Forderung nach Hilfe

Busunternehmen in der Krise

Autor: 
Klaus Körnich
Lesezeit 3 Minuten
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28. April 2020

Das Kehler Busunternehmen Gümpel Reisen fordert von der Politik Hilfen während der Corona-Krise - für die gesamte Branche der privaten Busunternehmen. ©Gümpel Reisen

Das Kehler Busunternehmen Gümpel Reisen hat sich mit einem Brief an mehrere Abgeordnete gewandt. Das Unternehmen fordert darin für die gesamte private Busbranche, vor allem die privaten Busunternehmen nicht unter dem allgemeinen Deckmantel „Tourismus“ unbedacht zu lassen.

Das Unternehmen fordert, die privaten Busunternehmen nicht mit dem ÖPNV gleichzusetzen. Die privaten Busunternehmen sind mit ihren Bussen meist nicht im Linienverkehr unterwegs. Zudem verlangt das Kehler Unternehmen die Verlängerung der Kurzarbeit, die Anhebung des Kurzarbeitergelds, eine Stundung von Steuerzahlungen bis mindestens März 2021 und Liquiditätsbürgschaften für laufende Betriebs- und Vorhaltekosten. Eine weitere Neuverschuldung der Unternehmen durch günstige und langfristige Kredite sei „keine Option“. 

Kampf um die Existenz

Keine Branche sei von den Reise-Einschränkungen mehr betroffen als die Bus-Touristikunternehmen, erklärt Monika Gümpel. „Fast 3000 Busunternehmen haben neben einem eklatanten Einbruch beziehungsweise Null-Einnahmen erhebliche existenzielle Schwierigkeiten.“ Die Busse seien abgemeldet worden. 

Laut einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer können in Deutschland 90 Prozent der privaten Busunternehmen die derzeitige wirtschaftliche Situation nur noch wenige Wochen ohne Hilfe überstehen. „Dies bedeutet eine akute Gefährdung für tausende Arbeitsplätze und das Aus vieler in mehreren Generationen und familiär geführter privater Busunternehmen“, erklärt Monika Gümpel. 

„Wir erwarten, dass der Bundestag einer Rettung der unverschuldet bedrohten Busunternehmen in Deutschland mindestens ebenso viel Priorität einräumt wie der Rettung  anderer ohne Eigenverschulden in Schwierigkeiten geratener Firmen.“  Zudem verweist Monika Gümpel darauf, dass es sehr wahrscheinlich erscheint, dass die privaten Reisebusse erst ab 2021 wieder normal starten können.

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63 Mitarbeiter, 23 Busse

Gümpel-Reisen mit Sitz in Kehl ist ein mittelständisches privates Busunternehmen mit 63 Mitarbeitern, 21 Reise- und zwei Linienbussen. Diese befinden sich derzeit aufgrund des Fahrverbotes im totalen Stillstand. „Da wir im Grenzbereich zu Frankreich in Kehl unseren Hauptbetriebssitz haben und auch in Frankreich ansässig sind, sind wir doppelt so heftig betroffen“, schreibt Monika Gümpel. Die gesamte Fahrzeugflotte ist abgemeldet, das deutsche und das französische Personal in Kurzarbeit und der Betrieb sei ohne Einnahmen aufgrund von Stornierungen sowie Fahr- und Reiseverboten eingestellt. 

„Wir arbeiten zu 80 Prozent mit internationalen Fahrgästen, unter anderem mit vielen Flusskreuzfahrtgästen. Hinzu kommen Mietbusfahrten mit Gruppen, Vereinen, Firmen und Schülerfahrten. „Uns liegen bereits von Redereien Stornierungen bis Ende 2020 vor. Bis zum 31. August wurden bereits alle Reisen aller Schiffskunden komplett storniert“, erklärt Monika Gümpel. Sie schreibt von einer „bizarren und ausweglosen Situation, ohne dass ein absehbares Ende in Sicht scheint“. 

Außenminister Heiko Maas sagte jetzt, er sehe „keinen einzigen Hinweis“ auf eine baldige Aufhebung der weltweiten Reisewarnungen. Ein normaler Sommer-Urlaub sei 2020 nirgendwo möglich.  

Man sei sich der Verantwortung bewusst, so Gümpel, dass die Gesundheit ihrer Kunden sowie Busfahrerinnen und Busfahrer oberste Priorität hat. Bereits heute werden in dem Unternehmen Vorkehrungen getroffen, wie der Bustourismus nach Aufhebung der Beschränkungen gestaltet werden könnte. 

Zusammen mit weiteren Unternehmen der Branche und den zuständigen Omnibusverbänden hat sich das Kehler Unternehmen auch an den Bundestag gewandt, um die Existenz der privaten Busunternehmen zu retten. 

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