Ungewöhnliches Hobby

Kindheitstraum erfüllt: Daniela Nock hält Schafe

Autor: 
Florian Würth
Lesezeit 5 Minuten
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06. November 2015
Bei ihren Schafen findet Daniela Nock Ausgleich. Die Haltung ist aber auch ein anstrengendes Hobby.

(Bild 1/2) Bei ihren Schafen findet Daniela Nock Ausgleich. Die Haltung ist aber auch ein anstrengendes Hobby. ©Privat/DanielaNock

Kaum steigt Daniela Nock aus dem Auto aus und setzt einen Fuß auf den Feldweg, kommen die Schafe im Pulk angetrabt. Mit erwartungsvollen Blicken versammeln sich hinter dem elektrischen Zaun. Die Tiere erkennen ihre »Chefin« nicht nur an der Stimme, sondern auch am Geräusch ihres Autos. »Andere Autos ignorieren sie«, erzählt die Hobby-Schafhalterin.

Ihre kleine Schafherde ist ein Grund dafür, dass man die 43-Jährige in Hesselhurst kennt, schließlich hat nicht jeder solch ein Hobby. Und über die sympathisch-flauschigen Tiere kann man sich wunderbar unterhalten.

Beim Besuch der Kehler Zeitung auf der Wiese hinter dem Dorf sollen natürlich Fotos gemacht werden. Aber es kommt erst einmal alles anders. Alice, eine schwarze Schafdame, ist trächtig und drauf und dran, »abzulammen«, wie es so schön heißt. »Ist es jetzt etwa so weit?«, meint Daniela Nock. Tatsächlich, da ist schon etwas zu sehen. Die Tiere in der Herde sind unruhig und werden in die benachbarte Parzelle verfrachtet. Jetzt kann Alice in Ruhe gebären. Schon eine Viertelstunde später liegt ein kleines Lämmchen im Gras. Die Mutter schleckt es von oben bis unten ab. So trocknet das Fell schneller und es entsteht die besondere Mutter-Kind-Geruchsbeziehung, die ein Leben lang anhält.

 

Nachwuchs in der Schafherde von Daniela Nock

Einen Kindheitstraum erfüllt hat sich Daniela Nock: Die Hesselhursterin hält sich eine kleine Schafherde. Bei unserem Besuch wurde gerade ein kleines Lämmchen geboren - seht her:

Posted by Kehler Zeitung on Freitag, 6. November 2015

»Biestmilch« für ein stabiles Immunsystem

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Die nächste Stunde scheint wie im Zeitraffer zu vergehen. Das Lamm, anfangs kaum imstande, aufzustehen, probiert es immer wieder, und mit jedem Versuch klappt es ein bisschen besser. Kaum hat es seine ersten Schritte getan, geht es auf die Suche nach Mutters Zitzen. »Es ist sehr wichtig, dass es innerhalb der ersten 24 Stunden die Muttermilch trinkt«, erklärt die Schafhalterin. »Das ist für die Widerstandskraft und Entwicklung des Lamms von großer Bedeutung. Je früher das Lamm mit dem Saugen beginnt, desto mehr Schutzstoffe erhält es aus der sogenannten ›Biestmilch‹. Nur in den ersten 24 Stunden nach der Geburt können die Antikörper die Darmwand unverdaut passieren.« Bis zum nächsten Tag darf Alice nun allein mit ihrem Kleinen sein, bevor die anderen Artgenossen wieder hinzu kommen.

Daniela Nock ist hauptberuflich Mediengestalterin und arbeitet in Memprechtshofen. Sie stammt aus Friesenheim und ist vor 13 Jahren zusammen mit ihrem Partner in ein altes Fachwerkhaus in Hesselhurst gezogen. Die reinrassigen braunen Bergschafe, eine vom Aussterben bedrohte Art, züchtet sie seit etwa drei Jahren. Den Anstoß gab ihr eine Krebserkrankung. »Da habe ich viel über das Leben nachgedacht und darüber, was mir eigentlich Freude bereitet«, erzählt sie.  Sie erinnerte sich an ihre Kindheit und daran, dass sie zu Schafen schon immer eine besondere Verbindung gespürt hatte. »Schau dir an, was sie für eine Ruhe ausstrahlen.« Es sind nicht nur die Tiere an sich, die sie so sehr mag, sondern auch die Herde, das familiäre Verhalten untereinander.

Und plötzlich war Daniela Nock stolze Besitzerin von zehn Mutterschafen, die sie über das Internet gefunden hatte. Hinzu kam Bock Hermann, der bereitwillig die Aufgabe übernahm, für Nachwuchs zu sorgen.

Jeden Tag macht sich die Frühaufsteherin vor der Arbeit auf zur Koppel, um sich um ihre Tiere zu kümmern. Damit die Speisekarte nicht immer nur aus Gras besteht, gibt es auch mal Maiskolben, getrocknete Brennnesseln oder Laub von Bäumen, das besonders mineralstoffreich sein soll. Abends schaut die Züchterin noch einmal nach dem Rechten. Am Wochenende verbringt sie sogar fünf bis sechs Stunden auf der Wiese, um die Parzellen mit dem Zaun für die folgenden Tage neu abzustecken. So muss sie unter der Woche nur noch die Lücken zwischen den Bereichen öffnen, und die Tiere können sich auf frisches Gras stürzen.

Zweimal pro Jahr müssen die Schafe geschoren und je nach Bedarf mehrmals im Jahr ihre Klauen geschnitten werden. Die Zäune auf- und abbauen, dafür sorgen, dass die Tiere immer frisches Futter und Wasser haben, auch wenn es einem nicht so gut geht oder man wenig Zeit hat – die Schafhaltung kann richtig harte Arbeit sein. »Am Anfang habe ich das unterschätzt«, erzählt Daniela Nock. Es floss so  manche Träne, und es stand auch zur Diskussion, wieder aufzuhören, weil die Belastung sehr groß war. Mittlerweile ist so manches zur Routine geworden, aber es ist immer noch Hilfe erforderlich. »Ohne die tolle Unterstützung von meinem Lebenspartner und von Hesselhurster Bürgern  könnte ich mein Schafprojekt nicht realisieren«, betont sie.

Dickes Fell trotzt Minusgraden

Auch wenn dieses Hobby mitunter mühsam ist – es lohnt sich. »Die frische Luft tut mir richtig gut«, sagt Daniela Nock. »Früher war ich ständig erkältet, jetzt trotzt mein Immunsystem Wind und Wetter.« Das ist genau das, was ihr die Ärzte nach ihrer schweren Krankheit empfohlen haben. Die Schafherde ist der perfekte Ausgleich zur Arbeit im Büro. Es ist, als ob die Bergschafe etwas von ihrer Wetterfestigkeit abgäben: Bis zu minus 20 Grad Celsius halten sie theoretisch im Freien aus, wobei sie einen Unterstand bekommen, wenn es Winter wird. Daniela Nock ist glücklich mit ihren wolligen Tieren: »Meine Schafe geben mir  Lebensfreude, bringen mich zum Lachen und machen mir immer wieder Mut, nach vorne zu schauen.«

Hintergrund

Braunes Bergschaf

Braune Schafe sind auf deutschen Wiesen eine Seltenheit geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde weiße Wolle immer begehrter, weil sie besser zu färben ist. Die braunen Bergschafe, die Daniela Nock hält, stammen vom Steinschaf ab, das früher in Bayern und Tirol beheimatet war. In Deutschland soll es nur noch rund 1000 registrierte Exemplare des braunen Bergschafs geben. Hier zählt es zu den stark gefährdeten Schafrassen.

Das braune Bergschaf mit seinen langen herunterhängenden Ohren ist robust und wetterfest. Die grobe und lange Wolle lässt den Regen kaum auf die Haut. Das Lanolin, ein Sekret aus den Talgdrüsen, schützt es vor dem Nasswerden. Die Rasse zeichnet sich durch gute Muttereigenschaften aus. Die Mutterschafe sind ganzjährig paarungsbereit und ziehen in der Mehrzahl zwei Lämmer auf. 

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