Montmorencys Bürgermeister steht noch nicht fest
Dossier: 

Corona behindert französische Kommunalwahlen

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 4 Minuten
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24. März 2020

Das Rennen um das in einem wunderschön gelegenen Schlösschen untergebrachte Rathaus von Montmorency ist nach der ersten Runde der französischen Kommunalwahlen noch nicht entschieden. ©Archiv Klaus Gras

Bekommt Kehls Partnerstadt Montmorency einen neuen Bürgermeister? Entschieden ist nach der ersten Runde der französischen Kommunalwahlen noch nichts. Corona hielt viele vom Urnengang ab.

Fast 48 Millionen Menschen waren am vorvergangenen Sonntag in Frankreich aufgerufen, ihre neuen Gemeindevertreter zu wählen. Überall stand die Kommunalwahl im Schatten der Corona-Epidemie, die auch in Frankreich das öffentliche Leben fast komplett zum Erliegen gebracht hat.

An dem Beschluss, die Wahl trotz der Ausbreitung des Coronavirus stattfinden zu lassen, hatte es im Vorfeld massive Kritik gegeben. Die Beteiligung beim ersten Wahlgang lag denn auch so niedrig wie noch nie: Im Durchschnitt gaben nur etwa 45 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. 
Das war auch in Kehls französischer Partnerstadt Montmorency am Sonntag nicht anders. Laut amtlichen Angaben blieben fast 60 Prozent der Wahlberechtigten zu Hause; bei der Kommunalwahl vor sechs Jahren waren es noch 42,2 Prozent, im Val d’Oise rund 48 Prozent. 

Detton liegt vorn

Möglich, dass die 21 500-Einwohner-Stadt vor den Toren von Paris nach diesen Wahlen einen neuen Bürgermeister bekommt. Nach der ersten Runde der Kommunalwahlen liegt François Detton vorn. Detton, der ein Linksbündnis anführt, kam auf knapp 34 Prozent der abgegebenen Stimmen.

François Detton ist übrigens weder in Montmorency noch in Kehl ein Unbekannter: Er war nach François Langchambon und vor Michèle Berthy schon einmal Stadtoberhaupt von Montmorency (noch zu Zeiten von Günter Petry als OB). 

Maxime Thory von den konservativen Republikanern kam mit 29,2 Prozent auf Rang zwei. Die Kandidaten der vier anderen Listen, die in Montmorency zur Kommunalwahl antraten, sind schon ziemlich abgeschlagen. Philippe Priolon, der die Liste „Montmorencitoyens“, anführt, hinter der sich das Bündnis „La République En Marche“ von Premierminister Emmanuel Macron verbirgt, kam nur auf 13,8 Prozent, Amtsinhaberin Michèle Berthy und ihr Rechtsbündnis „Montmorency Passionnement“ gar nur auf 11,6 Prozent.

In Frankreich werden in Gemeinden mit mehr als 3500 Einwohnern die Mitglieder des Gemeinderats nach dem Verhältniswahlsystem mit Prämie für die siegreiche Liste gewählt. Die siegreiche Liste (absolute Mehrheit im ersten oder einfache Mehrheit im zweiten Wahlgang) erhält mindestens die Hälfte der zu besetzenden Sitze. Die andere Hälfte wird proportional gemäß Wähleranteil auf die Kandidaten der Listen verteilt, die mindestens fünf Prozent der Wählerstimmen erhalten haben. 

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Viel wird nun vom zweiten Wahlgang abhängen. Mit Prog­nosen sollte man vorsichtig sein, meint Annette Lipowsky, Pressesprecherin der Stadt Kehl. Jede Liste, die mehr als zehn Prozent der Stimmen errungen hat, kann am zweiten Wahlgang teilnehmen – und da können sich auch Listen zusammenschließen. „Wenn sich beispielsweise ‚Montmorency Passionnement‘ und ‚Demain Montmorency‘ zusammenschließen, Detton mit seiner Liste aber allein antritt, kann sich das Blatt ganz schnell wenden.“

Und sie erinnert an die Kommunalwahl 2014 in Straßburg: Damals lag Fabienne Keller im ersten Wahlgang noch vor Roland Ries. Der schloss sich dann mit den Grünen zusammen – und Keller wurde im zweiten Wahlgang knapp geschlagen. Michèle Berthy braucht somit trotz ihres großen Rückstands auf den Spitzenreiter noch nicht die Flinte ins Korn werfen.

Wann die zweite Runde stattfindet ist derzeit noch offen. Geplant war sie am letzten Sonntag – Premier Macron hatte aber  in einer Rede an das französische Volk die Verschiebung angekündigt. Als wahrscheinlich gilt ein Termin im Juni. Bis dahin arbeiten die bisherigen Mannschaften weiter. Und damit geht – irgendwie  – natürlich auch der Wahlkampf weiter. 

Willstätts Bürgermeister Christian Huber hingegen wird sich nicht an eine neue Amtskollegin in der Partnergemeinde Holtzheim gewöhnen müssen. Pia Imbs wird auch in den nächsten sechs Jahren an der Spitze der 3600-Einwohner-Gemeinde im Westen von Straßburg stehen. Die von ihr angeführte Zentrums-Liste gewann alle 27 zu besetzenden Sitze.

In Sachen Wahlbeteiligung war hier das Bild noch viel krasser als im Rest der Republik: Nur 25,4 Prozent der Wahlberechtigten gingen an die Urnen; die Nichtwähler-Quote betrug 74,6 Prozent – und war damit mehr als doppelt so hoch wie vor sechs Jahren. 

Auch Schultz ist durch

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Sand (Elsass), das mit dem gleichnamigen Willstätter Ortsteil partnerschaftlich verbunden ist. Amtsinhaber Denis Schultz holte mit seiner Liste alle Sitze im Gemeinderat.

Gleiches gelang auch Yves Sublon in Eschau, das mit der Kehler Ortschaft Goldscheuer freundschaftliche Beziehungen unterhält. Auch in diesen beiden Gemeinden blieben weit über 70 Prozent der Wahlberechtigten aus Angst vor Ansteckung durch das Coronavirus der Wahlurne fern.

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