Europawahl

EU hat in Kehl Feuerlöschboot und Kinderkrippe ermöglicht

Autor: 
Redaktion
Lesezeit 3 Minuten
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24. Mai 2019

Die "Europa 1" in Aktion. ©Ulrich Marx

In einer kleinen Serie stellt die Kehler Stadtverwaltung Projekte vor, die ohne EU-Mittel nicht so leicht hätten ermöglicht werden können. Heute: Die grenzüberschreitende Kinderkrippe in Straßburg sowie das deutsch-französische Feuerlöschboot "Europa 1".

Als der Straßburger Oberbürgermeister Roland Ries 2009 anregte, eine grenzüberschreitende deutsch-französische Kinderkrippe zu gründen, fehlten sowohl in Straßburg als auch in Kehl Betreuungsplätze für Kinder im Alter von unter drei Jahren. Als der spätere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, 2004 die grenzüberschreitende Gartenschau und dort das Basler Feuerlöschboot besuchte, wurde ihm vermittelt, dass angesichts der Industriebetriebe in den Häfen von Straßburg und Kehl ein Löschboot für die Feuerwehren vor Ort von großer Bedeutung wäre. 
Beide Projekte konnten für den Bedarf an der Nahtstelle zwischen Frankreich und Deutschland und dank der Kofinanzierung durch Interreg-Mittel umgesetzt werden.
Das Feuerlöschboot »Europa 1«, das im Sommer 2007 in Dienst gestellt wurde, ist ein Musterbeispiel grenzüberschreitender Kooperation. Es ist 23 Meter lang, 6,20 Meter breit, 40 Stundenkilometer schnell und mit acht Mann Besatzung voll einsatzfähig. Das Feuerlöschboot wurde von der Europäischen Union (Interreg-Zuschuss: eine Million Euro), mehreren französischen Gebietskörperschaften und dem Land Baden-Württemberg finanziert. 
Die Konzeption für das Boot und dessen Betrieb wurden von deutschen und französischen Feuerwehrverantwortlichen ausgetüftelt. Da es im Brandfall bis zu acht Stunden dauert, bis ein Löschboot aus Mannheim oder Basel eintreffen würde, waren die Finanzpartner bereit, 2,5 Millionen Euro für das Löschboot aufzuwenden. 

Einsatz beim Nato-Gipfel

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Ihren Liegeplatz hat die »Europa 1« im Straßburger Nord-Hafen – vier Kilometer von der Kehler Feuerwache entfernt. Vor Ort sind die Kehler Feuerwehrleute im Einsatzfall so schnell wie ihre Kollegen aus Straßburg, die aus der Innenstadt anfahren müssen.
Muss die »Europa 1« auslaufen, übernimmt unter der Woche tagsüber die Straßburger Berufsfeuerwehr den Dienst auf dem Schiff, an Wochenenden und nachts sind die Kehler Feuerwehrleute in Alarmbereitschaft. Diese Aufteilung funktioniert seit 2007. Zehn bis zwölf Einsätze fährt die »Europa 1« pro Jahr. 
Das deutsch-französische Löschboot läuft auch aus, wenn Personen im Rhein vermisst werden. Häufig liefert die »Europa 1« mit ihren starken Pumpen und einer Kapazität von zehn Löschfahrzeugen auch Wasser, wenn es an einem der Rheinufer brennt. So geschehen bei Bränden im Kehler und Straßburger Hafen oder als autonome Gruppen beim Nato-Gipfel im Rheinhafenviertel das Ibis-Hotel in Brand gesteckt haben. Die »Europa 1« wird auch zur technischen Hilfeleistung herangezogen – vor allem dann, wenn ein Schiff auf dem Rhein in Not gerät. Ein weiteres Beispiel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit: 30 Kinder aus Straßburger und 30 Kinder aus Kehler Familien können ihre ersten drei Lebensjahre seit April 2014 gemeinsam in der ersten deutsch-französischen Kinderkrippe verbringen. 

Zweisprachig

Sie wachsen nicht nur mit beiden Sprachen auf, sondern auch mit beiden Kulturen. Elemente aus dem französischen System wurden mit Elementen aus dem deutschen System so kombiniert, dass ein eigenes, der Krippe angepasstes pädagogisches Konzept entstanden ist, das von jeweils acht deutschen und französischen pädagogischen Fachkräften umgesetzt wird. Geleitet wird die Krippe ebenfalls von einem deutsch-französischen Duo. 
Dank der Zuschüsse in Höhe von 1,68 Millionen Euro aus dem Interreg-Programm der EU konnte die Krippe in einem Neubau untergebracht werden, der von einem deutsch-französischen Architektenteam auf dem Gelände der Rheinhafenschule am Straßburger Rheinufer errichtet wurde.

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