte verlassen, 600 000 Tonnen mehr, als bislang genehmigt waren.
Dazu will BSW im Kehler Hafen ordentlich investieren. Bekannt gegeben waren zuletzt Zahlen von bis zu 300 Millionen Euro, die das Werk in den kommenden Jahren ausgeben will. Eine größere Stromversorgung, ein neuer Elektrolichtbogen-Schmelzofen und neue Pfannenöfen sind im Investitionsplan vorgesehen.
Erst kleine Investitionen
Dies wird BSW wegen Wirtschaftskrise und Lieferzeiten nicht sofort umsetzen. Zunächst will das Werk laut Geschäftsführer Ralph Ridder mit kleinen Verbesserungen die Kapazität der alten Öfen erhöhen, bevor es an die großen Investitionen geht. Auch wenn das erneuerte Werk auf Volllast laufen wird, bleibt die Zahl der Mitarbeiter auf bisherigen Niveau. . Sie werde laut Ridder zwischen 850 und 900 Beschäftigten im Stahlwerk liegen.
Ganz ohne Hindernisse ist das Verfahren nicht abgelaufen. 19 Einwendungen hatten Gegner erhoben, für ein solches Projekt eine geringe zahl, meinte der Regierungspräsident. Die aber hatten es oft in sich. So hat das Werk nach Auskunft von BSW-Prokurist Dietmar Weiss und Astrid Hahn vom Industriereferat des Regierungspräsidiums beim Lärmschutz andere Materialien verwenden müssen als geplant. Schalldämpfer sollen das Umland (Auenheim und Straßburg) vor Lärm aus der Produktion schützen.
So können die Bewohner eines Auenheimer Wohngebiets mit einer nächtlichen Lärmbelastung rechnen, die den Grenzwert für vergleichbare Gebiete geradeso einhält. Nach Ansicht der Freiburger Beamten waren die Bewohner aber verpflichtet, einen erhöhten Lärm-Grenzwert zu dulden. Sie hatten bei ihrer Ansiedlung gewusst, dass in der Nachbarschaft das Werk Stahl schmilzt, lautete die Begründung von RP-Beamtin Hahn.
All die Umweltschutzmaßnahmen kosten Geld. 16 Millionen Euro gibt BSW für die Auflagen und Selbstverpflichtungen aus, die in einem Stufenplan verwirklicht werden. Viele Verpflichtungen sind die BSW freiwillig eingegangen, etwa den Bau einer Abgasreiningungsanlage für 12 Millionen Euro. Ohne den Erweiterungsantrag hätte das Regierungspräsidium neue Auflagen zum Umweltschutz kaum durchsetzen können, so Hahn.
Noch mehr Lärmschutz
Dies dürfte im Kalkül von BSW-Miteigentümer Horst Weitzmann gelegen haben. »Umweltschutz ist unsere Haltung«, sagte er bei der Pressekonferenz gestern zur Genehmigungsübergabe. Weitzmann verwies auf die Erfolge, die BSW im Bereich des Umwelt-Engineering erreicht habe, räumte aber ein, »beim Lärmschutz haben wir noch unsere Hausaufgaben zu machen«.

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Für die jetzt erteilte Genehmigung läuft die Widerspruchsfrist. Die Genehmigung selbst sowie die Antragsunterlagen sind dazu von Freitag, 20. November, bis Freitag, 4. Dezember, im Kehler Rathaus und im Freiburger Regierungspräsidium einsehbar. Oder im Internet unter www.rp-freiburg.de.

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