Verfahren eingestellt

Einbruch beim eigenen Bruder - prev

Autor: 
Daniel Wunsch
Lesezeit 3 Minuten
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16. Mai 2021
Obwohl der Angeklagte in eine unbewohnte Wohnung seines Bruders einbrach und ein Werkzeug klaute, wurde das Verfahren gegen ihn am Ende eingestellt. An die Tat konnte er sich gar nicht richtig erinnern.

Obwohl der Angeklagte in eine unbewohnte Wohnung seines Bruders einbrach und ein Werkzeug klaute, wurde das Verfahren gegen ihn am Ende eingestellt. An die Tat konnte er sich gar nicht richtig erinnern. ©Daniel Wunsch

Das Positive vorweg: Das Verfahren gegen den 43-jährigen Angeklagten, der sich wegen Wohnungseinbruchdiebstahls vor dem Kehler Amtsgericht behaupten musste, wurde eingestellt.

Laut Anklageschrift soll der Mann am Abend des 27. Juli 2020 gewaltsam in ein unbewohntes Haus in Kehl eingedrungen sein, indem er die Eingangstür aufbrach – Schaden etwa 500 Euro. Dort soll er einen Winkelschleifer im Wert von rund 50 Euro geklaut haben und anschließend auf einem Fahrrad geflüchtet sein.

Zwei Polizisten erklärten weitere Details zur Tat: Die Wohnung in dem Haus habe sich „im Renovierungsmodus“ befunden und gehöre seit rund einem Jahr dem Bruder des Angeklagten, nachdem er sie seiner Mutter abgekauft hatte. Zuvor wohnte diese zusammen mit dem Angeklagten und dessen Exfreundin dort. „Bis alles den Bach runter ging“, was auch zu einem Kontaktabbruch mit seiner Mutter führte, so der 43-Jährige.

Anhand der Hebelspuren erkannten die Polizisten, dass die „nagelneue Eingangstür“ nur zugezogen, jedoch nicht abgeschlossen gewesen war. Einer Nachbarin habe der Angeklagte „die Flex wie eine Trophäe gezeigt“ und gemeint, er werde es seinem Bruder „noch zeigen“, berichtete einer der beiden Polizisten.

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Emotional ging es anschließend im Amtsgericht zu: „Was soll ich mit einem Winkelschleifer?“, so der Angeklagte. Er könne sich gar nicht richtig an den Tag erinnern, da er neben Methadon auch Medikamente und Alkohol intus gehabt hatte. Er habe gehofft, dass er seinen Bruder treffen würde. Die Tür sei nur zugezogen und zudem kaputt gewesen. Doch immer wieder schweifte der Angeklagte ab und brach mehrfach in Tränen aus, als er über die schwierigen Familienverhältnisse sprach.
Als sein 41-jähriger Bruder, der mittlerweile in der Schweiz lebt, den Zeugenstand betrat, wollte der Angeklagte den Gerichtsaal verlassen. Was er überhaupt nicht verstehen könne, sei, dass nur sein Bruder, der „sowieso schon viel Geld verdient“, das ganze Erbe seines Vaters bekommen soll, sagte er.

Der geschädigte 41-Jährige versuchte seinen Bruder, den Angeklagten, zu beruhigen. Er habe Anzeige gegen Unbekannt gestellt, aber immer vermutet, dass sein Bruder in die Wohnung eingebrochen sei. Aber eigentlich wolle er ihn nicht bestrafen, sondern nur, dass er „sein Leben in den Griff“ bekomme. „Ich habe ihm oft versucht zu helfen, aber das funktioniert nicht. Er kann sich nur selbst helfen“, sagte er.

Er habe auch kein Problem mit ihm als Person, aber mit seinen Taten. Er wolle nicht, dass er ins Gefängnis muss. Jeder mache Blödsinn, aber jeder sollte dann auch Verantwortung übernehmen. „Mach eine Therapie!“, gab er seinem Bruder mit auf den Weg.

„Kein Strafinteresse“

„Der Angeklagte hat Probleme mit sich und der Welt, bräuchte eigentlich einen Verteidiger. Denkt er, dass das seine Flex ist, wäre das auch kein Diebstahl, sondern nur Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung“, so Richter Stefan Heise. Der ursprüngliche Tatvorwurf sei ein ganz anderes Kaliber.

Da der Geschädigte kein Strafinteresse habe, stellte er das Verfahren ohne Geldstrafe ein. „Das ist ein ungewöhnlicher Fall. Ich denke, er ist durch die ganzen Umständen schon genug gestraft“, sagte der Richter.

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