Europarat

"Einsteiner" nehmen an »Enter! Youth Week« in Straßburg teil

Autor: 
Antje Ritzert
Lesezeit 3 Minuten
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14. Juli 2019

Sieben der insgesamt zehn Jugendlichen vom Einstein-Gymnasium haben am Donnerstagnachmittag gemeinsam mit knapp 200 anderen jungen Menschen aus der ganzen Welt die Empfehlungen an den Europarat überreicht (v.l.n.r. Renko Müller, Khounkham Hanelotxomphou, Rym El-Hettak, Juanita Tsamo, Betül Can, Elias Bier, Lehrer Georg Pelzer, Phalita Wittkau und Migrationsarbeiterin Gabriella Balassa). ©Antje Ritzert

Bei der »Enter! Youth Week« des Europarates repräsentierten Kehler Einstein-Gymnasiasten die deutsche Delegation. Eine Woche lang diskutierten die Schüler mit Jugendlichen aus 47 anderen Ländern über die sozialen Rechte von jungen Menschen.

Von allen Teilnehmern hatten die Kehler mit Abstand den kürzesten Anfahrtsweg: Während die Schüler aus Aserbaidschan, Kasachstan oder der Türkei tausende Kilometer zurücklegen mussten, um an der »Enter! Youth Week« des Europarates teilzunehmen, genügte den »Einsteinern« ein Sprung über die Brücke, um bei der großen internationalen Veranstaltung mitzumischen.

Rund 200 Jugendliche aus 48 Ländern – die meisten davon dem Europarat angeschlossen – hatten sich diese Woche in Straßburg getroffen, um sich über die sozialen Rechte von jungen Menschen auszutauschen und eine gemeinsame Empfehlung an die Politiker des Europarates aufzustellen. Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern mussten sich die Kehler nicht bewerben, um an der Veranstaltung teilzunehmen, sondern wurden vom Europarat dazu eingeladen. »Wir haben im letzten Jahr mit geflüchteten Jugendlichen und Schülern des Einstein-Gymnasiums ein gemeinsames Fotoprojekt gemacht«, erzählt Gabriella Balassa von der Diakonie Ortenau. Die Fotos, die von Oktober bis Dezember im Europarat ausgestellt waren, hatten die Leitung des Rates so beeindruckt, dass sie die Gruppe spontan zur »Enter! Youth Week« einlud.

Allerdings fuhr nur eine Teilnehmerin des ursprünglichen Foto-Projekts mit nach Straßburg. »Wir hatten schon bei der Ausstellung das Problem, dass wir für die afghanischen Geflüchteten keine Grenzübertrittserlaubnis bekommen haben. Nur die syrischen Jugendlichen konnten wir mitnehmen«, sagt Gabriella Balassa. Die Enttäuschung darüber, dass das deutsche Ausländerrecht die Gruppe spaltet, ist ihr noch immer anzumerken. »Die Behörden haben keinen Grund dafür gesehen, dass unsere Afghanen drüben in Straßburg herumspringen«, macht sie ihrem Ärger Luft.

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Positives Fazit

Von den zehn »Einsteinern«, die letztlich mit zur »Enter! Youth Week« gefahren sind, haben neun einen Migrationshintergrund. »Das war uns wichtig«, sagt Balassa. Schließlich seien Migrantenkinder in Deutschland generell benachteiligt und könnten daher am besten mitreden, wenn es um die sozialen Rechte von Jugendlichen geht. »Die Kinder von Einwanderern müssen sich manchmal doppelt so anstrengen wie ein Deutscher, um ihren Bildungsabschluss zu bekommen.«

Eine der Empfehlungen, die die 200 Jugendlichen am Ende der »Enter! Youth Week« an den Europarat formuliert hatten, war denn auch ein Bildungssystem, bei dem die Schüler so lange wie möglich in einer gemeinsamen Klasse lernen. Eine andere Forderung war, dass man in der Schule mehr über die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen reden sollte. Betül Can, die an der Arbeitsgruppe »Gender Equality« teilgenommen hatte, berichtete: »In Ländern wie der Ukraine, Russland oder Bosnien ist die Situation viel schwerer als in Deutschland. Da werden Frauen immer noch unterdrückt.« Auch die sexuelle Aufklärung sollte verpflichtend überall in den Lehrplan aufgenommen werden, so die Zehntklässlerin.

Georg Pelzer, der das Projekt zusammen mit Gabriella Balassa begleitet hat, zog ein überaus positives Resümee der Veranstaltung: »Ich finde es toll, dass sich unsere Schüler mit so vielen Nationen getroffen haben, um diese Themen zu diskutieren«, so der Ethik-Lehrer vom Einstein-Gymnasium. »Auch um zu sehen, wie Politik funktioniert, welche Aktionen man machen kann und dass man manchmal einen Kompromiss finden muss.«
 

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