Schulprojekt

Einstein-Gymnasium veröffentlicht neues Zeitzeugen-Hörbuch

Autor: 
Hans-Ulrich Müller-Russell
Lesezeit 3 Minuten
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11. Oktober 2018

Konzept und Realisierung lagen wieder in der Hand des Lehrers Uli Hillenbrand, Kooperationspartner war das Hanauer Museum. ©Zeitzeugen-AG

Die Zeitzeugen-AG des Kehler Einstein-Gymnasiums legt bereits ihr drittes Hörbuch vor: Vier CDs erzählen von »Evakuierung und Krieg 1939 bis 1945«. Vorgestellt wird das neue Werk kommenden Montag ab 18 Uhr im Schulzentrum Vogesenallee.

In Kehl sei nichts los, Kehl sei langweilig, haben Teilnehmer einer Befragung geantwortet, die das Stuttgarter Büro Reschl im Auftrag der Stadt durchgeführt hat. Zu dem Schluss mag kommen, wer Kehl und seine Geschichte nicht kennt.
Tatsächlich hat Kehl eine wechselvolle, teils dramatische Geschichte. 

Sie zu erschließen, ist allerdings nicht einfach, hat die Stadt doch durch Kriege und Besatzung immer wieder Archivgut verloren, in dem sich die Stadtgeschichte niedergeschlagen hat.
Umso wichtiger ist das Projekt der Zeitzeugen-AG des Einstein-Gymnasiums, die unter ihrem Lehrer Uli Hillenbrand seit 2015 Zeitzeugen befragt und die Ergebnisse der Interviews zu Hörcollagen verarbeitet, die auf CDs erworben werden können. Ein erstes Ergebnis hat die AG im September 2016 vorgestellt, ein Hörbuch mit Berichten über die sog. Zwischenzeit, die von der Evakuierung Kehls im November 1944 bis zur endgültigen Freigabe der Stadt im April 1953 reicht. Im November 2017 konnte die AG ein weiteres Hörbuch präsentieren. Zeitzeugen berichten darin über ihre Erinnerungen an die 1920er- und 1930er-Jahre.

Nun legt die AG bereits ihr drittes Hörbuch vor. Darin geht es auf vier CDs um »Evakuierung und Krieg 1939 bis 1945«. Konzept und Realisierung lagen wieder in der Hand von Uli Hillenbrand, Kooperationspartner war das Hanauer Museum Kehl.

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100 Erinnerungen 

Das Hörbuch wird am kommenden Montag, 15. Oktober, ab 18 Uhr in der Aula des Schulzentrums an der Vogesenallee vorgestellt. Dazu laden alle, die an der Entstehung beteiligt waren, sowie die Sponsoren Förderverein Einstein-Gymnasium Kehl, Historischer Verein Kehl und Kulturbüro der Stadt Kehl die Bevölkerung ein.

Präsentiert wird ein »Mammutwerk«, zu dem mehr als 100 Kehler ihre Erinnerungen mündlich beigesteuert haben, darunter auch solche, die Kehl im »Dritten Reich« auf der Flucht vor Verfolgung verlassen mussten und heute im Ausland leben. Beim Zuhörer entsteht so ein Tonbild, das weit über Kehl und Umgebung hinausreicht. Er folgt Kehlern nach Kriegsbeginn 1939 in die erste Evakuierung, die viele auf die Schwäbische Alb verschlagen hat, erlebt nach deren Rückkehr Kriegsjahre in Kehl und im besetzten Straßburg, erfährt vom Schicksal einiger Kehler an der Front und vom Leid der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen in der Kehler Region. Mit der Befreiung Straßburgs im November 1944 beginnt für die Kehler die zweite Evakuierung. Das Krieg endet für viele schrecklich, der Gedanke, befreit zu sein, klingt in den Berichten kaum an.
Die Collage endet mit der Ermahnung Harry Bruchsalers (Jg. 1923), der heute bei Tel Aviv lebt: Man soll nie die Geschichte verschweigen. Uli Hillenbrand schreibt im Booklet, das den CDs beiliegt, der Hörer möge sich nicht nur auf das Erzählte einlassen, sondern selbst Gedanken über unsere Geschichte machen und offenen Fragen und Widersprüchen nachgehen. 

In diesem Sinn kann man nur wünschen, dass diese dritte Hörcollage der AG wirklich nur vorläufig (!) zum letzten Mal die Stimmen von Zeitzeugen vereint, wie es im Booklet an anderer Stelle heißt.

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