Kehl

Ex-Finanzjongleur Josef Müller im Gospelhouse Kehl

Autor: 
Karin Bürk
Lesezeit 3 Minuten
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16. Juni 2019

Deutschlands ziemlich bester Schurke – heute ein geläuterter Mann: Ex-Finanzjongleur Josef Müller erzählte im Gospelhouse aus seinem bewegten Leben. ©Karin Bürk

Früher war er ein erfolgreicher Steuerberater und lebte in Saus und Braus. Dann rutschte er ab, wusch Gelder der US-Drogenmafia und »lieh« sich das Geld seiner Mandanten. Im Gefängnis wurde aus dem Saulus ein Paulus. Am Samstagabend erzählte Josef Müller im Gospelhouse in Kehl aus seinem bewegten Leben.

»Vom FBI gesucht, in Gott gefunden« – mit diesen Einführungsworten durfte Pastor Peter Forschle Deutschlands ziemlich besten Schurken Josef Müller im Gospelhouse in Kehl begrüßen. Es folgte ein kurzer Videobeitrag, in dem Weggefährten und er selbst zu Wort kommen. Dann wurde der ehemalige Finanzjongleur und Betrüger über eine rote Rampe auf die Bühne gerollt. 

Zu Gast bei Prinz Charles

So sieht er also aus, der Mann, der bei Prinz Charles auf dessen Landgut High­grove Gast und mit Michael Jacksons Schwester La Toya liiert war. Müller gewährte einen exklusiven Einblick in seine Vergangenheit, welche ihn als Krimineller ins Gefängnis führte. Schon nach den ersten Sätzen merkte man als Zuhörer ziemlich schnell, dass das Leben die unglaublichsten Geschichten schreibt.

Behütete Jugend

Müller, im bayerischen Fürstenfeldbruck geboren, wächst in behüteten Verhältnissen auf. Sein Vater ist von Beruf Kriminalbeamter (Anm. Müller: »Man weiß nie wann man ihn mal braucht«), seine Mutter OP-Schwester. Mit 17 erleidet er einen schweren Autounfall, ist seitdem querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Aber er will das Beste daraus machen. 

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Müller absolviert eine Ausbildung zum Steuerberater, hat in seinen besten Jahren vier Kanzleien und mehrere Angestellte. Der Beginn einer Karriere, die geprägt war durch den Wunsch nach mehr. Mehr Geld, mehr Macht, mehr Autos, mehr Luxus, pure Dekadenz. Für seinen schwarzen Rolls Royce engagierte er einen weißen für seinen weißen Rolls Royce einen schwarzen Chauffeur. »Da fällst du auf in München.« Heute sagte er über diese Zeit: »Für Geld gibt es keinen Sättigungsgrad, man ist nie zufrieden.« 

Flucht durch Europa, Verhaftung in Wien

Eines Tages dann die Anfrage aus den USA, mit der Bitte, 40 Millionen Dollar aus einer Erbschaft sicher in Deutschland anzulegen. Was Müller nicht wusste: Das Geld stammte aus illegalen Drogen- und Waffenverkäufen. Er betrog und wurde betrogen, verdiente Millionen und verlor Millionen. Was folgt, ist eine Flucht durch Europa. 2005 wird er in Wien verhaftet. 

Über die Zeit im Gefängnis sagt er: »Das war das Beste was mir je passiert ist, es hat mein Leben verändert.« Im Gefängnis sticht ihm ein rotes Buch mit dem Titel »Das Neue« – gemeint ist das Neue Testament – ins Auge. Er bekennt sich zu Gott und erhält als Katholik ein Stipendium, um Theologie zu studieren. »Eines der vielen Wunder in meinem Leben«, wie er es nennt. 

Vom Saulus zum Paulus

Gespannt hängt der Zuhörer an seinen Lippen und saugt die Wandlung vom Saulus zum Paulus auf. Mit einer gehörigen Portion Humor und vor allem mit einer noch größeren Menge an Energie lädt er die Zuhörer ein, selbst Erfahrung mit Gott zu machen.
Müller hat in seinem Leben die Erfahrung gemacht: Oben ist die Luft ziemlich dünn, und du bist allein. »Eigentlich bin ich dankbar, dass mich meine Freunde von damals nicht mehr kennen wollen«, sagt er. »Ich habe viele neue Freunde gewonnen, einer davon ist Gott.« Und mit seiner Hilfe ist er ein anderer Mensch geworden – glücklich und frei.

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