Nachruf auf Eva "Evi" Schertel

Kehlerin Eva Schertel ist mit 88 Jahren gestorben

Autor: 
Redaktion
Lesezeit 3 Minuten
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14. Juli 2020

Eva „Evi“ Schertel ist mit 88 Jahren gestorben. ©Privat

Genau 100 Personen nahmen am Samstag bei einer Trauerfeier Abschied von Eva „Evi“ Schertel. Wären die Corona-Vorschriften nicht gewesen, hätten ihr noch viel mehr ein letztes Lebewohl gesagt.

Das herzliche Lachen, die Lebensfreude. Ansteckend war das, schön war das. So erzählen es alle, die sich an die kürzlich verstorbene Kehlerin Eva Schertel (geb. Erhardt) erinnern, und das sind sehr viele.

Zwei Jahrzehnte war „Evi“ die beliebte Geschäftsführerin des Kinderladens „Alles für‘s Kind“ in der Hauptstraße 28. Als Evi selbst noch ein Kind ist, will sie Schneiderin werden – doch der Familienbetrieb geht vor. Im „Möbel Erhardt“ ihres Vaters packt sie mit an. Im November 1944, da ist Evi 12 Jahre alt, wird Kehl evakuiert. Die Erhardts fliehen bei strömendem Regen, in der Ferne donnert die Artillerie der Front. Als die Familie Jahre später zurückkehrt, ist die Stadt zerstört. Aus einer Baracke heraus verkaufen die Erhardts Gardinen und Möbel an die zurückkehrenden Kehler, damit ihre Häuser, wenn sie denn noch stehen, wieder zum Zuhause werden können.

In den Jahren darauf wächst das Geschäft und Evi zu einer hübschen Frau mit blonden Haaren und leuchtenden blauen Augen heran. Mit 26 Jahren heiratet sie ihre erste Liebe Hansjörg Schertel. Evi tauscht Möbelgeschäft gegen die Bäckerei ihres Mannes ein, ein paar Häuser weiter auf der Kehler Hauptstraße. Bald darauf kommt ihr Sohn Andreas zur Welt, vier Jahre später Tochter Kirsten und weitere sieben Jahre danach, da ist Evi schon 38, Nachzügler Philipp.

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Evi liebt das Reisen, für nichts anderes spart sie. Sie macht Kreuzfahrten nach Dubai, zum nördlichen Polarkreis oder zu den griechischen Inseln. „Ich war sechsmal in Istanbul, aber nur einmal in Berlin“ sagt sie. Überall lernt sie Menschen kennen, oft ohne ihre Sprache zu sprechen, aber das macht nichts, denn die Menschen lieben Evis Offenheit und ihr Lachen.

Feiern kann sie, lustig sein sowieso, näht sich Kostüme für Faschingsbälle und lässt sich in Kitzbühl bei einer Hüttengaudi den Skioverall von Franz Beckenbauer signieren. Von ihren Reisen kehrt sie nie ohne Geschenke für die Daheimgebliebenen zurück.
Ab 1970 führt Evi das „Alles für‘s Kind“ in der Hauptstraße 28. Der Laden versorgt die Kehler mit Schnullern, Taufanzügen oder Kinderbetten. Evi berät, liefert und baut mit auf. Und hat für jedes Kind ein liebes Wort. 1993 gibt sie das Geschäft ab und wird hauptberuflich Oma, bringt ihren sieben geliebten Enkelkindern das Kochen bei und nimmt sie mit auf ihre Reisen.

Mit 70, da ist die Ehe mit Hansjörg lange geschieden, lernt sie Ernst Baumert kennen und lieben. Beide verbringen schöne gemeinsame Jahre. Als Ernst im Januar 2019 stirbt, ist Evi nicht alleine. Die nächsten Monate wohnt sie mit ihrem Sohn Philipp und Enkelin Marie in Sundheim. Es ist eine schöne, eine intensive Zeit. In den letzten Wochen ihres Lebens blättert sie in Fotoalben, trifft viele Freunde und schwelgt in Erinnerungen, als ob sie spürt, dass da etwas kommt, auf das man sich nicht vorbereiten kann.
Am 2. Juli stürzt Evi und kommt ins Kehler Krankenhaus. Dorthin, wo sie vor 88 Jahren geboren wurde. Im Krankenzimmer fragt Evi ihre Tochter noch: Bin ich in Kehl? Ja, das bist du. Da ist Evi beruhigt. Bald darauf, nachdem ihre Liebsten gegangen sind, hört Evis Herz auf zu schlagen.

Ihre Asche wurde, wie sie sich es gewünscht hat, in den Rhein gestreut. Der trägt sie dann für ihre letzte Reise noch einmal durch „ihr“ Kehl.

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