Kehl

Das Kehler Hallenbad wird zur Wintersaison geschlossen

Autor: 
Martin Egg
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17. März 2017
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Seit Beginn der Badesaison schützen Netze unterhalb der Hallenbaddecke die Schwimmer vor herunterfallenden Teilen. ©Stadt Kehl

Keine gute Nachricht für alle Schwimmfreunde: Das Kehler Hallenbad wird nach Ende dieser Saison geschlossen – auf unbestimmte Zeit. Darüber informierte die Stadtverwaltung am Mittwochabend die Kehler Gemeinderäte. Grund: die Sicherheit der Badegäste.

Zum zweiten Mal in seiner Amtszeit ist Kehls Oberbürgermeister Toni Vetrano (CDU) gezwungen, die sprichwörtliche »Reißleine« zu ziehen. Diesmal betroffen: das marode Hallenbad: Es könne »zur nächsten Wintersaison nicht mehr öffnen« und werde »auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben«, erklärte die Kehler Stadtverwaltung am Donnerstagabend überraschend in einer Pressemitteilung, nachdem Vetrano die Schließung der Einrichtung am Mittwochabend im Gemeinderat unter Ausschluss der Öffentlichkeit bekanntgegeben hatte.

Wie bereits berichtet, konnte das Hallenbad im Herbst nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in die Saison 2016/2017 starten: Netze unterhalb der Hallendecke schützen die Schwimmer seither vor bis zu 25 Kilogramm schweren, herunterfallenden Teilen. Der Hintergrund: In die Sigorex-Platten (Poren-Beton) war Wasser eingedrungen, sodass sie eine zusätzliche Last tragen mussten. Und der winterliche Frost und der Schnee haben alles nur noch schlimmer gemacht, erklärt die Stadtverwaltung, dadurch habe sich der Zustand des Daches weiter verschlechtert. 

 

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Wie der Leiter des Gebäudemanagements am Mittwochabend den Gemeinderäten berichtete, sei noch mehr Wasser in das Dach gesickert, bereits auf der Dachfläche stehendes Wasser fließe nicht mehr ab. Ein mit der Prüfung der Tragfähigkeit beauftragter Statiker habe daraufhin vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass aus seiner Sicht der Badebetrieb in der nächsten Wintersaison nicht mehr aufrecht erhalten werden könne, weil das Sicherheitsnetz den Schutz der Badegäste nicht mehr gewährleisten könne. Außerdem seien durch die mit Chlorgas angereicherte Hallenbadluft das Stahl in den Deckenträgern besonders stark von Korrosion betroffen.  Bis zum geplanten Ende der Hallenbadsaison am 23. April könne der Betrieb allerdings noch weiterlaufen: »Ich kann Ihnen mitteilen, dass gegen den Betrieb des Bades bis zu dem genannten Datum keine Einwände bestehen!«, zitiert die Stadtverwaltung den Statiker. In seiner Sitzung im Mai soll sich der Gemeinderat nun mit der aktuellen Situation der Bäder und einer Bäderkonzeption beschäftigen, heißt es. 

Völlig überraschend kommt die Schließung des Bades laut dem OB nicht: »Ich habe im September bereits mitgeteilt, dass wir das Hallenbaddach sanieren müssen und habe damals schon gesagt, dass es ein weiteres Jahr mit diesen Netzen nicht packt«, so Vetrano am Freitag auf Anfrage der Kehler Zeitung. »Eine Große Kreisstadt wie die Stadt Kehl hat die Verpflichtung, ein Hallenbad zur Verfügung zu stellen, aber Sicherheit hat für mich die höchste Priorität«, einen weiteren Hallenbadbetrieb könne er deshalb nicht verantworten. »Aber selbstverständlich ist mir klar, dass das für Unmut sorgen wird«, betonte der OB. Reparatur oder Neubau etwa in Form eines Ganzjahresbades? »Wir brauchen erst belastbare Zahlen. Aber ich glaube, wir sollten uns alle Optionen offenhalten«, so Vetrano. In die Bäderdebatte wolle er auch die Kehler Bevölkerung miteinbeziehen; sicher sei, dass eine Entscheidung nicht auf den »Sankt-Nimmerleinstag« hinausgeschoben werden könne.  

Kommentar

Schließung zur Un-Zeit

Dass das Kehler Hallenbad keine Zukunft mehr hat, war kein Geheimnis. Die in den vergangenen Jahren an dem maroden Zuschussbetrieb vorgenommene Flickschusterei war ohnehin nicht dazu geeignet, mehr Gäste fürs Schwimmen zu begeistern. Dennoch kommt das Ende nun recht abrupt. Schwimmvereine, Schulen und all diejenigen, die dort jahrzehntelang ihre morgendlichen Runden zogen, müssen sich nun neu orientieren.   Es wäre gut gewesen, die Betroffenen im Vorfeld schon in die Bäderdiskussion miteinzubeziehen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Stattdessen kommuniziert die Stadt die Schließung jetzt zur absoluten Un-Zeit: Für die Tram ist Geld da, sagen viele Kehler, nur nicht für uns! Diese Stimmen werden jetzt noch lauter werden.
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