Die Geschichte von Ruth und Jakob Rothschild-Bodenheimer im Theater der 2 Ufer

Eine Liebe überwindet den Holocaust

Autor: 
Simona Ciubotaru
Lesezeit 3 Minuten
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27. Januar 2020

Die Mitwirkenden des Abends (von links): Andreas Dilles (Klavier), Lea Balzar (Violine), Ruth Dilles (Gesang, Rezitation und Gesamtkonzept) und Horst Kiss (Rezitation). ©Simona Ciubotaru

Im Rahmen des Projektes „Erinnerungskultur“ präsentierte das Theater der 2 Ufer am Wochenende eine Collage aus Lebenserinnerungen, Fakten, Bildern und Musik zu der verblüffenden Liebesgeschichte eines jüdischen Paares, das dem Holocaust entkam – Ruth und Jakob Rothschild-Bodenheimer.

Es heißt, dass das Leben viel interessantere Geschichten schreibt als ein Schriftsteller sie sich ausdenken kann.

Die Geschichte von Ruth Bodenheimer, einer Kehler Jüdin, und Jakob Rothschild, einem Juden aus der Schweiz, gehört zu den wenigen aus der Zeit der NS-Diktatur, die ein „Happy End“ hatten.

Ruth Bodenheimer (geboren 1919) wächst in einer wohlhabenden Kehler Familie auf. Als die Gefährdung durch die Nazis für die deutschen Juden offenbar wird, schicken die Eltern ihre Tochter nach Straßburg.

Jakob (1920 in der Schweiz geboren und aufgewachsen) verlor früh seinen Vater. Seine Mutter zieht mit ihm nach Frankreich, wo sie einen Bauernhof an der Loire besitzen. Ihre ganze Familie aus Deutschland findet bei ihnen Zuflucht. „Wir glaubten, wir seien hier sicher“, erzählt Jakob.

Als Straßburg 1939 evakuiert wird, versucht Ruth zu ihrer Oma zu fahren, nach Westfrankreich. Ihr Zug entgleist, Ruth sucht im Loire-Tal Unterkunft bei einer Freundin. Und so kommt sie zu Jakobs Familie, die sie aufnimmt. Dort verlieben sich die beiden ineinander, sie wollen gleich heiraten.

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Jakobs Mutter rät ihm aber, er solle erst in der Schweiz seinen Militärdienst absolvieren und dort Arbeit suchen. Er fügt sich, geht zurück in seine Heimat. Ruth zieht zu einem Verwandten um, bleibt aber in Frankreich. Die Romanze entfaltet sich durch Liebesbriefe, Jakob besucht mehrere Male seine Verlobte, sie sind glücklich.

1941 sucht Jakob Ruths Familie in Kehl auf. Sie wurden jedoch deportiert, er findet sie in einem Lager nahe der spanischen Grenze. Dort geben ihm die Eltern die Erlaubnis, ihre Tochter zu heiraten – die ihre Familie nie wieder sehen wird:  Auschwitz verschlang alle. Jakobs gesamte Familie (14 Mitglieder) wurde 1942 ebenfalls verhaftet und verschwand.

Jakob setzt alle Hebel in Bewegung, um Ruth aus dem Lager Rivesaltes in Südfrankreich zu retten. Das Schweizer Rote Kreuz warnt Jakob – er solle persönlich hingehen, um sie zu befreien, denn sie stünde auf der Deportationsliste für Auschwitz.

Der Jude Jakob geht freiwillig ins Lager, verlangt die Befreiung seiner Geliebten. Das Unfassbare geschieht: Man lässt sie gehen! Die beiden schaffen es, sich zusammen 1000 Kilometer durch besetztes Land bis in die Schweiz durchzuschlagen. Und lebten darauf 75 Jahre glücklich miteinander.

Von jüdischen Wiegenliedern und Balladen, und von Kompositionen von Eisler/Brecht, Kreisler, Perlman umrahmt, berührte die einmalige Liebesgeschichte die Zuhörer zutiefst. 

Mitwirkende waren Ruth Dilles (Gesang, Rezitation und Gesamtkonzept), Horst Kiss (Rezitation), Lea Balzar (Violine) und Andreas Dilles (Klavier).

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