Kehl/Straßburg
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Die Tram ist da: Großes Fest zur Jungfernfahrt

Autor: 
Klaus Körnich/Martin Egg
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28. April 2017
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(Bild 1/4) Großer Bahnhof in Kehl: Die Tram ist da, und mit ihr reichlich politische Prominenz. ©Ulrich Marx

Kanzleramtsminister Peter Altmaier und Verkehrsminister Winfried Hermann haben am Freitagabend haben die Tram von Straßburg nach Kehl mit einer Jungfernfahrt eingeweiht. Die beiden Politiker und zahlreiche geladene Gäste überquerten in einer Straßenbahn den Rhein. Daran schloss sich ein Festakt auf dem Kehler Bahnhofsvorplatz an.

Es war ein Moment für die Geschichtsbücher: Um Punkt 17 Uhr hat am Freitag die Jungfernfahrt der Tram von der neuen Haltestelle »Citadelle« auf französischer Seite begonnen. Zwei Tramzüge bewegten sich parallel auf den Rhein zu, überquerten den Fluss auf der neuen Trambrücke bis hin zur neuen Haltestelle Kehl Bahnhof. Dort war ein Festzelt aufgebaut.

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Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) sprach im Zelt von einem »historischen Ereignis für die deutsch-französische Freundschaft«. Es gebe keinen anderen Ort auf der Welt, wo zwei Länder, die so lange Feinde waren, »eines Tages beschlossen haben, eine wirkliche Freundschaft zu schließen«, betonte Altmaier. »Wir müssen dafür kämpfen, dass diese deutsch-französische Freundschaft auch in Zukunft blüht und erhalten bleibt«, sagte der Kanzleramtsminister, der dafür sehr viel Applaus der Gäste erhielt.In flüssigem Französisch fügte er hinzu, dass Europa der Garant dafür sei, dass Frieden herrsche auf dem Kontinent. »Ich bin sicher, dass wir auch die aktuellen Schwierigkeiten, was den Brexit angeht, was die wirtschaftliche Situation in einigen Mitgliedsstaaten angeht, überwinden werden.« 

»Ich freue mich darauf, dass wir nach den Wahlen in Deutschland und Frankreich unsere gemeinsame deutsch-französische Arbeit für Europa zu einer neuen Qualität führen können«, zeigte sich Altmaier überzeugt. Die Tram sei nicht nur ein Symbol, sondern ein »ganz konkreter Baustein für unsere gemeinsame Zukunft«, bekräftigte der CDU-Politiker. Er werde dem Verkehrsminister sagen: »Wann immer noch etwas Geld notwendig ist, um zu helfen, dann werden wir uns dieser Verantwortung nicht entziehen«, so der Kanzleramtsminister unter dem starken Applaus der Zuhörer.

"Brücken bauen"

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Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte: »Es ist von großartiger Bedeutung, dass in Zeiten, wo die einen Mauern bauen, die anderen Zäune hochziehen und die Dritten mit Worten Gräben graben, wenn wir dann Brücken bauen und verkehrlich zusammenwachsen und zeigen: Dies ist Europa! Europa ist Nachbarschaft, Europa ist Zusammenleben! Das ist das starke Zeichen des heutigen Tages!«

Hermann ging auch auf den finanziellen Kraftakt ein, der von allen Beteiligten zu bewältigen war. Bund und Land tragen mehr als 25 Millionen Euro an dem Groß-Projekt. Es habe in seinen sechs Jahren, in denen er Minister sei, kein Projekt gegeben, »das so schnell beschlossen wurde, so schnell finanziert wurde und dann auch so schnell umgesetzt worden ist. Offensichtlich haben die Franzosen uns geholfen, das Ganze zu beschleunigen. Wir sind sonst langsamer«, sagte der Minister.

Hermann sprach von einer »fantastischen« Taktdichte der Tram. Dadurch werde die B 28 vom Autoverkehr entlastet. Dies sei »ein gutes Projekt für eine neue nachhaltige Mobilität in Ballungsräumen«. Vor allem für Pendler gebe es nun eine nachhaltige Alternative zur Nutzung des eigenen Autos. 

»Ein starkes Symbol«

Kehls Oberbürgermeister Toni Vetrano betonte, dass die Tram »ein ganz starkes Symbol für das Zusammenwachsen beider Städte« sei. Fast 18 Jahre habe es gedauert, bis die Tram in Betrieb gehen konnte: Sie sei »umweltfreundlich, staufrei, schnell und bequem«, zählte der OB auf. Vetrano und sein Amtskollege aus Straßburg, Roland Ries, wiesen darauf hin, dass das Projekt »Motor für die Stadtentwicklung« in Straßburg ebenso wie in Kehl sei. So wachse Straßburg zum Rhein hin, begründete Ries. Beide OB dankten ausdrücklich dem Kehler Alt-OB Günther Petry für sein Engagement. Sein Amtsvorgänger, so Vetrano, habe die »größten Hürden überspringen müssen«. Ries dankte ihm auch für die Zusammenarbeit. »Es lebe die deutsch-französische Freundschaft«, so Ries.

»Europa mit Leben füllen«

Frédéric Bierry, Präsident des Generalrats Bas Rhin, sagte: »Wir werden Europa leben und Europa mit Leben füllen.« Robert Herrmann, Präsident der Eurometropole Straßburg, fügte hinzu: »Wir sind stolz darauf, den Austausch zwischen den beiden Rheinseiten zu fördern.« Bärbel Schäfer, Regierungspräsidentin, übergab OB Vetrano symbolisch die Tram-Betriebserlaubnis: »Man kann langsam ins Schwärmen kommen: Es wird immer schöner und lebenswerter hier.«

Landrat Frank Scherer verwies auf den in Europa um sich greifenden Nationalismus: »Die Tram kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt an. Sie setzt ein starkes, emotionales Signal für ein friedliches, freiheitliches Europa.«

Ehrengast und Kanzleramtschef Peter Altmaier spricht zur Tram-Eröffnung.

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