Serie 50 Jahre Kehler Messdi (2/7)

Die Handwerker – ein Messdi-Magnet

Autor: 
Hans-Jürgen Walter
Lesezeit 5 Minuten
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17. April 2021
Oberbürgermeister Detelv Prößdorf (Zweiter von links) lässt sich beim Messe-Rundgang von einem Aussteller die Präsentation erklären, begleitet von (von rechts nach links) Einzelhandels-Vorsitzender Rudolf Schütterle, Bürgermeister Ulrich Mentz und Bezirkshandwerksmeister Alois Stalinski. 

(Bild 1/2) Oberbürgermeister Detelv Prößdorf (Zweiter von links) lässt sich beim Messe-Rundgang von einem Aussteller die Präsentation erklären, begleitet von (von rechts nach links) Einzelhandels-Vorsitzender Rudolf Schütterle, Bürgermeister Ulrich Mentz und Bezirkshandwerksmeister Alois Stalinski.  ©Erwin Lang

Wir blicken auf fünf Jahrzehnte Kehler Messdi zurück. Fünf Jahrzehnte voller lustiger und spannender Geschichten rund um die beliebte Veranstaltung.

Vom 13. bis 16. Mai hätte der 50. Geburtstag des Kehler Messdi gefeiert werden sollen. Doch wie schon im Vorjahr kann auch 2021 das „Fest der Feste“ der Kehler nicht stattfinden. Wegen der Corona-Pandemie. Wir lassen Messdi-Erinnerungen wach werden. Heute: Die Handwerker.

Als Ruheoase im Messdi-Trubel – so wird das Handwerkerzelt insbesondere am Standort bei der Falkenhausenschule von vielen empfunden: „Es wurde immer gut angenommen, da war immer was los“, resümiert in einem Rückblick Alois Stalinski. 15 Jahre organisiert der Bezirkshandwerksmeister mit seiner Familie und Bekannten die Bewirtung und das Programm. 1988 zum letzten Mal. Dann gibt der damals fast 70-Jährige das arbeitsintensive Messdi-Hobby auf. Das bedeutet gleichzeitig das Ende der Handwerker auf dem Messdi.

Abseits des Trubels

Seit 1974 sind die Handwerker beim Messdi dabei gewesen. Kehl feiert in jenem Jahr das 200-Jährige der Verleihung der Stadtrechte. Deshalb sollte der Messdi ein besonderer sein. Die Offerte mitzuwirken, wird von den Handwerkern gerne angenommen. Die Idee einer Handwerker-Leistungsschau wird in die Tat umgesetzt. Von Anfang an ist klar, dass den Ausstellungsbesuchern auch Bewirtung geboten werden sollte. Als Ort für die Präsentation der Handwerksbetriebe wird die Turnhalle der Falkenhausenschule gewählt. Der Schulhof bietet sich an, eine Zelt aufzustellen: das Handwerkerzelt. Fortan ist es eine Art Magnet für diejenigen, die sich einmal etwas Abseits des Messdi-Trubels bei einem gemütlichen Viertele unterhalten wollen.

Ganze zehn Tage dauert die Präsenz der Handwerker bei ihrer Messdi-Premiere im Jahr des Stadtjubiläums. Und ursprünglich ist sie auch nur für dieses eine Mal geplant gewesen. Doch es kommt anders. Wie beim Messdi selber, der ursprünglich lediglich für die Montmorency-Tage 1971 vorgesehen ist und des Erfolges wegen zur Dauereinrichtung wird, wird auch die Handwerker-Schau aufgrund der positiven Resonanz in den Folgejahren wiederholt.

„Die Handwerker sind Frühaufsteher“, berichtet die Kehler Zeitung ihren Lesern. Denn schon vor Messdi-Gottesdienst und Fassanstich am ersten Festtag wird die Leistungsschau eröffnet. Sie ist Demonstration für Qualifikation, Vielseitigkeit, Tatkraft und Tüchtigkeit der Handwerksbetriebe in Kehl und im Hanauerland. Das beeindruckt die Besucher immer wieder aufs Neue bei ihrem Rundgang.

Auch die von den Handwerkern gegründete IKK (Innungs-Krankenkasse) ist vertreten. Sie hat einen Gesundheitsstand aufgebaut. Dort unterzieht sich beispielsweise 1977 der damalige Oberbürgermeister Detlev Prößdorf einem Fitness-Test. Kräftig tritt das Stadtoberhaupt in die Pedale. Was die Messgeräte anzeigen, kann sich sehen lassen. Eines wird in der Zeitung verraten: Ruhe-Puls 65. Der Kommentar des IKK-Vertreters: „Ein sehr guter Wert!“

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Gute Werte gibt‘s auch von den Besuchern für die interessante und informative Präsentation. Und für das Handwerkerzelt, in dem jedoch nicht nur gegessen und getrunken wird. Man erhält Einblicke in die verschiedenen Berufe. Und es gibt Tipps. Bei „Hausfrauen-Nachmittagen“ beispielsweise verraten Bäcker und Metzger Kniffe und Tricks, wie Käsekuchen nicht zusammenfällt oder wie Fleisch richtig entbeint und gebraten wird. Auch Elektriker, Klempner, Maler oder Schreiner geben nützliche Hinweise.

Beliebte Modenschau

Stehen Information, Kontaktpflege und das Gespräch miteinander bei den Handwerkern zwar im Vordergrund, so gibt es doch wohldosierte Programm-Highlights. Wie die bereits erwähnten Vorführungen der einzelnen Berufe. Oder ganz besonders die Modenschauen des Schneiderhandwerks. Sie entwickeln sich zur Messdi-Attraktion. In erster Linie wird individuelle Mode gezeigt. Kein Wunder, denn die Modelle aus dem Modeatelier Alois Stalinski, Maßatelier Zimmer (Auenheim) und der Herren-Maßschneiderei Fritz Hauns sind direkt auf ihre zukünftigen Trägerinnen und Träger zugeschnitten.

Damit sich das Mode-Karussell beim Handwerk beschwingt dreht, liefert das Intertanz-Duo von Kurt Stiefel die passende Musik. Dieses Duett unterhält im Handwerkerzelt auch beim Früh- oder Dämmerschoppen. Und es begleitet die Molly-Sisters, deren Auftritte gewichtige Argumente für eine Stippvisite bei den Handwerkern sind. Gisela Franke, Hannel Hoffmann und Erika Mäurer sind nicht nur optische Hingucker. Auch mit ihren gesanglichen Darbietungen und ihrem sympathischen Wesen erobern sie die Herzen ihrer Zuschauer im Sturm.

Für die Leistungsschau erweist sich die Schul-Turnhalle als zu klein. Die Handwerker beschließen einen Umzug in die Stadthalle, in der man sich 1980 und 1981 der Öffentlichkeit präsentiert. Ein Ortswechsel mit Folgen: Die Vertrautheit in der gediegenen Falkenhausenhalle wird offenbar ebenso vermisst wie die Einheit, die Ausstellung und Zelt bisher auf dem Schulgelände gebildet haben. Nach dem Messdi 1981 wird gar der komplette Rückzug der Handwerker vom Stadtfest überlegt. Die Umgestaltung des Marktplatzes in jenem Jahr mit dem neuen Standort für die Messdi-Kulturbühne eröffnet jedoch die Möglichkeit, das Handwerkerzelt künftig dort aufzuschlagen. Ohne Ausstellung. Die erlebt einmal noch eine Neuauflage, wieder in der Stadthalle: 1995 im Jahr des 20-jährigen Bestehen des BdS-Ortsverbands (Bund der Selbstständigen).

Ort der Geselligkeit

Das Handwerkerzelt wird ab 1982 auf dem Marktplatz zu einer eigenständigen Institution im Messdi-Geschehen. Ein Ort der Geselligkeit, der Begegnungen, des fröhliches Beisammenseins ist angesagt. Vom Handwerkerzelt aus lassen sich die Darbietungen auf der Messdi-Bühne gut verfolgen. Wenige, spezielle Angebote der Handwerker gibt es dennoch: 1983 wird von Metzger Kurt König der größte Fleischkäse gebacken, den Kehl je gesehen hat. 2,20 mal 1,10 Meter und rund viereinhalb Zentner schwer, ergibt er etwa 1000 Portionen. Sie werden zugunsten des „Festivals der guten Taten“ verkauft, das Kehl seinerzeit das ganze Jahr über für die „Aktion Sorgenkind“ ausrichtet. Zwei Jahre später haben neun angehende Schreiner mit ihrer Werkstatt im Handwerkerzelt ihren gelungenen Auftritt.

Der Messdi-Auftritt der Handwerker endet nach 15 Jahren. An ihrer Stelle bauen beim 19. Messdi im Jahr 1989 die Spanier ihr Zelt auf dem Marktplatz auf.

Info

Erinnerungen gesucht

Welche Erinnerungen haben Sie an den Messdi? Schreiben Sie uns eine Mail an lokales.kehl@reiff.de (Stichwort Messdi) und erzählen Sie uns Ihre Geschichte rund um den Kehler Messdi. Und wenn Sie wollen, garnieren Sie diese gerne mit Bildern. Die besten Geschichten und Fotos veröffentlichen wir in der Zeitung.

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