Harry-Potter-Übersetzer

In Kehl zu Gast: Dieser Mann hat Harry Potter übersetzt

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 3 Minuten
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22. November 2019

Klaus Fritz, der Übersetzer der Harry-Potter-Bände, gab am Donnerstag einen Einblick in seine Arbeit. ©Nina Saam

Am Donnerstag war im Rahmen der 12. Baden-Württembergischen Übersetzertage der Übersetzer Klaus Fritz im Einstein-Gymnasium zu Gast, der die weltberühmte Fantasy-Serie „Harry Potter“ ins Deutsche übersetzt hat. 

 Ersonnen hat die Saga um den Zauberlehrling Harry Potter die britische Autorin Joanne K. Rowling. Doch wer eines der über 30 Millionen deutschen Bücher der Serie gelesen hat, dem erschloss sich die Harry-Potter-Welt durch die Übersetzung von Klaus Fritz, der im Medienzentrum des „Einstein“ etwa 50 Schülern einen interessanten Einblick in seine Tätigkeit gab. 

Nicht erst seit Günther Oettingers berühmtem „We are all sitting in one boat“ weiß man, dass Übersetzen eine knifflige Sache sein kann.

Klaus Fritz, der alle Bände der Erfolgssaga aus dem Englischen übertragen hat, hatte bei seinem Vortrag im „Einstein“ einige Beispiele im Gepäck – und zeigte daran auf, dass bei allem Fortschritt ein menschlicher Übersetzer einem technikbasierten Translator haushoch überlegen ist, wenn es um sprachliche Bilder und poetische Neuschöpfungen geht.

So ist das englische Idiom „It’s raining cats and dogs“ eine alltägliche Redewendung, die mit Katzen und Hunden nichts zu tun hat und unserem „es schüttet wie aus Kübeln“ entspricht. „Würde man hier wortwörtlich übersetzen, würde man den Text an dieser Stelle „interessanter“ machen, als er ist“, sagte Klaus Fritz. „Banales muss aber auch banal übersetzt werden.“ Deshalb müsse ein literarischer Übersetzer immer den Kontext betrachten. 

Dasselbe gilt für Wort-Neuschöpfungen: Hier muss der Übersetzer selbst zum Dichter werden, um eine passende Entsprechung zu finden.

Rowlings „please-men“, die einem „Verhörer“ des Wortes „policemen“ zugrunde liegen, übersetzte er mit „Blitzisten“, aus escapators (escalators) machte Klaus Fritz „Trolltreppen“. „Nur ein menschlicher Übersetzer kann erkennen, dass hier etwas Neues in die Welt tritt, und den Effekt nachbilden“, sagte er. „Das kann ein Computerprogramm nicht.“ 

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Grundsätzlich gilt bei einer literarischen Übersetzung: Nichts weglassen, nichts hinzufügen und nichts zusammenfassen. Aber auch der Stil des Autors und die Zielgruppe spielen eine wichtige Rolle.

„Als Englisch-Übersetzer kann ich auf das Vorwissen der Leser zurückgreifen“, erläuterte Klaus Fritz. Jeder kenne die typischen britischen Elemente, die schon in Schulbüchern zu finden sind. So konnte er auch die englischen Eigennamen beibehalten, um die „britische Atmosphäre“ der Geschichte zu bewahren. 

Im Anschluss stellte sich Klaus Fritz den Fragen der interessierten Schüler und plauderte aus dem Nähkästchen. So erfuhren sie, dass es neben der englischen auch eine amerikanische Ausgabe gibt, dass die deutsche Übersetzung etwa 30 Prozent länger ist als der englische Text und dass es bei Neuauflagen immer wieder zu Anpassungen bei der Übersetzung kommt.

Zehn Jahre Harry Potter

Klaus Fritz hat in Berlin Philosophie und Sozialwissenschaften studiert und arbeitete als Quereinsteiger bei einer Übersetzer-Agentur, wo er 1997 das Manuskript des ersten Harry-Potter-Bandes auf den Tisch bekam – und nach einer Probeübersetzung den Zuschlag erhielt. Über zehn Jahre hinweg beschäftigte sich der 61-Jährige mit der Hogwarts-Welt, für einen der dicken Bände brauchte er etwa drei bis vier Monate.

Damit die deutschen Erscheinungstermine möglichst zeitnah an den Veröffentlichungen der Originalbände lagen, bekam er unter Geheimhaltung die Manuskripte schon vorab, die er persönlich in London abholte.

„Es ist ein Glücksfall, einen solchen Auftrag zu bekommen“, sagte er. „Anfangs war das ein unbekanntes Kinderbuch, keiner wusste, was daraus werden würde.“

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