Theodor Guschlbauer dirigiert in Goldscheuer

Ein Weltklasse-Konzert für die Bürgerstiftung

Autor: 
Simona Ciubotaru
Lesezeit 3 Minuten
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27. Januar 2020

Die jungen, von Theodor Guschlbauer geförderten Solisten Ali Gonzales (Horn) und David Poro (Cello) traten zum ersten Mal mit einem großen Orchester auf. ©Erwin Lang

Das Jahreskonzert der Bürgerstiftung Kehl mit dem Kammerensemble Kehl-Straßburg und den Choeur Philharmonique de Strasbourg fand erneut unter der Leitung von Theodor Guschlbauer statt – eine Darbietung der Superlative.  

 Das Publikum hatte seit Wochen diesem Kulturereignis entgegengefiebert und die katholische Kirche war bis auf den letzten Stehplatz gefüllt. Viele Musikliebhaber mussten vom Veranstalter, der Bürgerstiftung Kehl, auf das nächste Jahr vertröstet werden.

Nach einem feierlichen „Ave Verum“ von Mozart, das Catherine Bolzinger, die Leiterin des Choeur Philharmonique de Strasbourg, dirigierte, bedankte sich Jörg Armbruster, Vorsitzender der Bürgerstiftung, bei den unentgeltlich auftretenden Künstlern und beim Publikum für die Spenden nach dem letztjährigen Konzert.

Mit den damals gesammelten 5800 Euro hatte man über 20 Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien und drei Hochbegabte musikalisch ausbilden können.

Eine von ihnen, die afrikanisch-stämmige 16-jährige  Geigerin Inge-Sophie Todejrapou, spielte an diesem Abend im Kammerensemble mit, berichtete Armbruster freudig.

Maestro Theodor Guschlbauer moderierte die hochqualitative Darbietung nach dem Vorbild von Bernsteins Lehrkonzerten – lebhaft und informativ präsentierte er die Werke.

Mit Beethovens Ouverture „Prometheus“ und Haydns Chorälen (Nr. 11 und 29) aus „Die Schöpfung“ zeigten die Musiker zunächst ihre Kraft  und Virtuosität – extrem schnelle Tempi stellten das Können von Orchester und Chor auf eine harte Probe.

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Aber gerade darin kann man Dirigenten und Ensembles von Weltrang erkennen: Während mittelmäßige Musiker mit rasanten Tempi höchstens eine sportliche Kakophonie präsentieren, entfalteten Guschlbauer und die zwei internationalen Ensembles den Tumult eines Wasserfalls, dessen Wasser mit Wucht Eisschollen sprengt und den Weg in die grünenden Täler sucht. Gewissermaßen wurden auch die intellektuellen Mauern der Zuhörer gesprengt, um die Herzen für die darauffolgenden Momente freizulegen.

Die „grünenden, lichtvollen Täler“ kamen dann durch Tschaikowskys virtuoses Stück „Rokoko Variationen für Cello und Orchester“, in dem David Poro, Student an der Straßburger Musikakademie und Guschelbauers Entdeckung, glänzte. Der Cellist ist technisch ein wahrhafter Könner, der seinen eigenen Stil schon gefunden hat. Was ihm noch fehlt, kann nur durch menschliche Reife und den Weg nach innen kommen – Transparenz, mehr Feingefühl im Bereich der musikalischen Dynamik. Dass er ein herausragender Musiker werden wird, steht allerdings außer Frage.

Ebenfalls von Guschlbauer eingeladen, erfreute das Auditorium mit seiner wundervollen Darbietung auch Ali Gonzales, der das „Horn-Konzert, KV 4472“ von Mozart spielte. Beide Solisten erhielten einen sehr langen, begeisterten Applaus.

Feinfühliges Spiel

Beethovens Genie erfasst in „Coriolan“ das, wovor die Menschen am meisten Angst haben: Einsam, im Unreinen mit sich selbst und der Welt, zu sterben. Guschlbauers Interpretation und das feinfühlige Spiel des Kammerensembles Kehl-Straßburg (Konzertmeisterin: Suzanne Da Costa-Kunz) durchwühlten die Herzen der Zuhörer zutiefst.Mit Mozarts „Misericordias Domini“ und  Händels „Halleluja“ kulminierte der Abend in einer Schönheit mit geradezu mystischem Charakter.

Der Chor verblüffte dabei durch seine Perfektion und das Schweben der Sopranstimmen in schwindelerregenden Höhen.

Das Publikum feierte die  Künstler mit stehenden Ovationen und stürmischem App­laus. An Spenden kamen rund 4000 Euro zusammen, die in  das Projekt „Integration durch Musik“ fließen werden.

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