Wahlkreis Offenburg/Kehl

Ein Tag mit dem FDP-Bundestagskandidaten Jan Sachs

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17. September 2013

Bauern und Bürokratie: Jan Sachs (rechts) erfährt von Hans-Jörg Körkel (links) viel über den Kleinkrieg der Landwirte mit den Behörden. Mit dabei: FDP-Kreisgeschäftsführer Hans Baas (2. v. r.) und Körkels Sohn Sebastian. ©Michael Müller

Ein junger Liberaler will in den Bundestag: Jan Sachs, 23, tritt am 22. September für die FDP im Wahlkreis Offenburg an. Er setzt auf Themen, die die Zukunft – und die seiner Generation – im Blick haben – gerade auch im Wahlkampf an der Basis.

Schwarzer Anzug, weißes Hemd, dunkelrote Krawatte: Jan Sachs setzt auf den seriösen Auftritt – trotz seiner gerade 23 Lenze. Ein bisschen wirkt der Direktkandidat der FDP im Wahlkreis Offenburg /Kehl wie der typische BWL-Student, über die die linksgerichteten Kommilitonen früher so verächtlich die Nase gerümpft haben. Student ist der gebürtige Offenburger tatsächlich – an der Kehler Hochschule für Verwaltung, der Kaderschmiede vieler Bürgermeister im Südwesten. Doch wie ein Polit-Karrierist wirkt er nicht – vielmehr neugierig und aufgeschlossen: Ein junger Mensch will die Chancen seiner Generation ausloten.

Und so trifft er sich im Wahlkampf mit denen, die an der Zukunft Deutschlands bauen. In Nordrach etwa schaut er sich das Millionenprojekt Fernwärmeleitung an, die vom Blockheizkraftwerk des Sägewerks im Ortsteil Kolonie bis in Dorf gebaut wird und zunächst die Winkelwaldklinik, das Morada-Hotel und öffentliche Einrichtungen, ab 2014 auch Privathaushalte mit Wärme versorgen soll. Nordrach will erste CO2-freie Kommune der Welt werden, wie ihm Bürgermeister Carsten Erhardt erläutert. Ein Projekt, das Sachs Respekt abnötigt.

Am frühen Nachmittag Besuch beim Ingenieurbüro RS in Achern. Das Unternehmen ist vor allem in der Ortenau wohlbekannt und schon durch zahlreiche Projekte in Erscheinung getreten. Der Verband Beratender Ingenieure (VBI) hat Wahlprüfsteine veröffentlicht – dazu gehört die Planungs- und Investitionssicherheit für öffentliche Infrastruktur. »In­frastruktur-Maßnahmen sind unterfinanziert«, kritisiert Geschäftsführer Jürgen Wilke. Es werde heute kaum noch geplant – gerade auch unter der grün-roten Landesregierung seien Neubauten drastisch zurückgefahren worden. Sachs pflichtet ihm bei: Obwohl Baden-Württemberg Geber-Land ist, sei es beim Straßenbau Schlusslicht. Wie soll man da junge Leute animieren, ihren Lebensmittelpunkt hier zu wählen?

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Auch den Fachkräftemangel kriegen die Ingenieure zu spüren – etwa wenn Stellen nicht besetzt werden können, weil es an geeigneten Bewerbern fehlt. Für Sachs Anlass, eines seiner Lieblingsthemen an den Mann zu bringen: »Das Humankapital in Europa ist ja da«, meint er mit Blick auf die vielen gut ausgebildeten jungen Leute in anderen EU-Staaten, die händeringend Jobs suchen. Ohne adäquate Zuwanderung werde Deutschland seinen Status nicht halten können.

Die Ingenieure fordern auch mehr Sachkompetenz in der Verwaltung – da sei die Politik im Bemühen, die Verwaltung zu »verschlanken«, vielfach zu weit gegangen. Wie viel Bürokratie braucht man – das ist auch ein Thema beim anschließenden Besuch auf dem Hof von Hans-Jörg Körkel in Bodersweier. Der klagt wiederum über zu viele Auflagen der Behörden – etwa über Brandschutztüren für den Schweinestall oder darüber, dass die Spalten im Betonboden, durch den die Hinterlassenschaften der Tiere verschwinden, haarklein normiert sein müssen. »Wenn die nur einen Millimeter zu schmal sind, muss man den ganzen Boden rausreißen – das sind immense Kosten«, schüttelt er den Kopf. »Wundert man sich da noch, wenn die Kollegen aufgeben?« Flächenmanagement für FFH-Gebiete, Standorte für Windkraft-Anlagen, Zertifizierung von Nahrungsmitteln – auch dies Themen, die dem Landwirt Verdruss bereiten (»Wenn du vor den Beamten nicht den Bückling machst, läuft nix«) und wo auch Sachs noch viel bürokratischen Optimierungsspielraum ausmacht.

Politisch sieht’s für Jan Sachs nicht schlecht aus: Auf der Landesliste hat er es auf Platz 14 geschafft – ein beachtliches Resultat für einen so jungen Nachwuchspolitiker, der immerhin eine so Arrivierte wie die Bundestagsabgeordnete Sibylle Laurischk beerben will. Doch vor allem geht’s ihm um die Sache selbst. »Die Kandidatur ist ein Privileg«, sagt Sachs. »Man kommt mit unheimlich vielen Leuten zusammen, die zu treffen man sonst nie die Chance gehabt hätte.«

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