Jubiläum Narrhalla Nelram

Im Portrait: Die Trainer der Narrhalla-Tanzgarden

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 4 Minuten
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27. Januar 2020

Michael Barbian und Marion Fischer (Mitte) trainieren die vier Tanzgarden der Narrhalla Nelram. Momentan kommt er zweimal pro Woche nach Marlen, um mit der Prinzengarde die Choreografie einzustudieren. ©Michael Müller

Zum sechsmal elften Mal veranstaltet die „Narr­halla Nelram“ in diesem Jahr ihre großen Prunksitzungen. Die Kehler Zeitung nimmt dieses närrische Jubiläum zum Anlass, in einer kleinen Porträtserie Menschen vorzustellen, ohne die eine Prunksitzung in Marlen schlechterdings nicht vorstellbar ist. Heute: die Trainer der Tanzgarden – Michael Barbian und Marion Fischer.

Den Vergleich mit der Blues-Musik findet Michael Barbian gar nicht so abwegig. Denn so wie es beim Blues ein bestimmtes Repertoire an Rhythmen, Akkorden und Noten gibt, gibt es auch im Gardetanz einen bestimmten „Baukasten“ an Figuren und Schrittkombinationen und Akrobatik-Elementen – und wie beim Blues kann man auch die Tanzelemente immer wieder neu zusammensetzen. „Ich hab in 35 Jahren noch nie den gleichen Marsch gemacht“, sagt er.

Gardetanz ist Sport

Barbian stammt aus dem Saarland – wo der Gardetanz ein sehr wichtiger Bestandteil der Fasnacht ist. Als Jugendlicher in Saarbrücken kam er zum Gardetanz – und brachte es einmal zum Saarland-Meister und nahm sogar einmal an den deutschen Meisterschaften im karnevalistischen Tanz teil, die vom Bund Deutscher Karneval (BDK) veranstaltet werden. Die Finalturniere finden immer vier Wochen nach Aschermittwoch statt – in großen Hallen in Köln oder Mannheim oder wie jetzt in Erfurt. 

Klingt nach Sport? Ja, ist es auch, sagt Barbian. Die Marlener Mädels sollen zwar vor allem Spaß am Tanzen und an Auftritten auf der Bühne haben und nicht in erster Linie auf Leistung getrimmt werden – aber zu den besten in der Ortenau gehören sie allemal, findet ihr Trainer. Und sie arbeiten fleißig dafür: normalerweise einmal die Woche; jetzt, in der „heißen Phase“ der Vorbereitung auf die große Prunksitzung, zweimal.

Und auch Barbian selbst steckt viel Zeit in die Vorbereitung: Schließlich muss er jedes Mal von Bühlertal aus zum Training nach Marlen fahren.

Doch die Arbeit beginnt schon weit vor den eigentlichen Trainingsstunden: Er sucht die Musik aus, die zur Gruppe passt, schneidet sie zusammen, „dann analysiert man die Musik und sucht sich Höhepunkte raus. Und daraus entwickelt man die Choreographie. Ich visualisiere sozusagen die Musik.“ 

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Am Gardetanz liebt er „die Korrektheit, die klaren Formationen, die man als Choreograph bilden kann“. Das geht nicht zuletzt mit einer Art „Geheimsprache“: „Wenn ich sage: ‚Wir machen jetzt einen Schiebeschritt, beginnend in Raum 2, dann 1, 2 und schließen‘ – dann wissen die Mädels genau was ich meine“, sagt Kollegin Marion Fischer.

Gemeint ist damit, dass die Seiten und Ecken der Bühne mit Zahlen von 1 bis 8 benannt sind – und daraus ergeben sich bestimmte „Raum-Richtungen“ für die Tänzerinnen. „1“ heißt: lange Bühnenseite vorn, mit Blick ins Publikum; die „5“ meint die lange Seite hinten, wobei die Tänzerinnen mit dem Rücken zum Publikum gewandt sind; die geraden Zahlen bezeichnen die jeweiligen Ecken der Bühne, und die „3“ und die „7“ die kurzen Bühnenseiten.

Doch die Mädels lernen nicht nur Tanzschritte – sie nehmen auch für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit viel mit: Sie entwickeln Selbstbewusstsein, aber sie lernen auch Tugenden wie Rücksichtnahme, Akzeptanz, Disziplin und Wertschätzung – ähnlich wie bei anderen Teamsportarten auch. „Und manchmal muss man als Trainer auch ein bisschen Seelsorger sein“, sagt Marion Fischer. „Manchmal kommen die Mädchen ins Training und erzählen erst mal, was sie für einen anstrengenden Tag in der Schule hatten. Dann muss man sie auch mal reden lassen und sich auch dafür Zeit nehmen.“ 

Die „Narrhalla“ nimmt übrigens bereits Kinder ab vier Jahren auf. „Wir haben einen tollen Nachwuchs hinten dran.“ Sie würde sich auch mal gerne über den einen oder anderen Jungen in der Garde freuen, sagt sie – doch die Jungs seien dafür nur schwer zu begeistern. „Fußball ist halt cooler.“ 

Nachwuchssorgen müssen sich die Marlener Garden dennoch nicht machen. Und auch bei den Trainern steht der Nachwuchs schon in den Startlöchern: Julia Luhr, Loreena Kopf, Jennifer Damm und Samira Walter haben 2018 erfolgreich einen Tanztrainer-Lehrgang des Bundes Deutscher Karneval absolviert und wollen nun ebenfalls in die Ausbildung der Gardemädels einsteigen.

Alle hatte Marion Fischer unter ihren Fittichen. Und auch ihre Tochter Lena gehört zum Trainer-Team der „Narr­halla“.

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