Kehl - Kork

Ein ganz saumäßiger Einsatz

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 3 Minuten
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02. August 2013

(Bild 1/2) Im Schweinsgalopp zum Spezialeinsatz: Die ungarische Mangalitza-Schweine sollen die Sauweide in Kork reaktivieren und fast ausgestorbenen Pflanzen wie Pillen- und Kleefarn, Flohkraut oder Tännelarten ideale Bedingungen schaffen. ©Stadt Kehl

Die alte »Widi« in Kork wird reaktiviert. Schweine und Ferkel verbringen den Sommer auf der alten Sauweide. Durch ihre Art, den Boden zu durchwühlen, sollen sie seltenen Pflanzen den Boden bereiten. So könnte die »Widi« wieder zum Mekka für Botaniker werden.

Kehl-Kork. Sie wühlen sich durch Schlamm und Lehm, suhlen sich in den Wasserlachen und scheuern sich an den alten Eichen: Die ungarischen Mangalitzen, die seit wenigen Wochen auf der Korker Sauweide leben, scheinen sich richtig wohl zu fühlen. Die wolligen Schweine haben dort eine besondere Aufgabe in Sachen Naturschutz übernommen: Sie sollen die Korker Schweineweide wieder zu dem machen, was sie einst war – ein Mekka für Botaniker aus ganz Baden mit seltenen Pflanzenarten.

Bei Pflanzenliebhabern war die Korker Sauweide im Gewann »Widi« in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts weit über die Grenzen der Ortschaft hinaus bekannt. Hier befand sich der Verbreitungsschwerpunkt einiger, schon damals seltener Pflanzenarten – dank der Schweine und ihrer natürlichen Vorliebe, im Boden zu wühlen. Durch das Wühlen entstehen permanent offene Stellen in dem lehmhaltigen Bodensubstrat. Der hohe Grundwasserspiegel und die wasserstauenden Bodenschichten begünstigen das Wachstum von Pflanzengesellschaften, die ausschließlich auf solche Sonderstandorte beschränkt sind. Besondere Vertreter dieser Pflanzengattungen, die alle auf der Roten Liste stehen, sind der Kleefarn, der Pillenfarn, das Flohkraut, das Sumpf-Vergissmeinnicht und verschiedene Tännelarten.
Die Korker Sauweide wurde im Zuge des Strukturwandels in der Landwirtschaft schon vor etwa 70 Jahren aufgegeben. Nur die durchgewachsenen Stieleichen blieben als Relikt der traditionellen Landnutzungsform erhalten und lassen noch heute den Charakter der ehemaligen Weidelandschaft erkennen.

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Fachleuten zufolge ist jedoch davon auszugehen, dass die Samen der genannten bedrohten Arten im Boden überdauert haben. Von anderen Standorten ist bekannt, dass die Samen nach mehreren Jahrzehnten keimen können, wenn sich günstige Bedingungen einstellen.

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Für diese Bedingungen sollen nun, wie die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung berichtet, die ungarischen Wollschweine von Sascha Hummel sorgen, die mit Erlaubnis des Korker Ortschaftsrates vor wenigen Wochen auf die Korker Schweineweide umgesiedelt sind – ein Muttertier hat dort inzwischen sogar neun Junge zur Welt gebracht, wovon acht überlebt haben. Die kleinen Schweinchen wuseln bereits über das Gelände und graben ihre kleinen Nasen schmatzend in den Lehm, saugen an den Zitzen der Mutter oder kuscheln sich mit ihr in die hintere der beiden Schutzhütten auf der Weide.

Die Weide ist aus tierschutzrechtlichen und seuchenhygienischen Gründen von einem doppelten Elektrozaun umgeben. Außerdem soll vermieden werden, dass Wildschweine eindringen und sich mit den Wollschweinen mischen, so die städtische Umweltreferentin Sabine Wörner. Sascha Hummel bittet Spaziergänger darum, die Schweine auf keinen Fall zu füttern – sie fressen Gras und alles, was sie über oder unter der Erde finden. Darüber hinaus versorgt sie der Hobby-Schweinezüchter mit Spezialfutter.

Artenvielfalt erhalten

Mit der Beweidung der Fläche im Korker »Widi« durch die Schweine wird – wie schon mit der Wiesenwässerung, die seit 2009 bei der Kittersburger Mühle praktiziert wird – eine weitere historische Landnutzungsform wieder aufgenommen, die dazu dient, die Artenvielfalt zu erhalten.

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