Blues, Boogie und Rockabilly

Die Jersey Julie Band gibt im »Hafen 17« mächtig Gas

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 3 Minuten
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07. Dezember 2017
Jersey Julie und ihre französischen Musiker begeisterten im »Hafen 17«.

Jersey Julie und ihre französischen Musiker begeisterten im »Hafen 17«. ©Michael Müller

Da wurde das »alte Amerika« wieder lebendig: Die Jersey Julie Band spielte am Montag im »Hafen 17« in Kehl gut zweieinhalb Stunden lang guten alten Blues, Boogie und Rockabilly – mit einer Energie, wie man sie heute kaum noch erleben kann.

»Manchmal fühle ich mich, als käme ich aus einer anderen Welt«, sagt Jersey Julie über sich. Und da ist was dran. Gewiss: Je älter man wird, desto mehr neigt man dazu, die vergangenen Jahre zu verklären – aber seien wir mal ehrlich: Die Musik-Szene ist heute ärmer geworden. Das Radio ist weitgehend zum Dudelfunk verkommen – echte Entdeckungen, die dem Hörer ein Aha-Erlebnis bescheren, gibt’s heute kaum noch. Und die verzweifelte Suche nach neuen Talenten wird zum Medien-Hype aufgebrezelt, wo die äußere Fassade stimmen muss, wo es aufs hochglanztitel-taugliche Image ankommt – und nicht auf künstlerische Substanz und Individualität.

Jersey Julie ist die komplette Antithese zu den heutigen »Pop-Stars«: kein Glamour-Girl mit Strahle-Lächeln und fitness-center-gestähltem Astralleib, sondern ein Pummelchen von vielleicht knapp einssechzig, mit ein paar Pfund zuviel auf den Rippen – aber einem ganzen Hummelnest im Hintern und einer ungemein sympathischen Ausstrahlung. Sie tut nicht, was ihr irgendwelche Marketing-Fritzen einflüstern, dass es gut fürs Image wäre, sondern sie ist komplett sie selbst – ein Energiebündel, das jeden Takt, jede Note ihrer Musik in sich aufsaugt und mit jeder Faser ihres Körpers mitlebt, die total aufgeht in dem, was sie macht – und die darauf setzt, dass sich diese Energie auch auf ihr Publikum überträgt. 

Verschiedene musikalische Einflüsse

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Aufgewachsen ist sie – der Name deutet es schon an – in New Jersey an der US-Ostküste, doch ein Zweig ihrer Familie reicht in den Süden der USA. Dadurch wurde sie nicht nur durch die New Yorker Jazz- und Broadway-Szene geprägt, sondern auch maßgeblich von Südstaaten-Klängen beeinflusst – Blues, Country, Rockabilly, Gospel und allem, was man gemeinhin unter »Americana« subsumiert. 2009 lernte sie den französischen Gitarristen Olivier Mas kennen, mit dem sie inzwischen auch verheiratet ist und in der Nähe von Montpellier im Süden Frankreichs lebt. Mit ihm formte sie die Jersey Julie Band. Ihr Auftritt am Montag im »Hafen 17« in Kehl war einer der letzten einer ausgiebigen Acht-Wochen-Tour, die sie kreuz und quer durch Europa führte – zu Festivals, aber auch Auftritten in kleinen Clubs und Kneipen.

Neben ihrem Mann hatte sie noch den Pianisten Christian Bénard mitgebracht, der sowohl für den wiegenden Rhythmus zuständig war als auch immer wieder hämmernde Honky-Tonk-Soli einstreute. Und es ist schon erstaunlich, wieviel hypnotische Energie so eine kleine Besetzung entfalten kann. Da wurde nichts aufpoliert – die Musik klang wunderbar »alt« und warm, das rumpelte, dampfte und groovte, dass es eine Lust war. Zusammen mit Olivier Mas‘ stoisch rumorender Gitarrenarbeit und Julies fiebrigem Gesang und ihrem unkonventionellen, herrlich schlierigen Saxofon-Spiel ergab das eine hochinfektiöse Melange, die besonders im zweiten Teil immer nachdrücklicher zündete.

Mit einer von ausgiebigen Instrumental-Improvisationen veredelten Version des Neville-Brothers-Klassikers »Fiyo On the Bayou« endete ein Konzert, das eine echte Entdeckung war. Schön, dass man so etwas heute noch erleben darf.

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