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35 Jahre Drops

Das "Drops" war "Liebe auf den ersten Blick"

Garry Preston, Mino Barbanera, Guido Gegg, Facebook-Fans: Veteranen und ehemalige Besucher teilen ihre Erinnerungen an die Goldscheuerer »Superdisco«
08. September 2016
&copy Guido Gegg&copy Guido Gegg&copy Martin Egg&copy Guido Gegg&copy Martin Egg&copy Guido Gegg&copy Martin Egg&copy privat

Die "Disco Drops" in Goldscheuer war in den 1980er-Jahren das Nonplusultra. Für viele sogar noch mehr. Die ehemligen Drops-DJs Garry Preston und Mino Barbanera sowie der Choreograf und Mann im Astronautenkostüm Guido Gegg erinnern sich an die Zeit in "ihrer" legendendären Diskothek.  

Garry Preston ist vielleicht der bekannteste Discjockey des »Drops«. Denn er ist der Mann mit der unverwechselbarsten Stimme, die er vor allem seinem »english accent« zu verdanken hat. Von 1983 bis zum Ende stand der einst rotblond gelockte und heute in Ehren ergraute Brite, der 1979 über den Ärmelkanal aufs europäische Festland übergewechselt war, am Plattenteller und am Mikrofon. »Legendär«, erinnert sich Preston, war damals seine »Rock-Runde«: »Da kamen die Leute von Zürich, weil sie wussten, dass die Show so gut ist.«

Er und das »Drops«, das sei »Liebe auf den ersten Blick gewesen«, sagt der Wahl-Kittersburger. Teil der Mannschaft gewesen zu sein, erfüllt den heute 59-Jährigen noch mit viel Stolz, denn »das ›Drops‹ war in den 1980er-Jahren das Nonplusultra.« Für ihn war es weitaus mehr als das: »Das war meine Familie!« Viele seiner Kollegen, aber auch der Besucher seien, als Schluss war, in eine tiefe Depression gefallen.

Zahlreiche seinerzeit bekannte Stars lernte Preston bei ihren Auftritten vor Disco-Publikum kennen:  DJ Bobo zum Beispiel (»ein lieber Kerl«), aber auch Haddaway, für den er weniger freundliche Worte übrig hat: »Der hatte einen einzigen Hit, aber er führte sich auf wie Michael Jackson.« Mit feuchten Augen erinnert er sich an das Gastspiel von Audrey Landers, die in den 1980er-Jahren als Nachtclubsängerin Afton Cooper in der US-amerikanischen TV-Serie »Dallas« einem breiten Publikum bekannt wurde, irgendwann zu singen begann und ihr Talent im »Drops« testen wollte: »Sie war ein absoluter Weltstar, aber überhaupt keine Diva«, findet Preston.

Nicht nur in der Diskothek legte Preston auf, er gehörte auch zum inneren Zirkel von »Radio Drops«, jenem kleinen »Piratensender«, der von seinem französischen Studio aus die öffentlich-rechtlichen Sender so richtig narrte: »Dem damaligen Südwestfunk waren wir ein Dorn im Auge, weil wir damals so stark gehört wurden.« 

An eine Anekdote erinnert sich Preston besonders lebhaft: »Ich hatte Sendung, und plötzlich standen zehn französische Polizisten da: ›Sie müssen sofort alles abschalten, weil die Flugzeuge in Straßburg nicht landen können!‹« Angeblich sei Prestons Stimme auf 107,7 Megahertz ins Cockpit der Verkehrspiloten übertragen worden und habe dort ordentlich Verwirrung gestiftet.

1987 wurde Preston vom Offenburger Regionalsender Radio Ohr abgeworben, zwei Jahre später moderierte er für SWF 3 die Sendung »Lollipop«. Heute ist Preston als Sportexperte gefragt. Für die Deutsche Fußballliga (DFL) kommentiert er seit mehr als 16 Jahren auf Englisch Bundesligaspiele. Die Übertragungen werden in aller Herren Länder verkauft. Wahrscheinlich sei er nur in Nordkorea nicht zu hören, merkt Preston scherzhaft an. 
Auch im Fußball, sagt Garry Preston, stecke Musik. Geprägt haben ihn aber die zwölf Jahre im »Drops«, die er kurz und knapp so zusammenfasst: »No regrets!«

Mino Barbanera

Als gebürtigem Italiener liegt Mino Barbanera die Musik selbstverständlich im Blut: Er ist leidenschaftlicher Gitarrist und trat mit mehreren Rockgruppen auf. Der heute 66-Jährige kam analog zu Garry Preston ganz allein von einer Insel aus nach Deutschland: Seine Heimat ist Palermo auf Sizilien. Wie Preston gehört Barbanera zu den dienstältesten Dropsianern: Von 1983 bis zur ersten Schließung Ende 1989 stand er an den Plattentellern, und dann noch einmal nach der Wiedereröffnung 1992 bis zum endgültigen Schluss 1999. In den Jahren dazwischen hatte er sich mit dem »Studio 90«, einer kleinen Diskothek in Bodersweier, selbstständig gemacht. 

Schon vor seiner Zeit im Drops hatte Barbanera als DJ gearbeitet und sich einen guten Ruf erarbeitet, der ihm schließlich den Job in Goldscheuer bescherte. Barbanera legte dort nicht nur auf und regte den Dancefloor bei »Vamos a la playa« regelmäßig zum Mitsingen an, er war auch der Mann fürs Grobe: Als Elektriker kümmerte er sich um alles, was mit Strom und Kabeln zu tun hat. Ein Talent, das ihm beinahe zum Verhängnis geworden wäre: Von 1987 bis 1989 betrieb das Drops auch eine mobile Diskothek – »Drops unterwegs« hieß sie. Es war Winter, und es war dunkel draußen, als Barbanera 380 Volt durchzuckten und ihn 20 Meter weit durch die Luft schleuderten: »Meine Hand war ganz schwarz, und ich musste ins Krankenhaus«, erinnert sich der Allrounder. Vermutlich nur dank seines starken Herzens habe er den Stromschlag überlebt.

Dreimal die Woche war Barbanera auch bei »Radio Drops« auf Sendung. Dort moderierte er unter anderem in seiner Muttersprache: »Das war ein so großer Erfolg in der italienischen Gemeinde, dass mich sogar der Konsul eingeladen hat«, sagt Barbanera. An einem Abend habe er »locker 300 Anrufe« erhalten. Sagenhaft!

Wie so vielen, die damals in Goldscheuer ein und aus gingen, begegnete auch Mino Barbanera das private Glück im »Drops«: Dort nämlich lernte er – selbst noch als Gast unterwegs – seine heutige Frau Petra kennen. Beide lebten sie zusammen in einem ehemaligen Zoll-Gebäude auf dem Kopf-Areal. Das »Drops« hatte in späteren Jahren drei Dancefloors. Während sie im »Mini-Drops« an der Bar stand, legte er in der großen Disco auf.

Klar, gesteht Mino Barbanera, habe er im Mittelpunkt gestanden – auch des weiblichen Interesses. Aber Grund zur Eifersucht habe es nie gegeben: »Ich habe immer gewusst, wo mein Haus ist und meine Frau.« Heute haben Mino und Petra einen 26 Jahre alten Sohn und sind im Textilgroßhandel tätig. Das »Drops« ist Geschichte, geblieben sind die vielen Erinnerungen an eine tolle Zeit, die beider Leben verändert hat.

Guido Gegg

Guido Gegg hatte schon immer ein Auge für das Schöne, das Extravagante. Der gelernte Werbefotograf, der seit ein paar Jahren in Offenburg ein gut gehendes Studio betreibt, war im »Drops« als Choreograf tätig. Außerdem war er Roland Kopfs Mann für alles, was mit Deko zu tun hat.

Sein Gesicht bekamen die Disco-Jünger seltener zu sehen: Er verbarg es in der Regel hinter dem Visier eines Helmes – Teil eines Astronauten-Kostüms, in dem Gegg bei jeder Veranstaltung von der Decke schwebte. Das kultige Kostüm hat Gegg bis heute aufbewahrt, fein zusammengelegt in einer halbtransparenten Plastikbox. Für die Kehler Zeitung und ein Foto holt er es noch einmal aus dem Schrank. Ganz ehrfürchtig wirkt er dabei, schließlich hat Gegg den Astronauten selbst entworfen.

In seinen jungen Jahren war Gegg ein begeisterter Break Dancer. Mit seinen Jungs trat er vor Kopf auf, und der war ganz aus dem Häuschen: »Hey, ihr macht das gut. Wollt ihr nicht öfter auftreten?« – so ähnlich habe sich der Disco-Macher damals ausgedrückt. Es war der Beginn einer langen, intensiven Liebe. Über zehn Jahre hinweg war Gegg festes Mitglied des »Drops«-Teams.  Für seinen damaligen Chef, mit dem ihn auch heute noch eine innige Freundschaft verbindet, findet er nur gute Worte.

Ihm habe er viel zu verdanken, »Roland« habe erkannt, dass er, Guido, nicht nur tanzen, sondern auch gut organisieren kann, sagt der 51-jährige, der seit er 15 war und bis zu einem Arbeitsunfall als Hochtiefbauer bei der Bahn gearbeitet hatte. »Er hat Leute wie mich inspiriert, etwas aus ihrem Leben zu machen.« Und: »Roland hat den Geist von Ibiza hierher gebracht«, die deutsche Diskotheken-Szene geprägt wie kein Zweiter, lobt Guido Gegg das damalige Konzept aus Laser- und Tanzshows, Collosseum-artiger Anordnung der Tanzränge, mehreren Bars, mediterraner Außenfläche und natürlich den Raubtieren: »Der Löwe«, sagt Gegg, »war allgegenwärtig.« – Wie er selbst. »Es wäre schade darum, wenn ich die Zeit nicht erlebt hätte. Wir sind alle dadurch erwachsen geworden«, schließt Gegg. 

 

 

Mit einem Facebook-Post am 8. August kam die Geschichte von Martin Egg über die Disco Drops ins Rollen.

Autor:
Martin Egg

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