Kehl

»Es muss mehr als all das geben«

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Redaktion
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12. Oktober 2012
Foto: Hochschule - Annette Bernards hat seit 20 Jahren als Professorin an der Hochschule das Zivilrecht im Griff.

Foto: Hochschule - Annette Bernards hat seit 20 Jahren als Professorin an der Hochschule das Zivilrecht im Griff.

Annette Bernards hat zum Wintersemester 1992 ih- ren Dienst als Professorin an der Hochschule Kehl begonnen. Engagement spielt im Leben der 59-Jährigen eine große Rolle. Sie ist Prodekanin der Fakultät Rechts- und Kommunalwissenschaften und Ethik-Beauftragte der Hochschule. In dieser Funktion ist sie verantwortlich für die Organisation der Veranstaltungsreihe Studium Generale/Forum Zukunftsfragen. Bernards unterrichtet fast alle Bereiche des Zivilrechts. In den 20 Jahren ihrer Arbeit an der Hochschule hat sie einige Studierenden- generationen miterlebt. Ebenso die strukturellen Veränderungen an der Verwaltungshochschule. Ein kleiner Rückblick:

Frau Bernards, Sie sind bereits seit 20 Jahren Hochschullehrerin. Wer oder was hat Sie gerade nach Kehl gezogen?

Annette Bernards: Ich denke, das liegt in erster Linie an meinem Onkel, Professor Günter Rosenkötter, der schon seit den Anfängen der Hochschule hier gelehrt und viel davon erzählt hat. Deshalb war ich über die Hochschule immer gut informiert. So bin ich hier gelandet.

Die Umstellung vom Diplom- auf das Bachelorsystem war wohl die größte Studienreform in der Geschichte der Hochschule. Dass sich die Ausbildungszeit um ein halbes Jahr verkürzte, ist nur eine Folge dieser Umstellung. Konnten Sie noch weitere Veränderungen feststellen?

Bernards: Grundlegend vonder Atmosphäre her hat sich eigentlich nicht viel verändert. Natürlich haben die verschiedenen Reformen, wie eben die Umstellung vom Diplom auf den Bachelor, manches verbessert und manches verschlechtert. Aber das gehört irgendwie zu einer Hochschule auch dazu.

Studienreformen sollen Verbesserungen mit sich bringen. Haben es die Studierenden heutzutage einfacher?

Bernards: Es kommt darauf an. Das Bachelorstudium ist zum Großteil sehr verschult und die Studierenden bekommen den Lehrstoff mundgerecht serviert. Mit der Einführung des Bachelorstudiums wurde ein Semester gestrichen und der Stoff muss daher sehr konzentriert gelehrt werden, was für die Studierenden aus meiner Sicht schwieriger ist. Positiv hingegen ist jedoch die Entwicklung vom Detailwissen zum exemplarischen Lernen.

Ein voller Vorlesungsplan also für die Kehler Studierenden. Das heißt sicher auch viel Disziplin und Selbstorganisation, um erfolgreich durchs Studium zu kommen. Hat sich das Verhalten der Studierenden im Laufe der Zeit verändert?

Bernards: Das kann man so nicht sagen. Ein pauschaler Trend ist nicht zu erkennen. Jede Gruppe und jeder Jahrgang ist individuell, weshalb es insbesondere auf die Zusammensetzung einer Gruppe ankommt. In der Regel sind die jungen Damen eher fleißiger als die Herren. Dafür nehmen die Herren das Studium etwas lockerer und tendieren beispielsweise eher dazu, den Tag hin und wieder mal erst mit der zweiten Stunde zu beginnen. Das hat aber nichts mit Intelligenz zu tun. Spannend sind einfach die unterschiedlichen Leute, die man Tag für Tag an der Hochschule antrifft.

Die Hochschule Kehl wird oft auch als eine Bürgermeister-Schmiede bezeichnet. Erkennt man

als Dozent potentielle Bürgermeister bereits in den Vorlesungen?Bernards: Durchaus! Manch-mal hat man schon den Eindruck, dass der ein oder die andere dafür prädestiniert ist. Erlernen kann man diesen Beruf nur bedingt, dazu braucht es schon eine Grundbegabung. Ein Bürgermeister muss kommunikativ sein, er muss viele Kontakte haben und auch seinen Lebensstil teilweise an den Beruf anpassen können.

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Die Studierenden sieht man oft kleine Köfferchen mit ihren Gesetzestexten durch die Hochschulflure tragen. Paragrafen gehören zum Verwaltungsstudium eben dazu. Was sollte Ihrer Meinung nach an einer Hochschule nie fehlen?

Bernards: Ich finde, es braucht Räume, in denen alleHochschulangehörigen außerhalb der Lehrveranstaltungen in einen gemeinsamen Dialog kommen können. Ferner braucht es Veranstaltungen, wie das Sommerfest, Kaffeerunden oder einen Stammtisch, wo sich Studierende, Professoren und Verwaltungsmitarbeiter austauschen können. Ein gutes Forum für den Austausch ist somit auch das Studium Generale/Forum Zukunftsfragen. Hier wird man mit Themen konfrontiert, die über den Tellerrand hinausgehen. Eine ideale Hochschule zeichnet sich dadurch aus, dass eine Atmosphäre herrscht, in der Lernen Spaß macht und Studierende und Professoren gerne an die Hochschule kommen.

Gab es für Sie in den zurückliegenden 20 Jahren ihrer Hochschularbeit einen besonderen Höhepunkt?

Bernards: Ein alljährlich wiederkehrendes Highlight ist definitiv das Sommerfest. Und außerdem bin ich sehr glücklich über die Einführung der Hochschulseelsorge, welche für Studierende eine sehr hilfreiche und wertvolle Anlaufstelle ist.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Was haben Sie sich für die nächsten

20 Jahre vorgenommen? Bernards: Noch habe ich sechs Jahre an der Hochschule vor mir. Diese Zeit möchte ich vor allem nutzen, um die Ethik-Beauftragung zu intensivieren. Danach könnte ich mir vorstellen, für einige Monate nach Peru oder Afrika zu reisen und die unterschiedlichen Kulturen kennen zu lernen.

Sie werden die Studierenden also noch ein Stück begleiten. Was geben Sie ihnen mit auf den Weg?

Bernards: Es muss noch mehr als all das geben! Das heißt: Mehr als Studium!

Viele Kehler Studierende kennen Annette Bernards nur aus Zivilrechtsvorlesungen. Fast könnte man jedoch sagen, dass die Professorin bereits zum Inventar der Hochschule gehört. Die Juristin wohnt in Karlsruhe und pendelt drei- bis viermal pro Woche nach Kehl.

Die 59-Jährige ist ledig und geht in ihrer Freizeit mehreren Ehrenämtern nach. Ihr Engagement bringt sie vor allem im kirchlichen Bereich ein, gestaltet Gottesdienste und Glaubenskurse für Erwachsene mit, besucht Senioren in Pflegeeinrichtungen und leitet die Kirchensteuervertretung, die sich um die Verteilung der Kirchensteuermittel in der Erzdiözese Freiburg kümmert. Außerdem reist sie gerne. In den 20 Jahren ihrer Lehrtätigkeit an der Hochschule begleitete Annette Bernards mehrere Studierende beispielsweise auf Studienreisen an Partnerhochschulen in den USA. Als selbstbekennender »Trekking-Typ« war sie bereits im Himalaya, in den Anden und in Asien. Doch an einen Ort zieht es die Jubilarin ganz besonders: »Mein absolutes Lieblingsland ist Peru. An diesem Land faszinieren mich vor allem die Musik, die Indio-Kultur und die atemberaubende Landschaft mit all ihren Facetten. Am liebsten würde ich gleich heute noch nach Peru aufbrechen.«

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