Das waren noch Zeiten

Am 9. September wäre das "Drops" 35 Jahre alt geworden

Autor: 
Martin Egg
Lesezeit 4 Minuten
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08. September 2016
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(Bild 1/5) Wenn es ums »Drops« geht, kommt Roland Kopf ins Schwärmen: Der Vater der »Superdisco« deutet an die Stelle, an der früher die »Superdisco« gestanden hatte. Heute befindet sich dort nur noch ein Einkaufszentrum mit Supermarkt und Drogeriemarkt. Auf dem Parkplatz stand außerdem ein alter Eisenbahnspeisewagen, der einem Lidl-Lebensmittelmarkt weichen musste. Seit einem schweren Unfall sitzt der ehemalige Deutsche Motorradmeister in der 250-ccm-Klasse Roland Kopf im Rollstuhl. ©Martin Egg

Ist das lange her! Vor 35 Jahren, am 9. September 1981, eröffnete in Goldscheuer mit dem »Drops« eine der größten und modernsten Diskotheken Deutschlands. Disco-Macher Roland Kopf erinnert an die wechselvolle Geschichte des Tanz-Palasts.

Die Frauen trugen Dauerwellen und Schulterpolster, die Männer Schnurrbärte und Röhrenjeans. Raucherecken gab’s noch nicht, gequalmt wurde direkt unter dem bonbonfarbenen Licht der Scheinwerfer und Laser mitten auf der Tanzfläche. So war das damals. Gegen den Durst half »Asbach gedopt«, denn stickig und heiß war es im »Drops«, das sich selbstbewusst den Beinamen »Super-Disco« verpasst hatte und heute seinen 35. Geburtstag feiern würde. 

An guten Tagen in den 1980er-Jahren, wenn »Sandra« ihre »Maria Magdalena« besang, oder in den 1990er, als DJ Bobo, Haddaway und Culture Beat mit Euro-Pop einheizten, wurde es richtig eng auf der Tanzfläche und auf dem Parkplatz zwischen dem »Shop 2000« und einem alten, zum »Speisewagen« umfunktionierten Eisenbahnwagon: Dann fieberten am Ortsrand von Goldscheuer bis zu 2500 Menschen unter dem Disco-Dach, und die Autos der Besucher – viele von ihnen mit Fremdkennzeichen – standen entlang des Wirtschaftswegs bis nach Marlen hinein. 

Das »Drops« war sogar »On Air«, »Commander Tom« und andere legendäre DJs sendeten auf 107,7 Mhz, der Frequenz eines ehemaligen Straßburger Piratensenders, bis hinauf nach Nordbaden. Mit Sonderbussen seien die Diskothekenbesucher seinerzeit von Karlsruhe aus nach Goldscheuer gebracht worden, erinnert sich Roland Kopf. Dem 60-jährigen ehemaligen Deutschen Motorradmeister, der seit einem Unfall 1980 auf dem Nürburgring im Rollstuhl sitzt, gehörte die Diskothek. 

Der Löwe ist los 

Mitte der 1980er-Jahre sorgte die Kult-Disco bundesweit für Schlagzeilen, als »Pascha« ausbüxte – das tat er nicht zum ersten Mal, erinnert sich Kopf an den Löwen, der von seinem Vater Helmut aufgezogen worden war und zusammen mit dem Tiger »Amor« die heimliche Attraktion des »Drops« darstellte. Die Freiheitsliebe bezahlte »Pascha« allerdings am Ende mit seinem Leben: Er wurde von einem Beamten des Kehler Polizeireviers erlegt, und »Amor« kam in einen Zoo. »Das hat meinem Vater das Genick gebrochen«, sagt Roland Kopf, der findet, dass die Art der Tierhaltung »damals schon grenzwertig« gewesen sei.

 

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Tipp: Morgen, Samstag, gibt’s zwischen 10 und 12 Uhr ein Hitradio-Ohr-Special zu »35 Jahre Drops«. Uwe Carsten interviewt den ersten DJ des »Drops« sowie Roland Kopf.

 

Bald darauf schloss das »Drops« zum ersten Mal, ein fremder Betreiber machte daraus die »Rockfabrik«, die allerdings nicht lange Bestand hatte; genauso wenig das »Lambda«, das Anfang der 1990er-Jahre den durchaus mutigen, wenngleich erfolglosen Versuch darstellte, einen Club für Schwule und Lesben im ländlich geprägten Raum zu etablieren.

In den 1990er-Jahren dann stieg das »Drops« wie Phönix aus der Asche: »In einer Gemeinschaftsaktion haben wir alles umgebaut«, erinnert sich Roland Kopf. Ein knappes Jahrzehnt ging das gut. Kurz vor der Millenniumswende war dann aber endgültig Schluss. 

Dass sich der Diskothekenbetrieb für ihn nicht mehr rechnete, dafür macht Helmut Kopf viele Faktoren verantwortlich: Der Wandel sei durch die Techno-Welle gekommen, auch das Ausgehverhalten habe sich geändert: War die Tanzfläche in den 1980er-Jahren bereits nach 21 Uhr gefüllt, warteten DJ und Barkeeper später immer länger auf die Gäste. Auch die Entwicklung hin zu einer multikulturellen, stärker mit Konflikten aufgeladenen Gesellschaft, glaubt Kopf, habe dem Geschäft geschadet: »Als wir Anfang der Achtziger aufmachten, brauchten wir noch keine Security.« Gegen Ende der »Drops«-Ära beobachtete er immer häufiger Schlägereien auf dem Parkplatz.

Heute steht dort, wo früher das »Drops« war, ein riesiger Rewe-Supermarkt. Zum Kopf-Areal gehört neben einer Tankstelle und einem Nacht-Club außerdem ein Discounter des Lidl-Konzerns. Auch den »Speisewagen« gibt es nicht mehr. Was vom »Drops« übrig blieb, sind die vielen Erinnerungen der »Drops«-Veteranen, die sich hin und wieder – wie zuletzt in der Goldscheuerer Sportfreundehalle und in Schutterwald – zu Revival-Partys zusammenfinden. Dort wird dem Ruhm vergangener Zeiten gehuldigt.

 

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