Kehl

Feldhasen werden nachts gezählt

Autor: 
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
14. April 2021
Störche fressen Feldhasen.

Störche fressen Feldhasen. ©Rainer Hempelmann

Ob Zartbitter oder Vollmilch – für viele gehört der Hase zu Ostern dazu. 220 Millio­nen Schoko-Hoppler werden jedes Jahr in Deutschland für das Fest produziert. Von dieser Zahl ist das echte Langohr weit entfernt. Geschätzt drei Millionen Feldhasen gibt es noch in Deutschland. Die Rote Liste stuft ihn als gefährdet ein – auch am Oberrhein. Obwohl es hier im Vergleich zu anderen Gebieten noch die meisten Tiere in Baden-Württemberg gibt.

„Die Zahl der Feldhasen hat auch im Raum Kehl/Achern in den vergangenen 30, 40 Jahren deutlich abgenommen“, sagt Kreisjägermeister Rainer Hempelmann. Und das ist nicht nur ein subjektiver Eindruck. „Der Feldhase ist gut erforscht.“ So zählt die Wildforschungsstelle des Landes Baden-Württemberg am Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg (LAZ BW) seit 1997 das Langohr im Land – jedes Jahr gleich zweimal. „Die Zahl im Frühjahr bildet ab, wie viele Tiere über den Winter gekommen sind, und die Zahl im Herbst, wie viele es über den Sommer geschafft haben, inklusive des Nachwuchses“, erklärt Hempelmann.

„In Odelshofen gut“

Seit Beginn der Zählung sind die Zahlen relativ stabil. 2019 und 2020 ging es sogar nach oben. 14 Feldhasen lebten da im Land auf einem Quadratkilometer. Normalerweise schwankt die Zahl zwischen 10 und 12. Spitzenreiter ist zumeist das Gebiet „Mittleres Oberrhein-Tiefland“, zu dem die Ortenau gehört. Da waren es 2019 im Frühjahr gar fast 30 Hasen pro Quadratkilometer und im Herbst knapp 21.

Also doch alles in Ordnung? Mitnichten. Die Hasen werden nicht umsonst gezählt. „Die Bestände sind in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken“, bestätigt die LAZ BW Hempelmanns Eindruck. Es gibt Reviere, da tummeln sich noch relativ viele Feldhasen. „In meinem Revier in Odelshofen gibt es zum Beispiel einen noch recht guten Bestand“, sagt Hempelmann. Aber in anderen Revieren sieht es deutlich schlechter aus. Durch die jährliche Zählung wissen die Jäger dann genau, ob das Gebiet hasenfreundlicher gemacht werden muss oder nicht.

- Anzeige -

- Anzeige -

Denn genau das ist der Grund für den Rückgang der Tiere: Der Lebensraum passt nicht mehr zu ihren Bedürfnissen. „Das hängt mit den Veränderungen in der Landwirtschaft zusammen“, sagt Hempelmann. Nach dem Krieg gab es viele Kleinbauern, die ein paar Schweine, Rinder und Hühner hielten. Das Tierfutter kam von den eigenen Feldern, die dadurch artenreicher bepflanzt und bewirtschaftet wurden. „Doch als die Tierhaltung verschwand und auf reinen Ackerbau umgestellt wurde, veränderte sich die Feldflur“, weiß Hempelmann Gleichzeitig gibt es immer weniger „Feldraine, Hecken und Streuobstwiesen“. Die Folge: Der Hase verlor seine Deckung.

Die Veränderung macht nicht nur ihm zu schaffen. „Sie hat massiven Einfluss auf alle im Feld beheimateten Arten“, sagt Hempelmann. Wie auf Fasane. Oder Rebhühner – „die gab es bis in die 70er-Jahre hinein; dann sind sie schnell verschwunden“. In ganz Europa: „Seit 1980 sind die Bestände um rund 90 Prozent eingebrochen“, so der Naturschutzbund Baden-Württemberg.

Und noch ein Problem hat der Feldhase: viele potenzielle Fressfeinde – etwa Füchse, Marder, Wiesel und Raubvögel, aber auch Störche. „Der Storch gehört ins Hanauerland“, betont Hempelmann. „Aber für viele bodenbrütenden Arten ist er mit zu einem Problem geworden.“

„Nässe und Kälte“

Dennoch gibt es wieder mehr Feldhasen. Das könnte an den langen Trockenperioden liegen. „Nässe und Kälte fördern gerade bei Junghasen Krankheiten“, sagt Hempelmann. „Gesichert ist, dass die Fuchsdichte in den letzten fünf, sechs Jahren massiv zurückgegangen ist, weil die Räude durch die Bestände ging.“
Und der Mensch versucht, den Feldhasen zu helfen. So hat der Landesjagdverband vor zwei Jahren ein Projekt mit dem Land gestartet – die „Allianz für Niederwild“. „Dabei geht es um Maßnahmen, die die Feldflure aufwerten“, erläutert Hempelmann. „Dafür werden die Landwirte aktiv ins Boot geholt.“ Seine Erfahrung ist: „Es wird von allen Seiten genügend und oft zu unrecht auf die Landwirte eingedroschen. Meine Erfahrung ist eine andere: Viele sind gerne bereit, etwas für die Feldflure zu tun. Sie stellen Flächen für Stilllegungen zur Verfügung oder bepflanzen sie gemeinsam mit der Jägerschaft so, dass die Tiere im Winter etwas davon haben.“

Gefährdet ist der Feldhase nach wie vor. „Ich würde mir ein Umdenken bei manchen Naturschützern wünschen“, sagt Hempelmann. „Dass es nicht nur um plakativen Naturschutz für eine Art wie den Storch geht, sondern dass immer auch darauf geachtet wird, was diese Maßnahmen für andere Arten bedeuten.“ Dann hat der Feldhase vielleicht irgendwann wieder eine Chance, genügend Lebensraum für sich und seine Nachkommen vorzufinden. „Wir kämpfen dafür“, sagt Rainer Hempelmann. „Ich mag den Hasen. Er ist ein interessantes Tier.“

Info

Zum Thema

Wildtier-Monitoring
Die Tiere in Feld, Wald und Wiesen werden in drei Gruppen („Schalen“) eingeteilt. Danach entscheidet sich, ob die Tiere gejagt werden dürfen und ob ihnen in ihrem Lebensraum geholfen werden muss. In die Gruppe „Nutzungsmanagement“ (nicht gefährdete Arten) gehören beispielsweise Wildschwein, Fuchs und Dachs. Der Feldhase findet sich in der Gruppe „Entwicklungsmanagement“, gemeinsam mit Arten wie Baummarder, Graugans und Fasan. Zum „Schutzmanagement“ (stark gefährdet) gehören unter anderem Wildkatze, Auerhuhn und Habicht.

Hasen-Zählung
Da der Feldhase überwiegend nachts aktiv ist, wird er auch nachts gezählt. Der Jäger fährt ein bestimmtes Gebiet ab und leuchtet mit einem Suchscheinwerfer die Fläche ab. „So kann er die Population gut einschätzen“, sagt Kreisjägermeister Rainer Hempelmann. Zugleich sucht sich die LAZ BW jedes Mal „bestimmte Reviere aus, in denen sie mit hochwissenschaftlichen Ansätzen arbeitet“. So kommt dann unterm Strich eine Zahl heraus, die angibt, wie viele Feldhasen pro Quadratkilometer Land leben.
Weitere Informationen zu den Feldhasen und der Zählung findet sich online bei der Wildforschungsstelle des Landes unter:https://lazbw.landwirtschaft-bw.de/pb/,Lde/Startseite/Themen/Feldhasenmo...

Jagdverband
Der Landesjagdverband ist ein anerkannter Naturschutzverband. Die Kreisjägervereinigung Kehl/Achern ist Teil des Verbands. 473 Jäger sind hier Mitglied.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kehl

Per Bebauungsplanänderung bekommt ein Marlener Bauunternehmen Platz für eine Erweiterung.
12.05.2021
Kehl - Marlen
Goldscheuerer Ortschaftsräte schaffen bei der „Marler Viehweide“ die Grundlagen zur Firmenerweiterung.
Zweimal hat das Stadtfest im Mai wegen der Corona-Pandemie ausfallen müssen. Doch die Kehler lassen sich nicht unterkriegen. Die Koffer sind gepackt. Es geht Richtung Messdi 2022!
11.05.2021
Kehl
Serie 50 Jahre Kehler Messdi (7/7): Ein Fest, das gute Laune macht / Atmosphäre wie im Urlaub / Augenblicke in Bildern festgehalten
Das Pfarrer-Duo Ulrich Henze und Alban Meier (rechts) 2010 bei ihrem letzten ökumenischen Messdi-Gottesdienst im Hanauerzelt vor der Friedenskirche. 
11.05.2021
50 Jahre Kehler Messdi
Die Vertreter beider Kirchen predigen zur Eröffnung der Messdi immer gemeinsam im Bierzelt. Die Hoffnungen ruhen nun auf 2022, wenn es eventuell wieder heißt: Der Messdi ist eröffnet.
Der Handel hofft, dass er bald öffnen darf.
11.05.2021
Kehl
Welche Corona-Regeln gelten gerade? Kehl Marketing unterstützt die Einzelhändler mit Vorlagen zum Aufhängen, auf denen die aktuellen Maßnahmen kurz dargestellt werden.
Man sieht, dass man nichts sieht: Regelmäßig versperren in der Kittersburger Straße Kleintransporter, die vor dem Beginn der Halteverbotszone geparkt werden, Autofahrern die Einsicht in den Kurvenbereich, sodass man den Gegenverkehr erst spät wahrnimmt.
11.05.2021
Kehl - Goldscheuer
Die Parkverbotszone im Einmündungsbereich der Kittersburger Straße in Goldscheuer soll auf die ursprünglich vorgesehene Länge ausgeweitet werden. Dies hat der Ortschaftsrat beschlossen.
Heiko Borsch, Leiter des Juke, freut sich über das Angebot, dass er den Jugendlichen machen kann.
11.05.2021
Kehl
20 Jugendliche aus Deutschland und Frankreich können im Zuge der deutsch-französischen Workshop-Reihe „Reflexion“ gemeinsam ihr Talent bei Graffiti und Turntablism entdecken.
Stiftungsratsvorsitzender Joachim Parthon, Traudel Brandenburg und Ursula Schlenz von der Bürgerstiftung Willstätt mit einer glücklichen Käuferin, die am Samstag noch eine der mit Lebensmitteln aus dem Restbestand des Geschäfts von Irmgard Hetzel prall gefüllten „Willstätter Bürgertüten“ ergattern konnte.
11.05.2021
Willstätt
Sehr guten Zuspruch fand die Aktion der Bürgerstiftung Willstätt, die am Samstag auf dem Willstätter Wochenmarkt Überraschungstüten mit gespendeten Lebensmitteln verkaufte.
Zweimal die Woche auf dem Marktplatz, bei jedem Wetter: In 60 Jahren hat Helga Huth erst vier Mal Urlaub gemacht – immer nur für ein paar Tage.
10.05.2021
Serie Marktgeschichten, Teil 1
Seit 60 Jahren steht Helga Huths auf dem Kehler Wochenmarkt. Ihre Äpfel und Kürbisse wachsen gerade mal drei Kilometer vom Marktplatz entfernt auf dem eigenen Hof in Neumühl.
10.05.2021
Kehl
Bleibt der Inzidenzwert stabil unter 100, dürfen die Läden wieder öffnen. Aber kommen die Kunden wieder? Überleben alle Geschäfte den Lockdown? Antworten am Beispiel Kehl.
Das Großes Mausohr im Winterquartier.
10.05.2021
Kehl
Wer ein anscheinend verlassenen Jungtier findet, sollte sich unbedingt an den Nabu wenden. Zudem bietet der Verein Unterstützung beim Unterhalten von Fledermausquartieren in Gebäuden an.
Die Nordfassade der Korker Kirche schmückt nun eine 27 Quadratmeter große Kletterwand.
10.05.2021
Kehl - Kork
Die katholische Pfarrgemeinde Herz-Jesu Kork hat mit einer Boulderwand an der Kirche ein außergewöhnliches Angebot geschaffen.
Bäckermeister Thomas Doll und Verkäuferin Jutta Federer freuen sich auf viele Kunden in der neuen „Hasler Beck“-Filiale in Legelshurst
10.05.2021
Willstätt - Legelshurst
Für die geschlossene Legelshurster Filiale der Bäckerei Rack gibt es Ersatz: Der bekannte „Hasler Beck“ aus Oberkirch-Haslach eröffnet morgen seine erste Filiale im Hanauerland.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Kompetente Beratung und Produkte zum Anfassen: Die Badausstellung lädt zum persönlichen Austausch ein. 
    12.05.2021
    Rundum-sorglos-Paket für Ihre Badsanierung
    So einfach kann der Weg zum modernen und stilvollen Badezimmer sein: Kostenlose Beratung, Festpreis und alle Leistungen der Badsanierung komplett aus einer Hand. Und mit dem Online-Konfigurator lässt sich vorab die gewünschte Badvariante bequem auswählen.
  • Das Jeep Fold FAT E-Bike FR 7020 sieht nicht nur Spitze aus, sondern hat ganz schön Power. 
    11.05.2021
    Mit Rückenwind in den Sommer: Jeep Fold FAT E-Bike FR 7020
    Für alle, die ein E-Bike suchen, das sie überall hin mitnehmen können, um mobil und flexibel zu bleiben, hat bo.de das passende Angebot: Das Jeep Fold FAT E-Bike FR 7020 mit Mega-Reichweite. Es winkt ein Preisvorteil von 550 Euro.
  • Mareike Jobst und ihr Team der Akku Expert GmbH aus Offenburg.
    10.05.2021
    Ortenau bei eBay: Neuer lokaler Online-Marktplatz
    Die große Heimat kleiner Händler - unter diesem Motto ist das Projekt "eBay Deine Stadt" mit zehn lokalen Online-Marktplätzen am Start. Als Vorreiter ist auch Ortenau bei eBay dabei. Die Ortenauer können lokale Händler*innen dort unterstützen.
  • Mit dem USB-Kugelschreiber "Turnus" hat man alles fürs Meeting dabei: Schreibgerät und USB-Stick.
    09.05.2021
    Klio-Eterna: Hochwertige Schreibgeräte aus Wolfach
    Kugelschreiber & Co. sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – und ideale Werbeträger. Klio-Eterna aus Wolfach bringt klingende Firmennamen auf die Schreibtische, in Hemden- und Laptoptaschen der Nation – und das schon seit mehr als 120 Jahren. Formschöne Qualität „made in Germany“.