Konzert in Goldscheuer

Chor und Kammer-Ensemble Kehl-Straßburg begeistern

Autor: 
Petra Klingbeil 
Lesezeit 3 Minuten
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29. Januar 2018
Der erst 14-jährigen Fagott-Virtuosin Laure Thomas flogen die Herzen der Zuhörer zu. Sie gehört zu den »Entdeckungen«, die Theodor Guschlbauer gerne einem staunenden Publikum präsentiert.

(Bild 1/2) Der erst 14-jährigen Fagott-Virtuosin Laure Thomas flogen die Herzen der Zuhörer zu. Sie gehört zu den »Entdeckungen«, die Theodor Guschlbauer gerne einem staunenden Publikum präsentiert. ©Erwin Lang

Es war ein denkwürdiges und festliches Konzert, das Star-Dirigent Theodor Guschlbauer in der katholischen Kirche Goldscheuer gab. Dabei stellte er dem Publikum zwei seiner »Entdeckungen« vor.

»Allererste Sahne«, »Es war nicht zu toppen«, »Guschlbauer ist ein Highlight« – so und ähnlich überschlugen sich die begeisterten Kommentare deutscher und französischer Besucher der katholischen Kirche in Goldscheuer am Sonntag. Zwischen Star-Dirigent Theodor Guschlbauer, den Musikern und dem Publikum ist der Funke übergesprungen.

Das war direkt spürbar bei der Eröffnung mit dem »Te Deum« von Joseph Haydn. Brausenden Beifall gab es für die Solistinnen Belinda Kunz (Mezzosopran) und die 14 Jahre junge Laure Thomas (Fagott). Das jubelnde »Halleluja« von Georg Friedrich Händel zum Abschluss setzte diesem Abend mit dem Chor der Bezirkskantorei Kehl und dem Kammerensemble Kehl-Straßburg die Krone auf.

So hatte es der international renommierte Guschlbauer auch beabsichtigt: »Ich wollte ein abwechslungsreiches, frisches und stimmiges Programm anbieten.« Die launigen Anmerkungen des Wiener Meisters zu den aufgeführten Stücken verstärken die gute Stimmung noch. »So ein charmanter Dirigent«, meinte eine Dame.
Das Musik-Ereignis hatte sich in der vergangenen Woche herumgesprochen: Die Kirche in Goldscheuer war überfüllt, die Menschen drängten sich bis vor den Eingang, auch auf den Treppenstufen im Innenraum war jeder Zentimeter dicht besetzt.  

Höchste Ansprüche
 

Guschlbauer hat mit den angesehendsten Orchestern Europas gearbeitet: mit den Philharmonikern in Berlin, in Wien und lange Jahre in Straßburg. Er hat die Orchester der Mailänder Scala, in Paris und das Gewandhaus-Orchester Leipzig dirigiert. Aus einer solchen Tätigkeit erwachsen höchste Ansprüche an musikalische Perfektion.

In Goldscheuer erfüllten die etwa 80 Musiker und Choristen, Laien und Profi-Musiker, die Erwartungen. »Es war begeisternd, großartig und mitreißend«, sagte eine Zuhörerin. Einen passenden Rahmen lieferte die katholische Kirche mit ihrem modernen Innenraum im Streifenmuster und dem Wandbild der Maria in Trachtenkappe.

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Die Persönlichkeit Guschlbauers und sein unbedingtes Engagement hatten auch die Proben geprägt. Chor und Orchester hatten voller Hingabe ihr Bestes gegeben. »Guschlbauer hat uns ordentlich auf Trab gebracht«, meinte die erste Geigerin des Orchesters, Suzanne Da Costa-Kunz.

»Unglaublich, was ein Orchester leisten kann, das nur begrenzte Zeit für Proben hat«, sagte ein Musikkenner aus dem Publikum. Genau das ist es, was auch Guschlbauer im Vergleich zu Berufsmusikern beeindruckt: »Die Künstler sind unglaublich engagiert, sie nehmen lange Anfahrtswege in Kauf, Geld ist für sie Nebensache, sie bringen viele Opfer, und ihr persönlicher Einsatz ist enorm.« Berufsmusiker verdienten ihr Geld mit ihrer Kunst, da sei Engagement Voraussetzung.  

Minutenlanger Applaus

Die beiden Solistinnen gehören zu den »Entdeckungen« Guschlbauers. Der Fagott-Virtuosin Laure Thomas flogen die Herzen der Zuschauer zu. Minutenlang brandete der Beifall nach ihrem Auftritt im Fagott-Konzert von Carl Maria von Weber, begleitet von »Bravo-Rufen« und anerkennenden Pfiffen. 

Die Mezzo-Sopranistin Belinda Kunz bezauberte das Publikum mit der Arie der Isabella aus der Rossini-Oper »Die Italienerin in Algier«. »Sie entfaltet den weiblichen Charme ihrer Rolle mit Überzeugung«, hatte Guschlbauer ihren Auftritt angekündigt, und so wirkten ihre  verführerischen Koloraturen. Man hätte gern die gesamte Oper mit ihr gehört.

Dass das Konzert zustande kam, war entscheidend dem unermüdlichen Engagement von Heino Bullwinkel von der Bürgerstiftung Kehl (BSK) zu verdanken. Seine gut gepflegten Kontakte haben das Event möglich gemacht. »Es ist großartig, dass wir so ein wunderbares Konzert in Goldscheuer erleben durften«, sagte er. 

Auch finanziell war der Abend ein voller Erfolg. »Gesammelt wurden etwa 3800 Euro«, freute sich der ehemalige Bau- und Sozialdezernent der Stadt,  Jörg Armbruster.

Zur Person

Belinda Kurz

Die deutsch-französische Mezzosopranistin stammt aus einer Musikerfamilie und ist in der Welt der Oper aufgewachsen. Da sie perfekt zweisprachig ist, gehören deutsche Lieder zu ihrem bevorzugten Repertoire. Sie singt seit mehreren Jahren im Raum Paris und hat dabei bereits mit Guschlbauer zusammengearbeitet. Die Anforderungen ihrer beiden Auftritte an die Schauspielkunstbewältigte Kunz brilliant. »Ich gebe mir die größte Mühe, den natürlichen Charakter meiner Rollen herauszubringen«, sagte sie.    

Zur Person

Laure Thomas

Die 14-jährige Fagott-Spielerin Laure Thomas hat Dirigent Guschlbauer als Prüfer eines Musikwettbewerbs in Paris kennengelernt. Er erkannte sofort ihr Talent und lud sie nach Goldscheuer ein. »Ich freue mich, dieser jungen Künstlerin eine Möglichkeit zu bieten, sich in der Öffentlichkeit zu produzieren.« Die junge Französin aus der Nähe von Colmar hat mehrere Preise gewonnen, tritt jedoch bescheiden auf. »Am Fagott liebe ich besonders den Klang«, sagte sie. 
»Mein Ziel ist es, Berufsmusikerin zu werden. Die Stimmung hier fand ich besonders schön. Am Anfang war ich etwas nervös, aber das ist normal.«

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