Umweltschutz / Energie

Bürgerenergiegenossenschaft sucht Lampenpaten

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 3 Minuten
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02. Februar 2018

Werben für eine Lampenpatenschaft: Ute Figel, Horst Körkel und Helga Schmidt von der Bürgerenergiegenossenschaft Kehl und Lea Unterreiner, Klimaschutzmanagerin der Stadt (v. links). ©Nina Saam

Die Stadt wird 2018 über 1200 stromfressende Straßenlampen auf LED-Technik umrüsten. Die Bürgerenergiegenossenschaft Kehl möchte sich mit einbringen und sucht nun nach Lampenpaten, die dafür Geld zur Verfügung stellen. Nach sechs Jahren bekommen sie es plus einer kleinen Dividende zurück. 

Die Straßenbeleuchtung macht laut der Deutschen Energie-Agentur (dena) bis zu 40 Prozent des kommunalen Stromverbrauchs aus. Klar, dass immer mehr Städte und Gemeinden auf die energieeffiziente LED-Technik umsteigen möchten: Das Einsparpotenzial beträgt etwa 80 Prozent. Klar ist aber auch, dass die Umrüstung von 1200 Leuchten in der Kernstadt und den Ortschaften mit einer großen Investition verbunden ist. 

Die Kosten
Rund 600 Euro kostet der Austausch eines Lampenkopfes – Kosten, die sich durch den geringeren Stromverbrauch nach etwa sechs Jahren amortisiert haben, rechnet die Bürgerenergiegenossenschaft Kehl (BEG) vor, die sich bei der Umrüstung beteiligen will und nun in der Bürgerschaft für Lampenpaten wirbt. 

Jährliche Dividende

Die Idee ist bestechend einfach: Der Lampenpate erwirbt für 600 Euro Anteile an der BEG, die damit einen neuen Lampenkopf finanziert. Nach sechs Jahren kann man die Mitgliedschaft kündigen und bekommt seine Anteile wieder ausgezahlt. Dazu kommt eine jährliche Dividende, die sich aus dem Verkauf erzeugter Energie beziehungsweise aus deren Einsparung speist. 

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Mindesteinlage

Es können sich auch mehrere Paten eine Lampe teilen: Die Mindesteinlage bei der BEG beträgt 100 Euro. »Im Idealfall kann der Bürger für die Lampe vor seiner Haustür die Patenschaft übernehmen«, so Vorstandsmitglied und Stadtrat Horst Körkel. Die Patenschaft wird durch ein Schild am Lampenmast dokumentiert. Bis zu 40 Leuchten sollen so finanziert werden, schwebt der BEG vor. Mit diesem Projekt hat sich die Stadt gemeinsam mit der BEG erfolgreich bei dem von der Deutschen Energie-Agentur initiierten und vom Wirtschaftsministerium geförderten Projekt »Energieeffizienzgenossenschaften Straßenbeleuchtung« beworben und ist nun eine der drei Pilotkommunen bundesweit. 
Den Genossenschaftlern geht es aber nicht nur darum, durch dieses Finanzierungskonzept die LED-Umrüstung zu forcieren. »Das Ganze hat auch einen ideellen Hintergrund«, sagt Körkels Vorstandskollegin Ute Figel. »Wir wollen die Bürger aufrufen, die eigene Verantwortung in den Blick zu nehmen und zur ›Energiewende von unten‹ beizutragen.«

Investition

Die Bürgerenergiegenossenschaft Kehl investiert seit 2012 in regionale Energieprojekte. Sie betreibt drei Photovoltaikanlagen in Bodersweier und Leutesheim und eine in Gerolzhofen (Bayern). Die Anlagen erzeugen zusammen jährlich etwa 255 000 Kilowattstunden Strom, was etwa dem Jahresbedarf von 100 Haushalten entspricht. Zudem werden 140 Tonnen CO2 eingespart. 
Mit der Modernisierung der Straßenbeleuchtung hat die BEG, die sich den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben hat, ein neues Betätigungsfeld für sich entdeckt: Jede umgerüstete Leuchte verbraucht 500 Kilowattstunden Strom weniger im Jahr und spart 300 Kilogramm CO2 ein. Und als Geldanlage tauge es auch, so Körkel: »Unsere Rendite ist allemal besser, als wenn man Geld auf dem Tagesgeldkonto oder dem Sparbuch parkt.«

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