Kehl

Der suspendierte Rathaus-Chef

Autor: 
Hans-Jürgen Walter
Lesezeit 2 Minuten
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04. Dezember 2013
Bürgermeister Ernst Marcello war einst sehr umstritten in Kehl.

Bürgermeister Ernst Marcello war einst sehr umstritten in Kehl. ©Archivfoto

Seit 1951 hat es in Kehl vier Rathaus-Chefs gegeben. Eine Frau ist in dieser »Galerie« noch nicht dabei. Seit 1975 ist das Kehler Rathaus ein »Rot-Haus«, die zwei Amtsinhaber seither gehören der SPD an. Am 2. Februar werden die Karten neu gemischt. OB Petry tritt nicht mehr an.  Wir schauen in einer Mini-Serie zurück. Wie sind die Verwaltungs-Chefs seit den 50ern ins Amt gewählt worden?

Es keimte Hoffnung in der nach Krieg, Evakuierung und Besatzung wieder erwachenden Stadt Kehl. Am 4. Juli 1951 wurde mit Ernst Marcello der erste Kehler Nachkriegs-Bürgermeister für neun Jahre gewählt – damals noch vom Gemeinderat. Vorgeschlagen worden war der Regierungsrat vom badischen Innenministerium, in dem Marcello beschäftigt gewesen ist. Optimismus und Euphorie schlugen bald in Missstimmung um über den – wie sich im Laufe der Zeit herausstellen sollte – ebenso streitbaren wie umstrittenen Bürgermeister, der suspendiert, wieder ins Amt und wieder suspendiert worden war.

Zum 11. April 1958 kam der damalige 38-jährige Oberregierungsrat Trudpert Müller als Regierungskommissar nach Kehl, um die Bürgermeistergeschäfte wahrzunehmen. Das Dienstaufsichtsprozedere gegen Marcello wiederholte sich. Dieses war noch nicht entschieden, als am 12. Juni 1960, offizielles Ende der Marcello-Amtsperiode, ein neuer Bürgermeister gewählt wurde. Angetreten zu dieser Wahl war der Staatsbeauftragte Trudpert Müller. Aber auch Marcello stellte sich – wie zwei weitere Mitbewerber – dem Wählervotum. Zwar wurde Müller im ersten Wahlgang mit 58,1 Prozent der Stimmen gewählt. Doch immerhin ein Drittel der Wähler hatte bei Marcello das Kreuzchen gemacht.

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Trudpert Müller, dessen Markenzeichen ein verbindlich-verschmitztes Lächeln gewesen ist, ging mit Elan und Geschick ans Werk. Der versierte Taktiker verstand es wie kaum ein anderer zu überzeugen. Hart in der Sache, doch liebenswert menschlich in der Art, das verhalf ihm zu Respekt und Anerkennung. Kein Wunder also, dass dem CDU-Mitglied die Kehler 1968 erneut für eine zweite Amtsperiode das Vertrauen schenkten. In diese Zeit fällt die Eingemeindung, in der Trudpert Müller die heutige Stadt Kehl formte und die ihn mit dem Zusammenschluss mit Goldscheuer zum 1. Januar 1972 und dem damit verbundenen Erreichen der dafür erforderlichen Einwohnerzahl von über 20 000 zum Oberbürgermeister machte.

Am 31. Dezember 1974 war Trudpert Müllers letzter Tag als Kehler Oberbürgermeister. Er wechselte als Regierungspräsident von Nordbaden nach Karlsruhe. Zwei Jahre vor Ablauf seiner Amtszeit wurde eine Neuwahl für die Besetzung des Chefsessels im Kehler Rathaus fällig.

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